Staatsbürgerschaft: ÖVP warnt vor „Masseneinbürgerungen“

Nach Parteichef Kurz betont nun auch Klubobmann Wöginger die ablehnende Haltung der Türkisen zu einer Erleichterung bei der Erlangung der Staatsbürgerschaft. Den linken Parteien gehe es „einzig und alleine darum, ein Ausländerwahlrecht durch die Hintertür“ einzuführen. Die FPÖ plädiert für Verschärfungen.

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ABD0089_20210407 - WIEN - ÷STERREICH: ÷VP-Klubchef August Wˆginger w‰hrend des Pressefoyers nach dem Ministerrat am Mittwoch, 7. April 2021, September 2020, im BKA in Wien. - FOTO: APA/ROBERT JAEGER
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Wien – Die ÖVP hat am Sonntag noch einmal ihr klares Nein zu dem (von den Grünen begrüßten) SPÖ-Vorschlag nach einer Erleichterung bei der Erlangung der Staatsbürgerschaft untermauert. „Die Links-Parteien wollen mittels Masseneinbürgerungen die politischen Mehrheitsverhältnisse im Land ändern“, sagte ÖVP-Klubobmann August Wöginger in einer Aussendung. Oberösterreichs FPÖ-Landesparteichef Manfred Haimbuchner plädierte unterdessen am Sonntag vielmehr für Verschärfungen.

„Ausländerwahlrecht durch die Hintertür“

Nachdem bereits ÖVP-Chef und Bundeskanzler Sebastian Kurz am Vortag jeder Erleichterung eine Absage erteilt hatte, unterstrich Wöginger die Position der Türkisen: „Den linken Parteien geht es in Wirklichkeit einzig und alleine darum, ein Ausländerwahlrecht durch die Hintertür einzuführen und mithilfe von über 500.000 Einbürgerungen eine potenziell neue Wählerschaft zu generieren, die ihnen in Folge eine parlamentarische Mehrheit sichern soll“, so der Klubobmann. „Keinen anderen Grund hat der durchschaubare Vorstoß der SPÖ, die Voraussetzungen für den Erhalt der Staatsbürgerschaft drastisch zu reduzieren, der von Seiten der NEOS und Grünen unterstützt wird.“

Zuvor hatte sich am Samstag auch der Koalitionspartner der ÖVP – in Person von Vizekanzler Werner Kogler – klar für derartige Lockerungen ausgesprochen. Wöginger betonte nun – wie schon zuvor Kurz –, die Volkspartei sei der „Garant“ dafür, „dass es keinesfalls zu dieser Entwertung der Staatsbürgerschaft kommen wird“. Denn es stehe „völlig außer Frage, dass der abstruse SPÖ-Plan in unterschiedlichsten Belangen ein massiver Rückschritt wäre. Als Volkspartei steht für uns fest, dass man sich die Staatsbürgerschaft verdienen muss, eine gelungene Integration ist dafür die wichtigste Voraussetzung“.

„Einigermaßen verwundert“ reagierte der stellvertretende NEOS-Klubobmann Nikolaus Scherak auf die Wortmeldung „eines falsch informierten ÖVP-Klubobmann Wöginger“. Er verwies darauf, dass NEOS-Parteichefin Beate Meinl-Reisinger im Ö1-„Mittagsjournal“ am Vortag gesagt habe, „dass wir den aktuellen Vorschlag zum Thema Einbürgerung nicht unterstützen“.

Haimbuchner lehnt Rechtsanspruch auf Erlangung ab

Auch die FPÖ untermauerte am Sonntag ihre Ablehnung gegenüber Lockerungen. Oberösterreichs Landeshauptmann-Stellvertreter und FPÖ-Landesparteichef Manfred Haimbuchner plädierte vielmehr für Verschärfungen und brachte einen neuen Vorschlag: Ein „mindestens 25-jähriger rechtmäßiger und ununterbrochener Aufenthalt in Österreich“ müsse vorliegen, damit die Voraussetzungen erfüllt sind. Einen Rechtsanspruch auf Erlangung lehnte er ab, wie die FPÖ Oberösterreich in einer Presseaussendung mitteilte.

Die Verfahren zur Einbürgerung sollen zudem künftig vollständig digitalisiert werden, „um die öffentliche Verwaltung auch in diesem Bereich effizienter und zeitgemäßer zu machen“, sagte Haimbuchner. „Zugleich sind das die einzig sinnvollen Erleichterungen im Zusammenhang mit der Erlangung der Staatsbürgerschaft.“ Soziale und politische Teilnahme für alle in Österreich lebenden Menschen sei durch verschiedene Möglichkeiten bereits gegeben, wie beispielsweise Engagements in Bürgerinitiativen und NGOs oder durch Mitwirken bei Demonstrationen. EU-Bürger könnten auch an Gemeinderatswahlen teilnehmen, betonte Haimbuchner.

SPÖ-Vorschlag sieht Rechtsanspruch nach sechs Jahren

Der vergangenen Mittwoch präsentierte (und im SPÖ-Bundesparteivorstand einstimmig beschlossene) Vorschlag sieht einen Rechtsanspruch auf die Staatsbürgerschaft nach sechs Jahren rechtmäßigem Aufenthalt vor – sofern alle weiteren Kriterien erfüllt sind. Bei kurzfristigen Unterbrechungen des Aufenthalts – bis hin zu einem Auslandssemester – soll diese Zeit nachgeholt werden können und nicht dazu führen, dass die Frist von neuem zu laufen beginnt. Wenn ein positiver Asylbescheid erfolgt, soll der Zeitraum angerechnet werden. Bei negativer Entscheidung des Asylverfahrens hingegen soll es keine Möglichkeit zur Beantragung einer Staatsbürgerschaft geben, auch wenn sechs Jahre vergangen sind. In Österreich geborene Kinder sollen automatisch die Staatsbürgerschaft bekommen, sofern zumindest ein Elternteil fünf Jahre legal im Bundesgebiet aufhältig ist.

Leichte Skepsis kam am Sonntag aber auch SPÖ-intern: Der steirische SPÖ-Landesparteichef und Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Lang sagte gegenüber der Kleinen Zeitung, dass er nicht mit jedem Punkt im SPÖ-Beschluss einverstanden sei, allen voran mit dem Paradigmenwechsel, dass in Österreich Geborene automatisch die Staatsbürgerschaft erhalten sollen. „Für mich absoluten Vorrang hat die Integration jener, die schon da sind“, sagte er zur Kleinen. Einverstanden ist er demnach mit dem Senken der Wartefrist für Einbürgerungen (von zehn auf sechs Jahre). Auch die gebührenfreie Beantragung findet seine Zustimmung.

Die SPÖ-nahen Kinderfreunde hingegen stellten sich klar hinter die Forderung: „Für uns ist es selbstverständlich, dass Kinder, die hier geboren sind und ihr gesamtes Leben in Österreich verbracht haben, das Recht haben, hier in ihrem Land mitzubestimmen“, erklärt Bundesvorsitzender Christian Oxonitsch. Damit sei auch klar, dass diese Kinder das Recht auf die österreichische Staatsbürgerschaft hätten und alle Hürden auf dem Weg dahin abgebaut werden müssten. (APA)


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