Hinteregger: Arnautovic-Sperre wäre ein "herber Verlust"

Die UEFA setzte wegen des mit Schimpftiraden beladenen Torjubels von Arnautovic einen Ethik- und Disziplinarermittler ein. Ein Urteil dürfte wohl am Mittwoch fallen. Hinteregger und Sabitzer hoffen auf einen Einsatz des Wieners am Donnerstag.

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Marko Arnautovic soll nach seinem Treffer den Nordmazedonier Ezgjan Alioski heftig beschimpft haben.
© DANIEL MIHAILESCU

Seefeld – Die im Raum stehende Sperre von Marko Arnautovic sorgt bei Martin Hinteregger und Marcel Sabitzer vor dem Fußball-EM-Spiel am Donnerstag gegen die Niederlande für großes Unbehagen. Die UEFA setzte wegen des mit Schimpftiraden beladenen Torjubels des Wieners beim 3:1 am Sonntag in Nordmazedonien einen Ethik- und Disziplinarermittler ein. Dennoch hofft das ÖFB-Duo, dass Arnautovic in Amsterdam zur Verfügung steht.

In den Ermittlungen rückt die UEFA-Disziplinarkammer in den Mittelpunkt. Deren Vorsitzender ist der Kärntner Thomas Partl, der in der Angelegenheit als Österreicher befangen und daher nicht involviert ist. Der Ehrenpräsident des Kärntner Fußball-Verbandes erwartet in der Causa eine Entscheidung am Mittwoch. "Davon ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auszugehen", sagte Partl.

Sabitzer meinte zu dieser Angelegenheit: "Das wäre natürlich ein großer Verlust für uns." Hinteregger pflichtete ihm bei. "Das wäre für uns ein extrem herber Verlust. Wir hoffen das Beste, wir brauchen Marko sehr." Arnautovic kam gegen die Nordmazedonier nach einer knappen Stunde beim Stand von 1:1 aufs Feld und leistete nicht nur mit seinem Tor einen wichtigen Beitrag dazu, dass die ÖFB-Auswahl ihren ersten Sieg bei einer EURO einfuhr.

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Wortgefechte im Fußball "normal"

Für Hinteregger gehört der China-Legionär in die Startformation des Nationalteams. "Er ist mit Sabi (Anm.: Sabitzer) und David (Anm.: Alaba) unser bester Spieler, was die Kreativität in der Offensive betrifft. Deswegen wäre es nicht sehr clever, ihn für 30 Minuten zu bringen, wenn er 90 Minuten für Gefahr sorgen kann", sagte der Innenverteidiger und ergänzte: "Natürlich ist es die Entscheidung des Trainers, aber jeder weiß, dass er einer unserer Schlüsselspieler ist."

Ein Wortgefecht, wie es zwischen Arnautovic und Ezgjan Alioski stattfand, sei im Fußball ganz normal. "Ich bin auch kein Kind von Traurigkeit und bekomme es auch oft zurück. Nach dem Spiel gibt man sich die Hand und dann ist es okay", meinte Hinteregger.

Allzu sehr wolle man sich mit dieser Angelegenheit aber gar nicht belasten. "Natürlich reden wir innerhalb der Mannschaft darüber. Doch wenn uns das mitnehmen würde, würde uns wahrscheinlich jeden zweiten Tag irgendetwas beschäftigen", vermutete der Kärntner. "Wenn wir in Amsterdam auf dem Platz stehen, ist das kein Thema. Da geht es nur darum, wie wir den Gegner besiegen können."

Aufstellung gegen Niederlande noch offen

Dies könnte mit schnellen Gegenstößen gelingen. "Ich denke, solche Gegner liegen uns ganz gut, dass wir gut ins Kontern kommen", spekulierte Hinteregger. Auf jeden Fall sei ein Erfolg gegen die Niederlande schwierig zu bewerkstelligen. "Dass sie unglaubliche Einzelspieler haben, liegt auf der Hand. Deshalb müssen wir eine geschlossene Mannschaftsleistung abrufen, um ihre starke Offensive zu verteidigen. Vorne haben wir Qualitäten, mit denen wir ihnen sicher wehtun können", erklärte der 28-Jährige.

