Fed bleibt lockerer Linie treu und fasst Zinswende für 2023 ins Auge

Die US-amerikanische Notenbank hält vorerst an ihrer lockeren Geldpolitik fest, signalisiert aber erstmals seit Beginn der Corona-Krise eine mögliche Zinserhöhung für 2023.

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Fed-Chef Jerome Powell.
© TONI L. SANDYS

Washington – Die US-Notenbank Fed hält trotz der abflauenden Corona-Pandemie und rasant steigender Inflation am Niedrigzins fest. Sie beließ ihn auf ihrer Sitzung am Mittwoch in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Allerdings signalisierten die Währungshüter erstmals seit Beginn der Krise, dass es 2023 eine Erhöhung geben könnte. Bisher hatten sie im Mittel eine Zinswende erst ein Jahr später angepeilt.

Ihre Geldspritzen in Höhe von monatlich 120 Mrd. Dollar ( (98,51 Mrd. Euro) wollen sie beibehalten, bis erhebliche Fortschritte bei Preisstabilität und Beschäftigung erreicht sind.

Beobachter erwarteten allerdings, dass Fed-Chef Jerome Powell auf der Pressekonferenz zumindest einen kleinen Einblick in die internen Debatten über einen Fortbestand der Krisenpolitik geben dürfte. Mit konkreten Signalen für ein Zurückfahren der Anleihenkäufe wurde jedoch nicht gerechnet. „Sollte die Fed nun von solchen Signalen absehen, wird es möglicherweise bei der alljährlichen Notenbank-Konferenz in Jackson Hole Ende August soweit sein“, so die Einschätzung von KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib.

Fed noch längst nicht am Ziel

Trotz des bereits kräftigen Aufschwungs nach der Krise ist die Fed noch längst nicht am Ziel: So blieb die Aufholjagd am Jobmarkt nach den massiven Stellenverlusten vom vorigen Frühjahr zuletzt hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurück. „Fed-Chef Powell dürfte betonen, dass es aufgrund der langsameren Erholung am Arbeitsmarkt zu früh ist, über eine geldpolitische Trendwende zu diskutieren“, so die Erwartung von Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi.

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Und die Verbraucherpreise (CPI) stiegen zuletzt weit stärker als von der Fed gewünscht: Sie kletterten um 5,0 Prozent und damit so stark wie seit rund 13 Jahren nicht mehr.. Die Notenbank sieht den Preisanstieg als vorübergehendes Phänomen: In ihrer Prognose gehen die Währungshüter davon aus, dass die Inflationskennziffer für die persönlichen Verbraucherausgaben (PCE) 2022 in der von der Fed besonders beachteten Kernrate auf 2,1 Prozent zurückgehen wird - nach 3,0 Prozent im laufenden Jahr. Zugleich erwarten sie, dass auf die Krise ein kräftiger Boom folgt: Für 2021 veranschlagen sie ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 7,0 Prozent. 2022 sollen immerhin 3,3 Prozent herausspringen.

Auch wenn die Fed den Leitzins nicht antastete, justierte sie beim Schlüsselsatz für die bei ihr deponierten Überschussreserven der Banken nach: Der im Fachjargon IOER genannte Satz wurde leicht auf 0,15 von 0,1 Prozent erhöht. Die Maßnahme gilt als Versuch, den am Interbankenmarkt fälligen Preis des Geldes stärker an die Mitte der angepeilten Leitzins-Spanne anzunähern. Zuletzt lag er eher im unteren Bereich des Korridors. (APA/Reuters)


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