Aktion für mehr Klimaschutz bei Anreise zum Klettern und Bergsteigen

Fast 90 Prozent der Bergsportler fahren mit dem Auto. Mit einer Aktion wollen „Climbers Finest“ Kletterer und Bergsteiger zu nachhaltiger Mobilität bewegen.

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Profikletterin Lena Müller reist vor allem mit Rad oder Öffis zu den Klettergebieten.
© Dalferth, Ingrisch

Von Brigitte Warenski

Innsbruck – In Tirol locken knapp 90 Klettergebiete mit 5000 Routen Einheimische und Urlauber. Weil Klettern immer populärer wird, nimmt auch die Zahl derer, die zu den Gebieten an- und abreisen, zu und vergrößert damit den CO2-Fußabdruck, wie eine Umfrage des österreichischen und deutschen Alpenvereins zeigt. Der Weg zum Berg, Fels oder in die Halle wird nämlich zu fast 90 Prozent von den Bergsportlern (Kletterer und Bergsteiger) mit dem Auto zurückgelegt.

Weil dem Tiroler Unternehmen „Climbers Finest“ der Klimaschutz ein Anliegen ist, wurde nun die Aktion „#myfairmeans“ ins Leben gerufen. „In Zeiten der Klimakrise geht es uns um mehr nachhaltige Mobilität – und da ist Luft nach oben. Daher möchten wir neue Anreize für den Klimaschutz im Klettersport setzen und belohnen mit unserer Aktion die klimaschonende Anreise zum Klettern“, erklärt Matthias Hörmanseder von „Climbers Finest“. Gepflanzt wird in Zusammenarbeit mit „growmytree“ für jede Person, die per Rad, Öffis, zu Fuß oder per Fahrgemeinschaft zum Klettern fährt, ein Baum. „Growmytree übernehmen als Experten die Organisation und stellen sicher, dass die Bäume dort gepflanzt werden, wo es ökologisch, ökonomisch und sozial am sinnvollsten ist. Vorrangig ist das im globalen Süden. Ein Beispiel ist u. a. Enyezini in Malawi. Dort werden die Bäume gemeinsam mit einer indigenen Community gepflanzt. Die Baumschule bietet den Bewohnern dort also auch eine ökonomische Lebensgrundlage“, so Hörmanseder.

Wer ebenfalls nachhaltig mobil ist, für den wird ein Baum u. a. in Malawi gepflanzt.
© Attenberger

Testimonial der Aktion ist die in Innsbruck lebende Profikletterin Lena Müller. Seit über zwei Jahren engagiert sie sich für einen gesellschaftlichen Wandel beim Klimaschutz und nimmt daher u. a. an den Demonstrationen von „Fridays For Future“ teil. Da war für sie „die logische Konsequenz, dass ich auch persönlich Gewohnheiten ändere, um meinen CO2-Fußabdruck zu verkleinern“, sagt Müller. Wo es möglich ist, fährt sie mit Öffis oder Rad. „Weil nicht alle Touren gut mit Öffis zu erreichen sind, habe ich aber auch teilweise andere Gebiete mit guter Anbindung ausgesucht.“ Zudem setzt Müller auch bei der Ernährung und der Wahl ihrer Kletterausrüstung auf Nachhaltigkeit. In Sachen Öffis nimmt sie aber auch die Anbieter und den Staat in die Pflicht. „Klimaverträgliche Mobilität muss sozial verträglich sein. Da braucht es einfach günstige Öffis, an denen es fehlt.“

Urlauber wollen saubere Luft

Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) belastet ein Österreich-Urlaub mit dem Pkw das Klima um fast 90 % weniger als eine Flugreise nach Spanien. Noch klimafreundlicher ist ein Österreich-Urlaub mit der Bahn. „Aufgrund der Klimakrise werden autofreie Urlaubsangebote in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen“, so der VCÖ.

In Tirol sind bereits einige Projekte umgesetzt. So bewirbt die Tirol Werbung im benachbarten Ausland die Anreise mit der Bahn nach Tirol. Angebote wie die Wilder Kaiser Naturtrip App zeigen, welche Ausflugsziele autofrei erreichbar sind.

„Ein gutes öffentliches Verkehrsangebot vor Ort trägt wesentlich zur Verbesserung der Klimabilanz des Urlaubs bei und hilft zudem, die Verkehrsbelastung in der Urlaubsregion zu reduzieren. Viel Autoverkehr steht im Widerspruch zum Wunsch der Urlaubsgäste nach Natur und sauberer Luft“, sagt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. (wa)


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