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Zum 100. Geburtstag von H. C. Artmann: „nua ka schmoezz ned“

Sprachreisender, Wortartist und Meister des literarischen Maskenspiels: Die Geburt des Vorstadtpoeten und Weltdichters H. C. Artmann jährt sich am Samstag zum 100. Mal.

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H. C. Artmann um 1980 im Vomper Loch. Fotografiert von Gert Chesi.
© Chesi

Von Joachim Leitner

Innsbruck – Am 12. April 1945 habe er mit dem Schreiben von Gedichten begonnen. Das hat H. C. Artmann einmal, gegen Ende seines Lebens, erzählt. Irgendwo in Bayern. Eine schöne Müllerstochter aus Hollabrunn soll am ersten Gedicht nicht unschuldig gewesen sein. Artmann, der zweimal aus der Wehrmacht desertierte, war damals Mitglied eines Strafbataillons. Er wollte untertauchen, sich nach Wien durchschlagen. Als er – wenige Tage nach seinem ersten Gedicht – von US-amerikanischen Soldaten gestellt wird, gibt er als Beruf „writer“ an. Die Geschichte kann natürlich ein Artmann’sches Spiel sein. Aber so hat sie Artmann erzählt. Und so soll sie weitererzählt werden. Es ist schon schlimm genug, dass die besonders tüchtigen Bürokraten der Literaturgeschichtsschreibung Artmanns selbst gewählten Geburtsort – das fiktive St. Achatz am Walde – irgendwann endgültig durch Wien ersetzten.


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