ÖFB-Team ohne „Arnie“, aber mit Wut im Bauch gegen die Niederlande

Dass Marko Arnautovic gestern für ein Spiel gesperrt wurde und damit heute (21 Uhr/TT.com-Live-Ticker) ausfällt, trifft in den Reihen des ÖFB auf viel Unverständnis. Das sollen die Niederlande zu spüren bekommen.

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Große Duelle heute in der Johan-Cruyff-Arena: Die Niederländer Wout Weghorst und Memphis Depay gegen die ÖFB-Stars David Alaba und Konrad Laimer. Marko Arnautovic wird fehlen.
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Aus Amsterdam: Von Tobias Waidhofer

Amsterdam – „Ich bin eh da“, grinste David Alaba. Und sorgte damit gestern für einen der wenigen Momente bei der abendlichen ÖFB-Pressekonferenz, die den Beobachter zum Schmunzeln animierten. Zuvor hatte ÖFB-Pressechefin Iris Stöcklmayer ÖFB-Teamchef Franco Foda fälschlicherweise nach dem Ausfall von Alaba gefragt.

Denn natürlich gab es nur ein Thema: die Sperre von Marko Arnautovic, den die UEFA nach seinem ausfallenden Jubel gegen Nordmazedonien wegen einer „Beleidigung des Gegners“ für ein Spiel aus dem Verkehr gezogen hatte. Das interessierte auch die niederländischen Journalisten, schließlich kennen sie den jungen, noch wilderen Arnautovic noch aus seiner Zeit bei Twente. Während Teamchef Franco Foda sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollte („Es macht keinen Sinn, darüber zu diskutieren, es ist wie es ist“), tat das sein Vorgesetzter: ÖFB-Präsident Leo Windtner, für gewöhnlich ein Mann der feinen verbalen Klinge, kritisierte die UEFA über die österreichische Presseagentur ungewohnt scharf: „Es ist aber schwer zu verstehen, dass der eigentliche Provokateur Alioski komplett ungeschoren davonkommt und nur unser Spieler gesperrt worden ist.“ Von einem Protest sieht der ÖFB aber ab. So einer hätte auch nicht wirklich Sinn, denn dass der „Arnie“ verbal deutlich über das Ziel hinausgeschossen war, ist eine Tatsache.

Dabei wäre Arnautovic heute voraussichtlich dort gelandet, wo er am liebsten ist: in der Startelf. Nun muss Franco Foda aber umdisponieren, und nimmt man zum Maßstab, dass der Teamchef gestern erneut den Treffer von Michael Gregoritsch explizit erwähnte, könnte heute durchaus der Steirer anstelle von Sasa Kalajdzic stürmen. Aber auch das Prinzip „Never change a winning team“ hätte durchaus seine Berechtigung.

📊 Mögliche Aufstellungen bei Niederlande - Österreich

  • Amsterdam, Johan Cruijff ArenA, SR Grinfeld/ISR
  • Niederlande: 1 Stekelenburg (Ajax Amsterdam/60 Länderspiele) - 22 Dumfries (PSV Eindhoven/20/1 Tor), 6 De Vrij (Inter Mailand/46/3), 3 De Ligt (Juventus Turin/27/2), 17 Blind (Ajax Amsterdam/79/2), 12 Van Aanholt (Crystal Palace/16/0) - 15 De Roon (Atalanta Bergamo/24/0), 8 Wijnaldum (Liverpool/76/23), 21 F. de Jong (FC Barcelona/28/1) - 19 Weghorst (Wolfsburg/7/2), 10 Depay (Olympique Lyon/65/26)
  • Österreich: 13 Bachmann (Watford/3) - 3 Dragovic (Bayer Leverkusen/91/2), 8 Alaba (Bayern München/82/14), 4 Hinteregger (Eintracht Frankfurt/56/4) - 21 Lainer (Mönchengladbach/30/2), 23 X. Schlager (Wolfsburg/21/1), 24 Laimer (RB Leipzig/10/1), 2 Ulmer (Red Bull Salzburg/25/0) - 9 Sabitzer (RB Leipzig/51/8) - 25 Kalajdzic (Stuttgart/8/3), 19 Baumgartner (Hoffenheim/11/3)

