Ein widersprüchliches Leben kommt auf die Bühne

Mit dem Petrus-Canisius-Musical „Der Weise und der Narr“ erlebt das diözesane Jubiläumsjahr seinen Höhepunkt. Uraufführung ist am 25. Juni.

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(Lehr-)Stück im Stück: Petrus Canisius – als König – muss mit dem Narren erst die Rollen tauschen, um Demut statt Hochmut zu lernen. Hauptdarsteller Thomas Lackner und Oliver Natterer (als Narr) gaben, gemeinsam mit Annalena Hochgruber, den Medien gestern eine erste Kostprobe.
© Diözese/Hölbling

Von Michael Domanig

Innsbruck – „500 Herzfeuer“ in Form von Veranstaltungen und Aktionen aller Art entzündet die Diözese Innsbruck heuer, um den 500. Geburtstag ihres Diözesanpatrons Petrus Canisius (1521–1597) gebührend zu feiern. Besonders hell leuchten soll dabei ein eigens in Auftrag gegebenes Canisius-Musical unter dem Titel „Der Weise und der Narr“, das vom 25. Juni bis 8. Juli an fünf Spielorten in ganz Tirol zu erleben ist.

Man habe neben Festen, Begegnungen, Wallfahrten oder Vorträgen auch ein „kreatives Element“ ins Jubiläumsjahr einbringen wollen, sagt Bischofsvikar Jakob Bürgler: 2014, zum 50-Jahr-Diözesanjubiläum, sei ein eigens entwickeltes Kabarett toll rezipiert worden – nun ist das Auftragswerk eben ein Musical: Damit könne man der „kantigen“ Person Canisius’ „nicht nur kognitiv, sondern auch emotional begegnen“. Umgesetzt wird das Ganze in Kooperation mit dem Landesjugendtheater und dem PORG Volders. Für Text und Regie zeichnet Bernhard James Lang verantwortlich, die Musik hat Alexander Giner komponiert, der am PORG unterrichtet. Mit Thomas Lackner konnte für die Rolle des Petrus Canisius ein namhafter Schauspieler gewonnen werden.

Bürgler wie Lang betonen die aktuelle Relevanz: Die Kirche sei auch heute wieder sehr gefordert, sich neu aufzubauen, neu zu „erfinden“ – wie es ja auch schon Canisius nach der Herausforderung durch die Reformation tun musste.

Die in Canisius’ Leben angelegten Widersprüche – ein berühmter Prediger und Kirchenlehrer, der auch die Sprache des einfachen Volkes sprach, ein katholischer Heiliger, der aber auch Theoretiker der Hexenverfolgung war – scheute Lang als Autor nicht, im Gegenteil: „Ohne Konflikt kein Theater.“ Man habe die Schattenseiten bewusst thematisiert, die Widersprüche brächten Dynamik – auch weil Canisius damit anders umgegangen sei als andere.

„Canisius hatte auch große Selbstzweifel“, betont Hauptdarsteller Thomas Lackner, der im Stück (trotz zehn Liedern und 15 Leuten auf der Bühne) kein typisches Musical sieht, sondern ein „komplexes, sehr gut geschriebenes theologisch-philosophisches Theaterstück“.

Besonders spannend sei es, innere Konflikte auf der Bühne sichtbar zu machen, meinen die jungen Darsteller Oliver Natterer (als Narr) und Annalena Hochgruber. Mit der – historisch belegten – Mystikerin und Ordensoberin Maria Lignana gibt es auch eine starke Frauenfigur.

Die Botschaft sei, „die Kraft des Evangeliums wieder sichtbar zu machen“, meint Bürgler. Lang drückt es prosaischer aus: „Im Leben braucht es mehr als nur Gemütlichsein, jeder braucht eine Aufgabe.“ Das sei eine unbequeme Botschaft, räumt er ein.

Nach intensiver, durch Corona noch viel komplexer gewordener Vorbereitungsarbeit herrscht nun allseits große Freude auf die Premiere, die am 25. Juni um 19 Uhr im Kurhaus Hall stattfindet (Vorpremiere um 11 Uhr).

Weitere Termine

26. Juni um 19 Uhr in Hall; 1. Juli, 11 und 19 Uhr in der Burgenwelt Ehrenberg, Reutte; 2. Juli, 11 und 19 Uhr im Stadtsaal Landeck; 3. Juli, 20 Uhr auf Schloss Aschach in Volders; 5. bis 7. Juli, jeweils 11 und 19 Uhr, im Zeughaus Innsbruck; 8. Juli, 11 und 19 Uhr: Pfarre zur Hl. Familie in Lienz.

Alle Infos (auch zum Kartenvorverkauf): www.dibk.at/Themen/500-Herzfeuer- Petrus-Canisius-Jahr-2021


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