Ob die ÖFB-Elf wieder mit einer Dreierkette mit David Alaba im Zentrum agieren wird, ist offen. "Die Aufstellung hat viele überrascht, uns auch teilweise, aber es hat in dem Spiel hervorragend funktioniert", sagte Hinteregger und verriet: "Wir haben mit Dreierkette wenig gespielt und ganz, ganz wenig trainiert."

Dennoch überraschte die Variante von Franco Foda die Nordmazedonier laut Hinteregger mehr als die ÖFB-Kicker. "Sonst wäre das Ergebnis anders ausgefallen." Man hätte aber wohl auch mit Viererkette die Oberhand behalten, meinte der Abwehrspieler. "Weil wir die größere Qualität haben, und die hat sich letztlich durchgesetzt."

"Wir sind defensiv nicht so sehr gefordert worden"

Nach dem Empfinden von Hinteregger funktionierte die Dreierkette vor allem in der zweiten Hälfte gut, als sich der Frankfurt-Profi vermehrt im Zentrum aufhielt und Alaba auf der halblinken Position das Spiel nach vorne belebte. "Offensiv hat er mehr Qualitäten als ich, und ich fühle mich in der Mitte wohler."

Generell stand die Abwehrlinie der Österreicher am Sonntag sehr hoch. "David ist das bei den Bayern gewöhnt, ich bei Frankfurt auch. Und Leverkusen (Anm.: Club des dritten ÖFB-Innenverteidigers Aleksandar Dragovic) ist bei Trainer Bosz auch hoch gestanden. Ob wir wieder so hoch stehen, wird man sehen, aber wir sind alle drei schnell, deshalb kann es schon von Vorteil sein."

Allerdings sei Nordmazedonien keine echte Belastungsprobe für die Abwehr gewesen. "Wir sind defensiv nicht so sehr gefordert worden. Dass wir hinten reingedrückt worden sind, war eher weniger. Sehr gut war unsere Restverteidigung, um Konter zu unterbinden", betonte Hinteregger.

Weniger gut war sein Verhalten vor dem Gegentor, als er Sabitzer aus nächster Nähe anschoss und so den Treffer von Goran Pandev einleitete. "Wenn ich den Ball mit der Innenseite auf die Tribüne schlage, ist alles okay. Den Fehler nehme ich auf meine Kappe. Dass ich ihn anschieße, muss nicht sein und hätte nicht passieren dürfen." Der Patzer habe ihn in der darauffolgenden Nacht nicht schlafen lassen, erzählte Hinteregger. "Weil es ein unnötiger Fehler war, der in so einem engen Spiel nicht passieren darf."

Hinteregger noch ohne echtes EURO-Feeling

Am Ende reichte es doch noch zum Sieg, womit das Nationalteam relativ entspannt in das Duell mit dem Gruppenfavoriten gehen kann. "Aber wenn wir 0:3 untergehen, ist das auch nicht ideal für die Gemütslage", warnte Hinteregger. Schon mit einem Punktgewinn in Amsterdam wäre das Achtelfinale ziemlich fix. "Wir können einen Grundstein legen, von Spiel zu Spiel mehr Lockerheit kriegen und vor allem die Österreicher mitnehmen."

Die Skepsis der heimischen Fans schwinde nach dem erfolgreichen Start, so Hinteregger. "Ich glaube, nach dem Sieg ist eine Euphorie im Entstehen." Bei einem Erfolgserlebnis gegen die Niederlande "geht es in Österreich schon ein bisschen rund", spekulierte der Deutschland-Legionär.

Wirklich greifbar ist der größer werdende Optimismus für die Teamspieler im ÖFB-Camp in Seefeld jedoch nicht. "Wir sind da abgeschottet, haben eigentlich keinen wirklichen Kontakt zur Außenwelt. Das macht es schwierig", meinte Hinteregger. Ein echtes EURO-Feeling hat sich beim Innenverteidiger nach wie vor nicht eingestellt. "Natürlich ist es eine etwas andere EM, erstmals in ganz Europa und dann noch in Corona-Zeiten. 2016 haben wir es anders erlebt, da war gefühlt ganz Österreich auf der Reise nach Frankreich."

