Ausweis an Wien-Attentäter geliefert: Sieben Personen in Italien in Haft

Bei den Festgenommenen handelt es sich um osteuropäische Staatsbürger. Sie werden verdächtigt, Mitglieder einer grenzüberschreitenden Organisation zu sein, die sich auf gefälschte Ausweise spezialisiert hat.

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Mailand – Sieben Personen sind von der Polizei in Mailand und in anderen lombardischen Städten wegen des Vorwurfs festgenommen worden, islamistischen Terroristen gefälschte Ausweise geliefert zu haben. Zu den Fundamentalisten, die einen gefälschten Ausweis erhalten haben, zählt auch der 20-jährige Anhänger der radikalislamistischen Terrormiliz IS und Attentäter von Wien, bestätigte der Mailänder Anti-Terror-Staatsanwalt Alberto Nobili bei einer Pressekonferenz.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um osteuropäische Staatsbürger. Sie werden verdächtigt, Mitglieder einer grenzüberschreitenden Organisation zu sein, die sich auf gefälschte Ausweise spezialisiert hat. Die Ermittlungen wurden von der Mailänder Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in die Wege geleitet.

Europaweit größte Organisationen zur Dokumentenfälschung

Laut den Justizbehörden sei der zerschlagene Ring die europaweit größte Organisationen zur Dokumentenfälschung, die jemals entdeckt wurde. Die gefälschten Ausweise, Pässe und Führerscheine seien in ganz Europa verkauft worden. Die Bande soll mindestens 15 Terroristen Ausweise vermittelt und über 1000 Dokumente gefälscht haben. Laut Nobili hatte der in Wien-Attentäter einen Ausweis bei sich, der ihm von der in Mailand etablierten Bande geliefert worden war.

Die Festnahme ist Ermittlungen zu verdanken, die die italienische Polizei Ende 2020 aufgrund einer Meldung der österreichischen Sicherheitskräfte gegen einen 35-jährigen Tschetschenen aufgenommen hatte. Er wurde im vergangenen November in der lombardischen Stadt Varese wegen Dokumentenfälschung festgenommen. Laut den Ermittlern hatte er Kontakte zu einer tschetschenischen Gruppe aus Ex-IS-Kämpfern, mit denen auch der Wien-Attentäter in Verbindung stand. Der Tschetschene bestritt die Vorwürfe und behauptete, die gefälschten Ausweise und Pässe lediglich geliefert, aber nicht gefälscht zu haben.

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Ermittler schließen Waffenhandel nicht aus

Die "The Caucasian Job" genannte Untersuchung war eingeleitet worden, nachdem die österreichischen Geheimdienste berichtet hatten, dass der Tschetschene Mitglied einer fundamentalistischen tschetschenischen Gruppe war, die angeblich 2019 einen Anschlag in Wien über die Weihnachtsfeiertage plante.

Der in Varese lebende Tschetschene wird beschuldigt, Mitglied eines internationalen Rings zu sein, das online gefälschte Dokumente verkaufte. Laut den italienischen Ermittlern, lieferte der Tschetschene der in Österreich etablierten Gruppe aus nach Europa zurückgekehrten ehemaligen IS-Kämpfern nicht nur gefälschte Ausweise und Pässe, sondern auch Geld. Die Ermittler schließen einen Waffenhandel nicht aus.

Bei dem islamistisch motivierten Terroranschlag in der Wiener Innenstadt am 2. November hatte ein nordmazedonisch-österreichischer Doppelstaatsbürger vier Personen getötet und mehr als 20 Personen teils schwer verletzt. Danach wurde er von der Polizei erschossen. (APA)


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