Schloss Tratzberg öffnet wieder: Wände, die Geschichte erzählen

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Johannes Duda (l.) und Ulrich Goëss-Enzenberg betrachten die Wandmalereien an der Westfassade. Die Restaurierung kostet 600.000 Euro.
© Angela Dähling

Von Angela Dähling

Stans – Wer ein Schloss besitzt, muss sich vor allem mit einem beschäftigen: der Instandhaltung. Ulrich Goëss-Enzenberg kann davon ein Lied singen. Kaum sind die Bauarbeiten in einem Schlossflügel beendet, fangen die nächsten im anderen Schlossflügel an.

Heute öffnet das geschichtsträchtige Gemäuer nach monatelangem Dornröschenschlaf wieder seine Pforten. Und dabei können Besucher auch einen speziellen Handwerker bei seiner Arbeit beobachten: den Kirchenmalermeister und akademischen Restaurator Johannes Duda. Er ist im Innenhof seit Monaten dabei, die Fassaden möglichst originalgetreu wieder zu bemalen. Die ursprünglichen Fresko-Malereien, die in den feuchten Putz gemalt wurden, wurden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder übermalt. „Zwischen 1969 und 1973 wurden sie freigelegt. Das war damals eine Sensation, obwohl nur zwei bis fünf Prozent der Originalmalereien noch erkennbar waren“, erinnert sich Goëss-Enzenberg. Vor 50 Jahren erstrahlte der Innenhof dann mit neuen Wandmalereien – in den damals üblichen Industriefarben. „Das waren relativ grelle Farben. Und weil so wenig wiederherstellbar war, interpretierte der Maler aus der Not heraus“, weiß Johannes Duda.

Johannes Duda bei seiner Arbeit an der Ostfassade. „Ich versuche mich in die Maler und ihre Techniken von damals hineinzuversetzen“, sagt er.
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Die Anforderungen des Denkmalamtes sind inzwischen gewachsen und Dudas Ansprüche an seine Arbeit sind hoch: „Wir wählen jetzt wieder gedecktere Farben der Renaissance. Dass ich das hier malen darf, ist schon ein Highlight meiner Karriere“, sagt er. Die Arbeit gleicht einem Puzzle. Aus sämtlichen noch erhaltenen Fassadenmalerei-Stückchen versucht Duda das große Ganze zu replizieren. Jedes Fenster ist zwar anders umrahmt, dennoch gleichen sich die symmetrisch angeordneten Ornamente und Motive. Doch Duda kommt nicht umhin, hier und da eigene Motive hinzuzufügen. „Ich versuche mich in die Maler und ihre Techniken von damals hineinzuversetzen“, sagt er. Rund zwei Wochen Arbeit gehen pro Fenster drauf.

Was die barbusigen Frauen zwischen Engeln, Teufeln und Tiermotiven bedeuten? Duda schmunzelt: „Sex sells, das war schon in der Renaissance so.“


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