Tirols KSV-Chef: „Es wird auch Größere erwischen“

Tirols KSV-Chef Klaus Schaller sieht nach dem Stundungs-Aus unter anderem tourismusnahe Betriebe gefährdet.

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KSV-Chef Klaus Schaller.
© Tom Bause

Stundungen, Staatshilfen und Insolvenz-Stopps haben viele Firmen am Leben gehalten. Heuer gab es 60 Pleiten in Tirol, 1000 in Österreich – ein Rekordtief. Ab Juli müssen wieder gestundete Beiträge gezahlt werden – nebst den laufenden. Rollt nun die Pleitewelle an?

Klaus Schaller: Es wird nicht sofort eine Insolvenz-Schockwelle über Tirols Wirtschaft hereinbrechen. Großes Thema werden die bisher gestundeten Beiträge sein. Hier gibt es für liquiditätsschwache Firmen noch eine „Safety-Car-Phase“, wonach man gestundete Beiträge weitere drei Monate aufschieben kann. Unterm Strich werden aber die Insolvenzzahlen ab Frühherbst steigen, weil seit Pandemieausbruch das Insolvenzgeschehen quasi stillgestanden ist.

Wie sehen Sie das Ende der Stundungen?

Schaller: Klar ist: Je länger in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen durch Staatshilfen künstlich am Leben erhalten werden, desto größer wird der volkswirtschaftliche Schaden. Solche Unternehmen gefährden Betriebe, die finanziell noch gesund dastehen. Wir werden jetzt zunehmend insolvente Betriebe erleben, die über kein werthaltiges Vermögen mehr verfügen.

Mit wie vielen Pleiten in Tirol muss man ab Juli rechnen?

Schaller: Heuer haben wir etw­a 58 % weniger Insolvenzen als 2019. Wir erwarten, dass wir im Gesamtjahr 20 % weniger Pleiten als im Jahr 2019 haben werden. 2022/23 dürfte das Insovenzniveau in Tirol dagegen etwa 40 % über dem Vorpandemie-Wert liegen. Das wäre noch keine Tragödie, sondern eine Größenordnung wie nach der Finanzkrise 2009/10. Damals geriet Tirols Wirtschaft auch nicht ins Straucheln. Diese Prognose der Insolvenzzahlen bezieht sich auf die aktuell geltenden Rahmenbedingungen.

Wen wird es treffen?

Schaller: Ich sehe tourismusnahe Dienstleister als gefährdet an – etwa Taxiunternehmen. Es wird auch kleinere Händler treffen. Auch in der Nachtgastronomie, die immer noch stillsteht, werden die Hilfsmaßnahmen irgendwann nicht mehr ausreichen.

Wackeln in Tirol auch größere Unternehmen?

Schaller: Es wird das eine oder andere größere Unternehmen erwischen. Wir reden aber hier von Betrieben mit etwa 50 bis 80 Mitarbeitern, nicht von den großen Leuchtturm-Unternehmen – da ist nichts absehbar. Wir werden aber wieder Pleiten mit Passiva von über 10 Millionen Euro sehen.

Interview: Max Strozzi


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