Favoriten Spanien und Polen schon nach dem ersten Spiel unter Druck

Der dreimalige Europameister Spanien scheiterte zum Auftakt an den „Catenaccio-Schweden“. Kritik wurde vor allem an der Zahnlosigkeit im Angriff laut. Bei Polen kam Stürmerstar Lewandowski in der Pleite gegen spielstarke Slowaken überhaupt nicht zum Zug.

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Bei den Spaniern entbrannte nach dem Spiel vor allem eine Debatte um die vergebenen Chancen von Torjäger Alvaro Morata.
© PIERRE-PHILIPPE MARCOU

Sevilla – Schon nach dem ersten Spiel der EM-Gruppe E stehen die erklärten Favoriten Spanien und Polen unter Druck. Der dreimalige Europameister Spanien biss sich an von Medien getauften „Catenaccio-Schweden“ die Zähne aus. Die Folge war die erste Nullnummer des laufenden Turniers. Polen mit einem völlig in der Luft hängenden Weltfußballer Robert Lewandowski verlor gegen die Slowakei überhaupt mit 1:2.

Personalwahl, Herangehensweise, Ausbeute – Spaniens Fans hatten sich zum Auftakt mehr versprochen. Der Teamchef der Seleccion schraubte nach dem enttäuschenden Auftritt bei brütender Abendhitze in Sevilla rasch die Erwartungen herunter. „Wir wollen die Gruppe immer noch gewinnen, wenn das nicht klappt, wollen wir Zweiter werden“, betonte Luis Enrique.

Kritik an schlechter Chancenauswertung bei Spanien

Dass einige Pfiffe im Spiel zu vernehmen waren, die einmal mehr dem wirkungslosen Alvaro Morata galten, hatte auch der Trainer mitbekommen. Die 954 Passversuche der Spanier gegenüber 178 von Schweden – nichts wert. „Wir haben das Spiel komplett kontrolliert“, betonte Luis Enrique. „Wir haben so viele Chancen wie möglich kreiert. Was falsch gelaufen ist: Wir haben die Chancen nicht genutzt. Das hat ja jeder gesehen.“

Natürlich entbrannte hernach eine Debatte um Spaniens Nummer neun. Insbesondere die späte Einwechslung von Goalgetter Gerard Moreno von Europa-League-Sieger Villarreal sorgte bei Beobachtern für zusätzliches Unverständnis. Die Spieler nahmen Morata in Schutz, der in der abgelaufenen Saison für Juventus in Liga und Champions League immerhin 17-mal getroffen hat. „Es ist wahr, dass er heute nicht erfolgreich war, aber er wird die Leute in den nächsten Spielen verstummen lassen“, sagte Aymeric Laporte. Luis Enrique betonte: „Ich werden den Plan für das Match gegen Polen sicher nicht ändern.“

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Schweden-Coach: „Wir hätten es auch gewinnen können“

Die Schweden konnten mit dem Punkt gut leben – bei zwei Topchancen im Konter hatte das Sturm-Duo Alexander Isak und Marcus Berg sogar Gelegenheit auf mehr. Trainer Janne Andersson befand deshalb: „Wir hätten das Spiel sicher auch verlieren, wir hätten es aber auch gewinnen können.“

Am Samstag (21.00 Uhr) kommt es zum Duell der Enttäuschten. Wieder wird in Sevilla gespielt, Spaniens Gegner heißt Polen, das überraschend mit 1:2 gegen die Slowakei verlor. Österreichs letzter Testgegner vor der EM (0:0), der im Vorfeld für viele am ehesten für Platz vier in der Gruppe in Frage gekommen war, führt nach dem Auftakt die Tabelle an.

Lewandowski: „Sind in keiner leichten Lage“

Der Coup könnte das Land wie beim EM-Debüt 2016 ins Achtelfinale führen. „Wir sind ein kleines Land, aber ich bin total glücklich, dass wir das geschafft haben und so eine große Fußball-Nation geschlagen haben“, sagte Cheftrainer Stefan Tarkovic. Die Slowaken agierten offensiv spielfreudig und defensiv stabil – Attribute, die man eigentlich von Polen erwartet hätte.

„Wir müssen die Verantwortung auf unsere Schultern nehmen“, sagte Lewandowski, der einen schlechten Tag erwischte und mit seinen Kollegen nun ein frühes Scheitern wie bereits 2012 bei der Heim-EM und 2018 bei der WM fürchten muss. Man habe gegen den theoretisch leichtesten Widersacher der Gruppe verloren, stellte Lewandowski fest. „Deshalb sind wir in keiner leichten Lage.“

Ein Eigentor von Schlussmann Wojciech Szczesny (18.) und ein Treffer von Milan Skriniar (69.) bescherten Polen den Fehlstart, den auch Karol Linettys Tor (46.) nicht verhindern konnte. (APA/dpa/Reuters)


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