104 Mitarbeiter vor Kündigung: Der Eule läuft die Zeit davon

Das Land hat zwei Seiten (!) als Nachfolgekonzept für das Therapiezentrum Eule vorgelegt. Die Gesundheitskasse bastelt aber nach wie vor an einer Lösung.

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104 Eule-Mitarbeiter werden zur Kündigung angemeldet.
© Thomas Böhm

Von Peter Nindler

Innsbruck – Tirol ist das einzige Bundesland, in dem beim Therapiebedarf für Kinder und Jugendliche nach Kranken (Gesundheitskasse) und Behinderten (Land Tirol) unterschieden wird. Das Therapiezentrum Eule erbrachte bisher bis zu 12.000 Stunden an Therapieeinheiten (Ergo-, Logo- und Physiotherapie sowie psychosoziale Versorgung) für Kassenpatienten und rund 25.000 für das Land nach dem Teilhabegesetz. Mit den Tarifen ging es sich nicht mehr aus, der Verein Lebenshilfe, der die Abgänge finanzierte, zog die Reißleine. Das Land setzt jetzt auf dezentrale Strukturen und auf die Versorgung durch ein so genanntes Netzwerk.

In der Vorwoche wurde ein zweitseitiges Konzept für die rund 400 zu betreuenden Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen präsentiert. Ob das für den niederschwelligen Bereich mit zum Teil schwierigen sozialen Verhältnissen der Klienten funktioniert, wird von Experten bezweifelt. Sozial-LR Gabriele Fischer (Grüne) forciert für die Versorgung Netzwerke, die die Therapeuten unterstützen sollen. Die Therapie soll auch mobil zu Hause bei den Kindern möglich sein. Falls notwendig, stellt das Land Räumlichkeiten zur Verfügung und finanziert dafür in den ersten zwölf Monaten die Miete.

Im September soll der endgültige Beschluss dafür in der Landesregierung fallen, im November der finale Übergang ins neue System erfolgen.

Im Gegensatz dazu möchte die Gesundheitskasse (ÖGK) an einem „Zentrumsangebot“ festhalten. Eine Auffanglösung wird in Zusammenarbeit mit dem Land und der Eule angedacht. Als Minimallösung stehen vier Minizentren im Raum, ob sie erneut über einen Verein getragen werden, ist offen. Bevorzugt wird jedoch eine große und finanziell nachhaltige Lösung, bei der vielleicht sogar die Lebenshilfe wieder einsteigt.

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Ansonsten läuft der Eule mit ihren acht Einrichtungen die Zeit davon. Die Geschäftsführung wurde in der Vorwoche mit der Schließung betraut, heißt es von der Lebenshilfe. Das bedeutet, dass bis 25. Juni das Frühwarnsystem beim Arbeitsmarktservice aktiviert und 104 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet werden. Das könnte dann zu einem raschen Abgang von Therapeuten führen, die sich einen neuen Arbeitsplatz suchen werden. Zum einen dürfte das dann für einen reibungslosen Übergang schwierig werden, aber auch für die von der ÖGK angedachte Auffanglösung.

Für SPÖ-Vorsitzenden Georg Dornauer muss die Schließung der Eule mit gemeinsamen Kräften verhindert werden. „ Die pro mente tirol gemGmbH und die Tiroler Kinder und Jugend GmbH könnten als künftige Träger Strukturen und Mitarbeiter übernehmen“, schlägt der SPÖ-Chef vor.


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