Das bringt der Mittwoch bei der EURO: Schweiz gegen Italien unter Zugzwang

Italien will im verflixten zweiten Spiel gegen die Schweiz (21 Uhr) den Aufstieg fixieren. Die Türkei steht im "Heimspiel" gegen Wales (18 Uhr) vor einem Pflichtsieg. Den Auftakt macht die Partie zwischen Finnland und Russland (15 Uhr).

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Italiens Top-Stürmer Ciro Immobile will heute auch gegen die Schweiz jubeln.
© FILIPPO MONTEFORTE

⚽ EM-Gruppe B, Finnland - Russland 15.00 Uhr

Auch wenn der 1:0-Auftaktsieg vom dramatischen Kollaps des dänischen Stars Christian Eriksen überschattet war, darf Finnland mit viel Optimismus in das nächste Gruppenspiel am Mittwoch (15.00 Uhr/TT.com-Live-Ticker) gegen Russland gehen. Mit einem "Dreier" in St. Petersburg stände der Fußball-EM-Debütant im Achtelfinale, wenn Dänemark einen Tag später maximal Unentschieden gegen Belgien spielt. Für den Coup muss aber der erste Sieg über die Russen seit fast 109 Jahren (Olympia 1912) her.

"Als wir dieses Turnier gestartet haben, hatten wir einen Traum. Der Sieg gegen Dänemark war der erste Meilenstein. Und wir haben die nächsten Meilensteine schon im Kopf", sagte Trainer Markku Kanerva am Dienstag in St. Petersburg. "Wir freuen uns auf das Spiel morgen. Wir haben aus dem Dänemark-Spiel großes Selbstvertrauen gezogen und glauben, dass wir morgen genauso erfolgreich sein können." Neuerlich darf man sich eine defensive finnische Truppe erwarten, die auf Konter lauert.

Das funktionierte auch am Samstag, als Dänemark nach der Unterbrechung und dem Bangen um den inzwischen wieder auf dem Weg der Besserung befindlichen Eriksen dank eines Treffers von Joel Pohjanpalo mit 1:0 bezwungen wurde. "Wir freuen uns, dass es Christian Eriksen wieder besser geht. Und wir werden diese Bilder auch nach dem Turnier niemals vergessen", sagte Kanerva. "Das Dänemark-Spiel war eine große Herausforderung - in jeder Hinsicht. Wir haben uns gut davon erholt."

Die Russen warten bereits seit sechs EM-Spielen auf einen Sieg, zuletzt schaffte man 2012 in der Gruppenphase ein 4:1 gegen Tschechien, immerhin erreichte die "Sbornaja" 2018 das WM-Viertelfinale. Nun unterlagen die Mannen von Stanislaw Tschertschessow beim Auftaktspiel gegen Belgien verdient mit 0:3 und stehen damit schon schwer unter Druck. "Es war traurig" befand Mario Fernandes über die Atmosphäre im russischen Team nach Spiel eins. "Jetzt passt die Stimmung wieder."

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Das scheint auch dringend notwendig, will man das Ruder noch herumreißen. "Wir müssen die dummen Fehler abstellen, die wir gegen Belgien gemacht haben, die Mängel in unserem Spiel eliminieren und schneller denken", forderte Mittelfeldmann Roman Sobnin. Alexej Mirantschuk erwartete ein Geduldsspiel. Die Finnen seien es gewöhnt, zu verteidigen und auf Konter zu gehen. "Wir müssen Druck ausüben, damit sie das nicht schaffen. Wir müssen geduldig sein", erklärte der Mittelfeldakteur.

