Bachmann-Wettbewerb: Guter Sex und eine verschlafene Epoche

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Necati Öziri überzeugte am Tag 1 des Bachmann-Wettlesens.
© ORF/Puch

Klagenfurt – Der erste Tag des Bachmann-Wettbewerbs begann gestern mit einem Ausfall. Die Lesung von Julia Weber – sie wurde wie die ihrer 13 Mitstreiter:innen um den wichtigsten in Österreich vergebenen Literaturpreis vorab aufgezeichnet – konnte nicht abgespielt werden. 3sat, wo auch heute ab 10 Uhr live aus Klagenfurt übertragen wird, sendete eine Doku über die Karnischen Alpen. Der zweite Versuch klappte. Die Jury reagierte auf Webers Text „Ruth“ verhalten. Philipp Tingler ortete Verstaubtes. Neo-Jurorin Vea Kaiser lobte die Sex-Szenen, die neue Juryvorsitzende Insa Wilke befand das Gehörte für „gelungen“.

Die zweite Vortragende, Heike Geißler, wurde mitunter scharf kritisiert. Ihre Chancen, für „Die Woche“ ausgezeichnet zu werden, scheinen gering. Michael Widerstein wähnte sich in einer Parodie.

Hoffnung auf einen der Preise, die am Sonntag vergeben werden, kann sich Necati Öziri mit seinem Text „Morgen wache ich auf und dann beginnt das Leben“ machen. Vea Kaiser – in der gestern anregend uneinigen Jury fürs Gefühlige zuständig – war „irrsinnig begeistert“, Wiederstein lobte „perfekte Bilder“.

Der Nachmittag begann mit Gedenken an Friederike Mayröcker, die gestern in Wien beigesetzt wurde. Dann las mit Magda Woitzuck die erste Österreicherin. Ihr Text „Die andere Frau“ wurde mehrheitlich als „überbuchstabiert“ und „schlampig“ abgelehnt.

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An „1709,54 Kilometer“, dem Text der Salzburgerin Katharina Ferner, entzündete sich die hitzigste Debatte von Tag eins: Philipp Tingler vermisste Kohärenz, Kastberger, für den der Text auch Fragen aufwarf, erwiderte mit einem Impulsreferat zur österreichischen Avantgarde-Literatur, in deren Fluchtlinien er Ferner stellte. Vea Kaiser fehlten „Handlungsanweisungen“. Brigitte Schwens-Harrant fragte sich auch deshalb, ob manche Jurymitglieder das 20. Jahrhundert verschlafen hätten. (jole)


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