David Alaba dürfte die ÖFB-Elf heute als Ersatz für Julian Baumgartlinger, der nach seiner im Jänner erlittenen Kreuzbandverletzung bisher nur Kurzeinsätze absolviert hat, erneut als Kapitän aufs Feld führen – und wohl auch wieder als zentraler Teil einer Dreierkette agieren, denn auch die Niederländer werden im neuen System (3-5-2) heute mit zwei Spitzen (voraussichtlich Depay und Weghorst) anrücken. Der 28-jährige Alaba schätzt „Oranje“ immer noch als Gruppenfavorit ein. „Das ist eine Mannschaft, die sehr hohe Qualität hat. Sie haben wirklich super Einzelspieler, die auf Weltklasse-Niveau spielen.“ Da wären zum Beispiel Frenkie de Jong, Memphis Depay und Gini Wijnaldum – oder auch Juve-Verteidiger Matthis de Ligt, der heute zu seinem ersten EM-Einsatz kommen wird.

Zumindest Bondscoach Frank de Boer hat schon einmal schlechte Erfahrung mit Rot-Weiß-Rot gemacht, als er mit Ajax in der Europa League 2014 gegen die Bullen unterging. „Sie haben eine gute Mannschaft, mit mehreren Red-Bull-Spielern. Und dann weiß man, was passiert: Vollgas-Fußball“, sagte de Boer zur ÖFB-Elf. Die Niederlande sind trotzdem klarer Favorit, viel hat Österreich heute nicht zu verlieren.

De Boer warnte vor Österreichs "Vollgas-Fußball"

Der niederländische Nationaltrainer Frank de Boer sieht das Duell mit Österreich am Donnerstag (21.00 Uhr/TT.com-Live-Ticker) in Amsterdam als "guten Test", wie weit es für sein Team bei dieser EM gehen kann. Die Österreicher hätten in ihrem Auftaktspiel gegen Nordmazedonien (3:1) einen guten Eindruck hinterlassen. "Die werden uns das Leben schon schwer machen", warnte der 51-Jährige am Mittwoch in seiner Abschluss-Pressekonferenz. "Ihre Mentalität ist gut."

Das ÖFB-Team würde mehrere verschiedene Systeme beherrschen - neben der gegen Nordmazedonien praktizierten Dreier-Abwehrkette auch ein 4-3-3. "Sie haben eine gute Mannschaft, mit mehreren Red-Bull-Spielern. Und dann weiß man, was passiert: Vollgas-Fußball", sagte De Boer. Der Ex-Internationale ist ein gebranntes Kind. Als Trainer von Ajax Amsterdam war er 2014 im Europa-League-Sechzehntelfinale gegen Red Bull Salzburg daheim mit 0:3 untergegangen - in genau dem Stadion, in dem er nun mit "Oranje" bestehen muss.

De Boer will die Österreicher mit einer aggressiven Spielweise unter Druck setzen. "Wir wollen sie hoch pressen, darauf konzentrieren wir uns", erklärte der Bondscoach. "Wir wollen sie frühzeitig stoppen und versuchen, mit mehr Ballbesitz zu agieren. Wir wollen uns besser bewegen." Sein Team wird es erneut in einem 5-3-2 tun - auch wenn das System trotz des 3:2-Erfolges zum EM-Auftakt gegen die Ukraine in den Niederlanden umstritten ist. "Man sollte seiner Linie treu bleiben", meinte De Boer.

Bei den "Oranjes" kehrt Star-Verteidiger Matthijs de Ligt nach einer Leistenverletzung, wegen der er das Auftaktspiel verpasst hatte, zurück - es dürfte die einzige Änderung in der Startformation sein. Welcher der fünf Abwehrspieler für den 21-Jährigen von Juventus Turin Platz machen muss, ließ De Boer offen. In der Kommunikation in der Defensive sah er Verbesserungsbedarf. "Wir haben zwei Tore bekommen. Das ist nicht das, was wir wollten." (APA)


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