Auch gegen die Niederlande in Schwarz

Damals war die zweite ÖFB-Dress noch in Weiß-Schwarz gehalten. Diesmal ist die zweite Garnitur schwarz-türkis, was bei vielen Fans für Kritik sorgte. "Aber ich finde die Dressen ganz okay. Das sind keine hässlichen Dressen", beteuerte Hinteregger. Vom ÖFB wird jeglicher politischer Hintergrund, wie er vor allem in sozialen Netzwerken vermutet wird, strikt zurückgewiesen. Die Idee zu dieser Farbgestaltung habe es bereits Ende 2016 gegeben, und bei der zweiten Farbe handle es sich um Mint, nicht um Türkis, wurde betont.

So wie gegen Nordmazedonien tritt das ÖFB-Team auch gegen die Niederlande mit den schwarzen Leiberln an, weil die "Oranjes" als Gastgeber ihr traditionelles Orange tragen. Erst im letzten Gruppenmatch am Montag gegen die Ukraine werden Alaba und Co. in Rot-Weiß-Rot zu sehen sein. (TT.com, APA)

Sabitzer fühlt sich in neuer ÖFB-Rolle wohl

Beim EM-Auftaktsieg am Sonntag über Nordmazedonien hat Marcel Sabitzer eine im Vergleich zu den jüngsten Spielen des österreichischen Fußball-Nationalteams leicht adaptierte Rolle eingenommen. Der Steirer agierte nicht als Zehner hinter einer Solospitze, sondern etwas tiefer hinter zwei Angreifern und fühlte sich in dieser Position nach eigenen Angaben überaus wohl.

Das liegt wohl auch daran, dass er sich bei seinem Club RB Leipzig in ähnlichen Räumen bewegt, wie Sabitzer am Dienstag in Seefeld erzählte. "Ich spiele seit eineinhalb Jahren auf der Sechs oder Acht. Da ist es normal, dass ich ein gutes Gefühl auf dieser Position habe. Auf jeden Fall fühle ich mich in dieser Rolle wohler."

"Bin nicht auf den persönlichen Erfolg aus"

Dabei ist Sabitzer eigentlich ein gelernter Offensivspieler, doch unter Trainer Julian Nagelsmann veränderte sich in Leipzig sein Aufgabengebiet. "Es war ein laufender Prozess, es ging von Jahr zu Jahr immer weiter zurück", erzählte der 27-Jährige. Er habe sich daraufhin intensiv damit beschäftigt, wie er seine Spielweise für das Mittelfeldzentrum anpassen müsse. "Ich habe mir vieles angeschaut, was die Prinzipien der Sechsererposition betrifft, und ich denke, ich habe mich auf dieser Position sehr gut entwickelt."

Eine Folge seiner neuen Rolle war der Rückgang von Scorerpunkten, an denen Sabitzer aber nach eigenem Empfinden in der Öffentlichkeit noch immer gemessen wird – zu Unrecht, wie er betonte: "Doch ich habe das für mich akzeptiert." Für ihn stehe der Teamerfolg im Mittelpunkt. "Ich spiele mannschafsdienlich und bin nicht auf den persönlichen Erfolg aus."

Sabitzer erwartet schwierige Match gegen die Niederland

Dieses Motto gilt auch für Donnerstag (21.00 Uhr/live ORF 1), wenn in Amsterdam das Kräftemessen mit dem Gruppenfavoriten Niederlande steigt. "Wir gehen mit einem guten Gefühl ins Spiel, hatten schon die Gegneranalyse und wissen, was auf uns zukommt. Es wird ein schwieriges Match, aber wir wollen auch da etwas mitnehmen", erklärte Sabitzer.

So wie die Nordmazedonier werden wohl auch die Niederländer auf eine Dreierkette in der Abwehr setzen. "Deswegen wissen wir, wo wir Räume vorfinden", meinte Sabitzer. Dennoch sei die Partie nicht mit jener in Bukarest zu vergleichen. "Die Holländer werden nicht so ein Abwehrbollwerk aufziehen."

Schon ein Punkt in Amsterdam wäre wohl gleichbedeutend mit dem Einzug ins Achtelfinale, was vor fünf Jahren in Frankreich nicht gelang. "2016 waren wir einfach nicht gut genug. Wir haben nicht unsere Leistung gebracht und sind deshalb verdient ausgeschieden", resümierte Sabitzer.


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