Schnelle Hilfe für Suchtkranke in Kufstein

Die Suchthilfe Tirol erwartet mit Corona-Pandemie mehr Betroffene. Für eine Beratungsstelle in Kufstein würden die Berater bereitstehen.

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Geschätzte 12.000 Menschen im Bezirk Kufstein sind alkoholgefährdet oder zeigen ein missbräuchliches Verhalten. (Symbolfoto)
© Keystone

Von Wolfgang Otter

Kufstein – Die schlechte Nachricht vorweg: Die Zahl der von Suchtkrankheit betroffenen Personen, die die Suchthilfe Tirol für den Bezirk Kufstein vorlegt, ist erschreckend hoch und wird weiter ansteigen. Die gute Nachricht dazu: Es gibt Hilfe und immer mehr nehmen sie in Anspruch. Wobei durch eine Zusammenführung des Vereins BIN und der Suchtberatung Tirol zur Suchthilfe Tirol die Kräfte gebündelt wurden.

Angesichts der Zahlen ist das unter Einbeziehung der im Psychosozialen Zentrum (PSZ) in Wörgl vorhandenen Angebote auch notwendig: An die 4000 Menschen im Bezirk sind akut alkoholgefährdet. 8000 weitere zeigen bereits ein missbräuchliches Verhalten, wie fundierte Schätzungen zeigen. Dazu kommen noch bis zu 40 Prozent der Bewohner, die bereits mit Cannabis Erfahrungen haben.

Auch Corona wird in den kommenden Jahren tiefe Spuren hinterlassen. „Das Suchtverhalten, das zeigt eine Befragung der Klienten, hat sich wegen der Pandemie in verschiedene Richtungen verändert. Insgesamt werden aber mehr Suchtmittel konsumiert“, berichtet Suchthilfe-Tirol-GF Wolfgang Sparber. Berater Josef Obermoser glaubt, dass „der Schwall erst zeitverzögert ankommt“. Bei der Suchthilfe melden sich Leute, die bereits erkannt haben, dass sie ein Problem haben. Wobei das Eingeständnis bereits der erste wichtige Schritt sei. Aktuell werden 250 Personen betreut, im ganzen Jahr 2020 waren es 420 (60 Prozent davon Männer).

Aber es kommen auch viele Angehörige in das PSZ. Davon berichtet Beraterin Sabine Höller auch im Zusammenhang mit Kokainmissbrauch. Das geht konform mit der Abwasseranalyse, die Kufstein als „Kokain-Hauptstadt Tirols“ ausgewiesen hat. Die Suchthilfe stünde bereit, dort eine Beratungsstelle einzurichten, wie Höller und Sparber bestätigen. Neuerlich, da man bereits vor Jahrzehnten aktiv war. Aber damals habe man eine derartige Einrichtung nicht gewollt, „da es hieß, wir ziehen Suchtkranke an“, erinnert sich Höller. Wie ein Gemeinderatsantrag zeigt, sieht man nun den Bedarf.

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In Wörgl auf alle Fälle „bedeutet für das PSZ die Bündelung der Kräfte die Fortführung des ständigen Ausbaus des Angebots: von der Rehabilitation mit Einzelbetreuung und Sozialarbeit, von der Beschäftigungs- und Arbeitsinitiative bis hin zur Einbindung der Angehörigen“, sagt Renate Mauracher, Sprecherin des PSZ Wörgl.


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