VW Multivan: Neue Plattform für den siebten Bulli

Der neue Multivan schafft das, was all seine über die Maßen beliebten Vorgänger nie tun durften – er kappt die Verbindungen zum Nutzfahrzeugsegment und sucht sich komfortorientierte Pkw-Verwandtschaft.

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Gegen Ende des Jahres wird der neue Multivan auf den Markt kommen.
© Volkswagen

Von Markus Höscheler

München – Vor nicht einmal zwei Jahren schlug er noch einmal groß auf, der Multivan, als Derivat des eben erst überarbeiteten Transporters T6.1. Der Kleinbus, immer wieder Bulli genannt, genießt seit Jahrzehnten Kultstatus in einer stets wachsenden Fangemeinde, wird geschätzt wegen seines Raumangebots und seines Wiederverkaufswerts, auch wenn es ab und an Probleme mit dem gebotenen Motorenportfolio gab. Der hohen Nachfrage nach dem Multivan tat dies keinen Abbruch, nicht einmal das Faktum, dass er eben im Nutzfahrzeugsegment geboren und gepflegt worden ist. Damit hat es aber bald ein Ende. Auch wenn der T6.1 vorläufig weiter produziert wird, insbesondere auch als Multivan mit Allradantrieb, gibt es nun eine Zäsur. Die Generation Nummer sieben hat eine neue Basis gefunden, nämlich in Gestalt des modularen Querbaukastens. Der stellt die Grundlage so unterschiedlicher Produkte wie Golf, Passat, Tiguan und Atlas (ein SUV für den nordamerikanischen Markt), kann also Kompaktfahrzeugen ebenso dienlich sein wie Limousinen und Sport Utility Vehicles. Neu jedoch ist das Heranziehen des MQB für eine Großraumlimousine, zumindest im VW-Konzern. Die Konkurrenz hat es schon vorgemacht, allen voran Stellantis/Groupe PSA mit der Plattform EMP2, die für Pkw ebenso gemacht ist wie für Nutzfahrzeuge.

Volkswagen nutzt die Vorteile des MQB – das bedeutet nicht nur einen erhöhten Freiheitsgrad beim Design, sondern auch bei den technischen Innovationen. So zeigte sich VW bei der Präsentation des neuen Multivan am Donnerstagabend in München stolz darauf, endlich auch einen Plug-in-Hybridantrieb für das Fahrzeug anbieten zu können. Mit lokal emissionsfreiem Antrieb in Ballungsgebieten macht sich der Multivan somit fit für das sich abzeichnende Zeitalter städtischer Fahrverbote für Fahrzeuge mit bloßen Verbrennungsmotoren. Den E-Hybrid treiben ein 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner und ein Elektromotor mit einer Systemleistung von 218 PS und einem Systemdrehmoment von 350 Newtonmetern an. Fix an Bord sind außerdem eine Sechsgang-Doppelkupplung (DSG) und ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 13 Kilowattstunden. Die Technik kennen VW-Plug-in-Hybridfahrer etwa vom Passat GTE.

Wer in diesem Sektor mehr Elektrifizierung möchte, muss auf den rein elektrisch fahrenden ID.Buzz warten, dessen Serienanlauf Volkswagen im nächsten Jahr erwartet. Für den neuen Multivan dagegen, der gegen Ende dieses Jahres in den Handel gelangt, sind auch reine Verbrenner vorgesehen: Zwei Turbobenziner mit 136 und 204 PS gibt es von Beginn an, im nächsten Jahr ergänzt ein 150 PS starker Vierzylinder-Turbodiesel das Programm. Allen gemein ist vorläufig die Beschränkung auf einen Vorderradantrieb.

Von Beginn an will Volkswagen den Multivan in zwei Karosserielängen anbieten. Die Basisversion kommt auf 4973 Millimeter, was einem Wachstum von 69 Millimetern entspricht. Die Langversion kann dagegen mit 5173 Millimetern dienen (ein Minus von 131 Millimetern). Der Radstand des „Kleinen“ erhöht sich gegenüber dem Vorgänger um 124 auf 3124 Millimeter. Der mit drei Sitzreihen bestückte Multivan bietet ein Stauvolumen von netto 469 Litern, brutto sind es 3672 Liter. Die Langversion offeriert zwischen 763 und 4005 Liter. Leicht veränderte Werte gibt es für Varianten mit dem optionalen, zweigeteilten Panoramaglasdach.

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So klar der Multivan der neuesten Generation äußerlich seine Vorgänger vom Design her zitiert, wirkt er dank schmaler, serienmäßig eingebauter LED-Frontscheinwerfer, durchgängigen Leuchtbändern und fast schon geschlossener Kühlergrillfront so frisch wie noch nie. Innen gibt es den erwartbaren Fokus auf Digitalisierung (digitale Instrumente sind serienmäßig) und eine Vielzahl von Fahrerassistenzsystemen, die den Multivan auf ein neues Sicherheitsniveau heben. Neue, leichtere Einzelsitze (zwischen 23 und 29 Kilogramm), die leicht verschiebbar und auszubauen sind, garantieren ein hohes Maß an Variabilität. Der Kleinbus zeigt in vielen Bereichen Größe.


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