📊 Mögliche Aufstellungen bei Finnland - Russland

  • St. Petersburg, St. Petersburg Stadion, SR Danny Makkelie/NED
  • Finnland: 1 Hradecky - 4 Toivio, 3 O'Shaughnessy, 2 Arajuuri - 5 L. Väisänen, 14 Sparv, 8 Lod, 6 Kamara, 18 Uronen - 20 Pohjanpalo, 10 Pukki
  • Russland: 1 Schunin - 2 Fernandes, 5 Semenow, 14 Dschikia, 4 Karawajew - 8 Barinow, 7 Osdojew - 15 Mirantschuk, 11 Sobnin, 17 Golowin - 22 Dsjuba

⚽ EM-Gruppe A, Türkei - Wales 18.00 Uhr

Nach einer chancenlosen Vorstellung im EM-Auftaktspiel gegen Italien steht die Türkei in der Gruppe A bereits unter Siegzwang. In Baku gegen Wales, das einer überlegenen Schweiz einen Punkt abtrotzte, wird die Mannschaft von Senol Günes am Mittwoch (18.00 Uhr/TT.com-Live-Ticker) Heimvorteil genießen. Bis zu 35.000 Türkei-Fans werden in Aserbaidschan erwartet. "Türkei, unsere Herzen schlagen mit dir!", steht übersetzt auf zahlreichen Plakaten vor dem Nationalstadion.

Der wohlwollende Empfang war Balsam für die sportlich enttäuschenden Türken. "Ich möchte mich bedanken. Sie sind Freunde, sie sind Brüder. Vom ersten Tag an haben sie uns das spüren lassen", erklärte Kapitän Burak Yilmaz am Dienstag.

Das 0:3 in Rom war so klar, wie es das Ergebnis aussagt, und bedeutete für die Türkei die bereits neunte Niederlage im 14. EM-Gruppenspiel. Teamchef Günes erwartet nun ebenfalls nicht weniger als "eine viel bessere Leistung". "Wir haben uns unter unserem Wert verkauft." Ob er personelle Änderungen vornehmen will, verriet der 69-Jährige nicht. "Es kann sein, dass ich mit der gleichen Startelf spiele wie gegen Italien."

Die Türkei hat die Gruppenphase seit dem Halbfinal-Einzug 2008 nicht mehr überstanden. Nach der verpassten EURO 2012 war 2016 nach der Vorrunde Schluss. 2021 war man nach einer starken Quali mit nur drei Gegentoren durchaus hoffnungsfroh - und von manchem Experten als Geheimfavorit - ins Turnier gestartet.

Während die türkische Auswahl die 3.100-km-Reise nach Baku antrat, stellte sich Wales, das sein Auftakt-Spiel in Aserbaidschans Hauptstadt vor 8.782 Zuschauern bestritt, schon vor Ort auf eine hitzige Atmosphäre ein. "Wir wissen, es wird laut werden", sagte Liverpool-Youngster Neco Williams. "Wir wissen aber auch, wenn wir zusammenhalten, haben wir große Chancen, das Spiel zu gewinnen."

Die Briten sind seit drei Spielen sieglos, das 1:1 gegen Schweiz fühlte sich aber fast wie ein Sieg an. "Einen positiven Start hinzulegen, war wichtig für uns", sagte Wales-Coach Robert Page. "Wenn vier Punkte reichen (um sich zu qualifizieren), perfekt. Wenn nicht, werden wir auch weitermachen. Wir respektieren alle Teams in dieser Gruppe, doch Angst haben wir vor keinem." Die Hoffnungen ruhen wieder auf Kopfball-Spezialist Kieffer Moore, der seinem Team mit dem Tor gegen die Schweiz den Punkt bescherte.

📊 Mögliche Aufstellungen bei Türkei - Wales

  • Baku, Olympiastadion, SR Dias/POR
  • Türkei: 23 Cakir - 2 Celik, 3 Demiral, 4 Söyüncü, 13 Meras - 5 Yokuslu - 9 Karaman, 6 Tufan, 10 Calhanoglu, 7 Ünder - 17 B. Yilmaz
  • Wales: 12 Ward - 14 C. Roberts, 22 Mepham, 6 Rodon, 4 B. Davies - 7 Allen, 15 Ampadu - 10 Ramsey, 20 James, 11 Bale, - 13 Moore

⚽ EM-Gruppe A, Italien - Schweiz 21.00 Uhr

Italien kann schon im zweiten EM-Gruppenspiel vorzeitig den Einzug ins Achtelfinale besiegeln. Nach der glänzenden Kostprobe gegen die Türkei (3:0) scheinen die Vorzeichen dafür günstig, zumal der Gegner Schweiz beim 1:1 gegen Wales nicht vollends überzeugte. Doch auf die "Squadra Azzurra" wartet in Rom am Mittwoch (21.00 Uhr/TT.com-Live-Ticker) ein verflixtes zweites Spiel. Nur einmal gewann sie bei den jüngsten acht WM- oder EM-Endrunden die mittlere Vorrunden-Partie.

