Ausstellung im Schloss Ambras: Kleider, die zeigen, wer man ist und was man hat

„Mode schauen“ in Schloss Ambras: Vorgeführt wird, was bei Kaisers und Königs zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert en vogue war.

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Aus Seidenfaden gestrickte Oberhose mit die Männlichkeit betonender Schamkapsel von Herzog August von Sachsen, vor 1555.
© SKD Rüstkammer/J. Lösel

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Dass Prinz und Prinzessin oder gar König und Königin zu sein in längst vergangenen Zeiten jedenfalls kein reines Zuckerschlecken war, zeigt die Schau. Allein schon der offensichtlich unbequemen Kleider wegen, die die Blaublüter bei offiziellen Anlässen zu tragen hatten. Als Ausdruck ihres gesellschaftlichen Status, der zeigt, wer man ist bzw. was man hat.

Mit der heurigen Sommerausstellung „Mode schauen“ hat sich Veronika Sandbichler, die Ambraser „Schlossherrin“, einen Herzenswunsch erfüllt und mit der Textilhistorikerin Katja Schmitz-von Ledebur und dem Kreativdirektor des KHM Wien, Stefan Zeisler, zwei perfekte Mitkuratoren gefunden. Sie machen das gesamte zweite Geschoß des Hochschlosses zum Spielort der Schau, wofür ein Teil der Porträtgalerie der Habsburger für einen Sommer lang partiell weichen musste.

Die von den besten Künstlern ihrer Zeit gemalten Bilder jener adeligen Damen und Herren, die bleiben durften, werden dagegen vor semitransparenten, an Paravents erinnernden Stellwänden als Role-Models in Sachen Mode ihrer Zeit inszeniert. Mit überregionaler Ausstrahlung, gab doch auch in Sachen Mode der den Ton an, in dessen Händen die weltliche Macht gerade lag. Und das war im späten 16. Jahrhundert Spanien, dann Frankreich.

Dass diese Gewänder alles andere als bequem waren, zeigen allein schon die Mieder bzw. Krinolinen, in die sogar der adelige Nachwuchs gezwängt wurde. Das absolute It-Piece der Damen der Renaissance waren allerdings Zobelpelzchen, die nicht nur Ausdruck von Luxus par excellence waren, sondern auch im Ruf standen, das ubiquitäre Ungeziefer von ihren Trägerinnen zu verscheuchen.

Bei den Männern war dagegen viel Bein gefragt. Unter kurzen Pumphosen samt grotesk betonter Schamkapsel wurden enge Strumpfhosen getragen, wie ein von Jakob Seisenegger 1548 in fabelhafter Liebe zum stofflichen Detail gemaltes Bild des 19-jährigen Erzherzogs Ferdinand II., zeigt, das vermuten lässt, dass sich dieser in seiner Verkleidung nicht wirklich wohl zu fühlen scheint. Die Fashionqueen des 18. Jahrhunderts war aber eindeutig Frankreichs aus Österreich stammende Königin Marie Antoinette, deren kostspieliger Kleidungsstil sie allerdings bereits zu Lebzeiten ordentlich in Verruf gebracht hat.

Originale Leihgaben aus diversen Museen von exquisiten Schühchen, fein bestickten Handschuhen und Täschchen und kostbarem Schmuck liegen in Vitrinen. Einige von SchülerInnen der Wiener Modeschule Herbststraße genähte, unübersehbar von historischen Vorlagen inspirierte Gewänder sind im Foyer des Hochschlosses bzw. in der Bauernrüstkammer zu sehen, mit Statements bzw. Videos von Designerstars wie Vivienne Westwood, die zeigen, wie die Mode von gestern ihre von heute beeinflusst, klingt die von einem informativen Katalog begleitete Schau aus.

📍 Schloss Ambras. Schlossstraße 20, Innsbruck; bis 3. Oktober, täglich 10–17 Uhr.


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