Amazon will Paket-Verteilzentren in Österreich weiter ausbauen

Derzeit gibt es zwei Paket-Umschlagslager in Wien und einen Standort in Niederösterreich mit insgesamt über 500 Beschäftigten. Neue Verteilzentren in Graz und Kärnten werden geprüft.

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Das Amazon-Verteilzentrum im niederösterreichischen Großebersdorf.
© HANS KLAUS TECHT

Wien, Seattle – Der US-Onlinehändler Amazon will seine Paket-Verteilstandorte in Österreich weiter ausbauen. "Wir prüfen derzeit die Möglichkeiten, Verteilzentren in der Steiermark (Graz) und in Kärnten zu eröffnen", hieß es von Amazon auf APA-Anfrage. Zuletzt gab es auch Medienberichte über einen möglichen Standort in Vorarlberg.

Nach dem im Oktober 2018 eröffneten Zustellzentrum im niederösterreichischen Großebersdorf eröffnete Amazon ein weiteres Paket-Umschlagslager in Wien-Liesing im August 2020 und in Wien-Simmering im Februar 2021. Statt mit den Logistikern Post, DHL und Co lässt Amazon von dort via lokalen Lieferpartnern zustellen. In den Paket-Verteilstandorten des US-Onlinehändlers arbeiten hierzulande bereits über 500 Mitarbeiter. Wie viele davon direkt bei Amazon angestellt sind und wie viele davon bei Leiharbeitsfirmen, wollte man auf Nachfrage nicht kommentieren. In der Hochsaison - etwa vor Weihnachten - stellt der Onlinehändler zusätzliche Aushilfskräfte ein. Bei Amazon-Zustellpartnern arbeiten in Österreich weitere 500 Personen.

Größter Kunde der Österreichischen Post

Amazon ist der größte Kunde der Österreichischen Post und wird durch den Aufbau der Eigenzustellung auch ihr größter Wettbewerber werden. "Die wachsen weiter und sie nehmen uns Anteile weg", sagte Post-Chef Georg Pölzl kürzlich. "Trotzdem werden wir auch weiter wachsen, weil der Gesamtmarkt wächst."

Neben den Zustellzentren betreibt Amazon auch ein Forschungs- und Entwicklungs-Zentrum in Graz und eine Web Services-Niederlassung in Wien.

Das Zustellzentrum in Großebersdorf war wegen Schwarzarbeit und Abgabenhinterziehung bei Amazon-Zustellpartnern im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Die Finanzpolizei hat am vergangenen Dienstag das Verteilzentrum in Großebersdorf erneut kontrolliert. Im Gegensatz zu der ersten Razzia Anfang 2020 mit 987 Beanstandungen sind dieses Mal laut Finanzministerium kaum Verstöße bei den Zustellpartnern des Onlinehändlers festgestellt worden. "Seit Februar 2020 haben wir alle elf Lieferpartner, mit denen wir direkte Verträge hatten, auditiert, was in zwei Fällen zur Auflösung der Zusammenarbeit mit ihnen geführt hat", hieß es von Amazon zur APA. Man habe das Auditverfahren verbessert, "um gegen weitere Arten von Verstößen vorgehen zu können".

Keinen eigenen Firmensitz in Österreich

Amazon hat seine Europa-Zentrale in Luxemburg und keinen eigenen Firmensitz in Österreich. Laut Medienberichten musste Amazon im Coronajahr 2020, als der Onlinehandel boomte, keine Körperschaftssteuern in der EU zahlen, weil aufgrund von hohen Investitionen und geringen Margen Verluste anfielen.

Im vergangenen Jahr hat Amazon nach eigenen Angaben rund 100 Mio. Euro in das Österreich-Geschäft gesteckt. Dies umfasst Investitionen in Verteilzentren und Büros sowie Ausgaben für Gehälter. Genauer schlüsselte der Onlinehändler die Zahlen nicht auf. Bisher hat Amazon hierzulande seit dem Österreich-Start im Jahr 2016 für Investitionen und Betriebsausgaben rund 170 Mio. Euro aufgewendet. Den Umsatz nach einzelnen Ländern gibt der US-Onlinehändler nicht bekannt. 2019 soll der Amazon-Umsatz in Österreich laut dem deutschen EHI Retail Institute und Statista rund 834 Mio. Euro betragen haben, 2020er-Zahlen sind noch nicht verfügbar. Nicht mitgezählt sind Umsätze von externen Händlern über den Amazon-Marktplatz und Medienangebote. (APA)


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