Trainer Roberto Mancini hatte nach dem 28. ungeschlagenen Spiel in Folge vorgeblich die Aufgabe, die Euphorie zu moderieren. "Es war wichtig, gut zu starten, und ich denke, wir haben alle zufriedengestellt. Aber es sind noch sechs Spiele, und es gibt viele gute Mannschaften", sagte Mancini.

Verteidigen steht in Italiens Fußball-DNA, in den vergangenen neun Spielen erzielte der Gegner kein Tor. Doch betörend ist das Offensiv-Flair, das der Dreier-Sturm um Domenico Berardi, Ciro Immobile und Lorenzo Insigne mitunter verströmt. Ein möglicher Stabilisator im Mittelfeld könnte zurückkommen. Marco Verratti von Paris Saint-Germain hat seine Knieverletzung überwunden

Mit einem Sieg über die Schweiz würde Italien unabhängig von anderen Ergebnissen in der Gruppe als erstes Team das Achtelfinale erreichen. Der Mann, der sie aufhalten will, kennt den Austragungsort, das Stadio Olimpico, nur zu gut. Der Schweizer Teamchef Vladmir Petkovic agierte, bevor er die Eidgenossen 2014 übernahm, als Trainer von Lazio Rom. Mit den Laziali wurde Petkovic auch Cupsieger. Doch Italiens Heimstärke ist beachtlich, keines der neun Spiele bei großen Turnieren im Olympiastadion wurde verloren. Mit dem Ende der Gruppenphase könnte selbst der Rekord von 30 Spielen ohne Niederlage unter Vittorio Pozzo von 1935 bis 1939 fallen.

Die Einstellung dieser Bestmarke wollen die Schweizer unbedingt verhindern. "Wir haben Bock, diese Serie zu beenden", kündigte Denis Zakaria an. Das 1:1 gegen Wales war für die Eidgenossen insgesamt enttäuschend. "Gegen Wales haben wir irgendwann vergessen zu pressen, wir haben zu tief gespielt", sagte Italien-Legionär Remo Freuler. "Wenn wir das am Mittwoch wiederholen, wird es für die Italiener zu einfach. Aber wenn wir so spielen, wie wir es können, denke ich, dass etwas möglich ist." Vor allem die Chancenverwertung muss sich bessern, ließ man doch beste Einschuss-Gelegenheiten aus.

Zuletzt war für die Schweiz bei Endrunden dreimal hintereinander im Achtelfinale Schluss. Geht es nach Granit Xhaka, bleiben die Eidgenossen 2021 deutlich länger im Turnier. "Wir wollen Geschichte schreiben, und ich glaube, der Zeitpunkt ist sehr gut, um Geschichte zu schreiben." Petkovic ergänzte: "Von einem großen Buch können wir morgen nur eine oder zwei Seiten schreiben. Es ist wichtig, diese erste Seite zu schreiben, dann kann man auch das Buch zu Ende schreiben."

📊 Mögliche Aufstellungen bei Italien - Schweiz

  • Rom, Stadio Olimpico, SR Karasew/RUS
  • Italien: 21 Donnarumma - 2 Di Lorenzo, 3 Chiellini, 19 Bonucci, 4 Spinazzola - 18 Barella, 8 Jorginho, 5 Locatelli - 11 Berardi, 17 Immobile, 10 Insigne
  • Schweiz: 1 Sommer - 4 Elvedi, 22 Schär, 5 Akanji - 2 Mbabu, 8 Freuler, 10 G. Xhaka, 13 R. Rodriguez - 23 Shaqiri - 7 Embolo, 9 Seferovic

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