SPÖ ortet vor Nationalrat „bodenlose Brüskierung“ durch Regierung

Türkis-Grün habe 57 Anträge der Opposition für diese Sitzungsrunde „vertagt und somit versenkt“, beklagt der rote Vizeklubchef Jörg Leichtfried. Die NEOS wollen indes einen neuen Anlauf für liberalere Ladenöffnungszeiten starten. Und die FPÖ setzt auf das Asylthema.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion
Jörg Leichtfried (SPÖ): „Die Regierung fürchtet das Parlament wie der Teufel das Weihwasser“.
© imago

Wien – Die SPÖ schießt sich vor den Plenartagen am Mittwoch und Donnerstag auf die Regierung ein: Türkis-Grün habe 57 Anträge der Opposition für diese Sitzungsrunde „vertagt und somit versenkt“, beklagte der rote Vizeklubchef Jörg Leichtfried bei einer Pressekonferenz. „Das ist eine bodenlose Brüskierung, was hier passiert“. Die NEOS wollen indes einen neuen Anlauf für liberalere Ladenöffnungszeiten starten. Und die FPÖ setzt auf das Asylthema.

📽 Video | Pressekonferenz von SPÖ-Vize Jörg Leichtfried

Die Koalitionsfraktionen hätten offenbar keinerlei Interesse, über Inhalte zu diskutieren, meinte Leichtfried. „Das ist nicht mehr Demokratie, das ist nur mehr Verhöhnung der Demokratie.“ Die Regierungsfraktionen hätten eine Europa-Debatte aus dem Hut gezaubert, damit die (im Ausschuss bereits gescheiterte) Ministeranklage gegen Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) nicht „zur besten Sendezeit“ diskutiert werden könne und es damit niemand mitbekomme, kritisierte Leichtfried. Die Regierung fürchte das Parlament „wie der Teufel das Weihwasser“.

Leichtfried: Corona-Bonus ungerecht

Inhaltlich störte sich Leichtfried einmal mehr daran, dass den „Corona-Bonus“ für Ärzte und Pflegende im Pandemieeinsatz sehr viele „Heldinnen und Helden der Krise“ nicht bekommen, etwa Reinigungskräfte in den Krankenhäusern oder Behindertenbetreuer. Kritik übte er auch daran, dass SPÖ-Anträge zum Tierschutz vertagt worden seien. „Türkis-Grün hat kein Interesse, dass es den Tieren besser geht“, schlussfolgerte Leichtfried und kündigte weitere Initiativen im Plenum an.

Die Freiheitlichen setzen im kommenden Plenum erneut auf das Thema Asyl und Migration. Schließlich würde der Asyldruck wieder „massiv“ steigen, was auch die Reisetätigkeit des zuständigen Innenministers Karl Nehammer (ÖVP) belege, der zuletzt deswegen in Griechenland sowie Italien gewesen sei und jetzt nach Dänemark fahre, meinte Sicherheitssprecher Hannes Amesbauer: „Wir brauchen aber keine Asyl-PR, sondern eine Asylpolitik, die diesen Namen verdient“.

Amesbauer will sich Dänemark zum Vorbild nehmen und kündigte entsprechende Entschließungsanträge an. Zum einen sprechen sich die Freiheitlichen dafür aus, dass wieder Abschiebungen in gewisse Regionen Syriens, wie etwa um den Großraum Damaskus herum, möglich sein sollen. Zum anderen müsse über die dänischen Pläne nachgedacht werden, wonach Asylanträge überhaupt nur mehr in einem Drittstaat behandelt werden. „Das ist ein sehr spannender Ansatz“.

NEOS drängen auf Sonntagsöffnungen

Die NEOS machen unterdessen einen neuen Anlauf zu einer Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Am Mittwoch wird im Nationalrat ein Antrag eingebracht, der es in einem Pilotversuch ermöglichen würde, auch über die derzeitigen Sperrzeiten hinweg sowie an Sonntagen offen zu halten, wurde bei einer Pressekonferenz angekündigt.

Klubvize Nikolaus Scherak forderte außerdem ein sofortiges Ende der mitternächtlichen Sperrstunden, denn so könnte man „Eskalationen“ wie zuletzt beim Polizeieinsatz am Karlsplatz verhindern.

NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger ist wiederum mit der Kurzarbeit unzufrieden. In vielen Branchen wie Gastronomie und Tourismus werde händeringend nach Personal gesucht, meinte sie. Es gebe auch durch die Kurzarbeit zu wenig Arbeitsmobilität. Sie würde das Instrument auf null stellen. Morgen beschließt der Nationalrat ja eine Novellierung der Kurzarbeit, die zumindest in besonders von Corona betroffenen Branchen wie Stadthotellerie, Nachtgastronomie und Flugverkehr das bisherige großzügige Modell fortschreibt und in weniger betroffenen Sektoren eine abgespeckte Variante belässt.

FPÖ für Ende der „Zwangstestungen für Schüler“

Ein Ende der „Zwangstestungen für Schüler“ forderten wiederum die Freiheitlichen. Bei Kindern gebe es de facto keine schweren Verläufe, so Amesbauer. „Daher verstehe ich nicht, warum man Kinder so drangsaliert.“ Überhaupt sei „letztklassig“ wie mit Schülern umgegangen werde. Wenigsten sei jetzt endlich die Maskenpflicht auf den Plätzen während des Unterrichts gefallen, wofür der FPÖ-Abgeordnete auch den freiheitlichen Druck verantwortlich macht.

Zudem warnt Amesbauer vor einer Impfpflicht für Kinder. Dies sei eine „höchst persönliche Entscheidung der Betroffenen“. Und Schüler, die sich nicht testen lassen wollen, dürften nicht suspendiert werden, sondern müssten dennoch am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen. Schließlich gebe es auch ein Recht auf Bildung. (APA)


Kommentieren


Schlagworte