Mobile Unterstützung für besonders isolierte Familien in Innsbruck

Stadt und Land fördern in Innsbruck ein Pilotprojekt: SOS-Kinderdorf bietet mobile Familienassistenz für Menschen mit Fluchtgeschichte.

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Zogen eine positive Zwischenbilanz über das Pilotprojekt „SOS-Kinder.Welt.Mobil“ (v. l.): StR Elisabeth Mayr, Familienassistentin Alexandra Winkler, LR Gabriele Fischer und Wolfram Brugger (SOS-Kinderdorf).
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Von Michael Domanig

Innsbruck – Vor fünf Jahren hat SOS-Kinderdorf, als Reaktion auf die großen Fluchtbewegungen, die „SOS-Kinder.Welt“ in der Innsbrucker Tschamlerstraße gestartet: Diese bietet in einem geschützten Rahmen Spiel-, Lern- und Förderangebote für Kinder, während die Eltern niederschwellig Deutschkurse und Beratungsangebote in Anspruch nehmen können.

Das Angebot habe den Bedarf der „besonders vulnerablen Zielgruppe“ getroffen und sich gut entwickelt, bilanziert Wolfram Brugger, Leiter der Angebote von SOS-Kinderdorf in Innsbruck/Innsbruck-Land – sogar während der Corona-Krise. Seit 1. April ergänzt nun ein neuer mobiler Zweig die teilstationären Unterstützungsleistungen für Familien: Das Pilotprojekt „SOS-Kinder.Welt.Mobil“ wird von Land Tirol und Stadt Innsbruck finanziert (mit insgesamt ca. 33.000 Euro) und bietet niederschwellige, aufsuchende Familienassistenz.

Corona verschärfte Lage, Problemfelder ganz individuell

Was das konkret bedeutet, schildert Mitarbeiterin Alexandra Winkler, die seit zweieinhalb Monaten mehrere Familien mit Flucht- und Migrationsgeschichte bzw. fehlender Anbindung an ein soziales Umfeld und Regelsysteme betreut: Diese Familien seien oft „sehr isoliert und belastet“, Corona habe die Lage weiter verschärft und die Betroffenen noch mehr von der Gesellschaft und sozialen Einrichtungen abgetrennt. Doch die intensive, erfüllende Arbeit direkt zu Hause bei den Familien trage bereits Früchte: „Ich sehe, wie schnell sehr viel mit einfachen Mitteln bewirkt werden kann.“ Entscheidend sei, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

Die Problemfelder seien dabei ganz individuell, erzählt Winkler: Oft gehe es um Fragen der grundlegenden Existenzsicherung (Miete, Verpflegung), um Erziehungsberatung in alltäglichen Situationen (Dauerbrenner: altersgerechter Medienkonsum), um Sprache, Schule und Lernen. „Diese Familien wohnen oft extrem beengt, es fehlt an geeigneten Lernorten und -materialien.“ Die mobile Familienassistenz nehme auch eine Vernetzungs- und Brückenfunktion zu Schule, Nachhilfe oder weiterführenden Angeboten aller Art wahr. Auch die Begleitung zu Behörden oder Ärzten gehört dazu. Ziel seien „konkrete, pass- genaue Lösungen“.

Das Pilotprojekt ist vorerst für ein Jahr gesichert, es wird laufend evaluiert: Die bisherigen Rückmeldungen zur mobilen Familienassistenz seien sehr positiv, erklärt Innsbrucks Bildungs- und Integrationsstadträtin Elisabeth Mayr (SPÖ), die überzeugt ist, dass es „eine Aufstockung brauchen wird“.

Auch Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) betont die Vorbildwirkung der „SOS-Kinder.Welt.Mobil“ und hofft, dass Gemeinden und Planungsverbände in Tirol vergleichbare Initiativen angehen. Es gehe, wie im Tiroler Integrationsleitbild beschrieben, um die Stärkung von Gemeinwohl und Zugehörigkeit: „Das kann nur gelingen, wenn man Familien mit Kindern willkommen heißt, begleitet und unterstützt.“


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