„Fuchs im Bau“: Ein Stück Freiheit im Wiener Häfn

Ein authentischer Gefängnisfilm ohne bemühte Sozialkritik: Regisseur Arman T. Riahi stellt seinen neuen Film „Fuchs im Bau“ heute in Innsbruck vor.

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„Fuchs im Bau“ war vergangene Woche der Eröffnungsfilm der Grazer Diagonale.
© Filmladen

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – „Willkommen im Strafvollzug“ – so wird Hannes Fuchs an seiner neuen Arbeitsstelle in einem Wiener Jugendgefängnis begrüßt. Er ist der Titelheld von Arman T. Riahis Drama „Fuchs im Bau“. Fuchs soll die Häfn-Lehrerin Elisabeth Berger unterstützen und vielleicht ihre Stelle übernehmen. Doch die langjährige Pädagogin will ihre Schützlinge nicht alleine lassen. Wenn sie den Kasten mit dem Mal- und Bastelmaterial aufsperrt, werden die verurteilten Jugendlichen ruhig. Dem Chef des Jugendtraktes ist dieser wenig disziplinierte Unterricht gar nicht recht, obwohl er doch eigentlich über ausgeglichenere junge Insassen froh sein sollte.

Auch der Neue muss sich erst auf die besondere Atmosphäre einer Gefängnis-Klasse einstellen. Wie viele seiner Schülerinnen und Schüler auch bringt er seinen eigenen traumatischen Ballast mit. Viele Worte darüber verliert der Film aber nicht. Auf die Frage der Schüler gibt er eine kryptische Antwort: „Wieso sind Sie hier? Warum nicht in einer ganz normalen Schule?“ – „Vielleicht, weil ich’s verdient hab.“ Wenig überraschend ermöglicht ihm aber genau diese Ähnlichkeit, einen Zugang zur Klasse zu finden. Besonders die in sich gekehrte Samira braucht eine Vertrauensperson. Sie sitzt ein, weil sie ihren Vater ins Koma geprügelt hat.

📽 Trailer | Fuchs im Bau

Anhand dieser zwei gebrochenen Figuren erzählt Riahi eine großartige Ensemble-Geschichte. Ihm geht es nicht unbedingt um einen Anfang und ein Finale, auch wenn sanfte filmische Szenen die notwendige Dramaturgie bringen. Im Zentrum stehen die Justizanstalt und das Klassenzimmer. Darin spielen sich die Geschichten nach den Geschichten, die im Häfn endeten, ab. Die Neugier auf diese Vorgeschichten bedient „Fuchs im Bau“ nicht. Er hält es eher mit der Lehrerin Berger: Für sie sind die Kids nur Schüler.

Maria Hofstätter gibt dieser Figur ordentlich Persönlichkeit mit. Einmal sehen wir sie zu Hause wild zu Musik tanzen, doch die vielen Jahre haben sie Energie gekostet und eine kleine Portion Bitterkeit gebracht. Ihr gegenüber ist Aleksandar Petrovic´ als Hannes Fuchs auf ganz andere Weise stark, mit zurückgehaltener Wut. Sogar den Chef der Wache macht Andreas Lust zu einem durchaus sympathischen Menschen. Es gibt somit keine Bösewichte und Heiligen in diesem Gefängnisfilm. Das ist dem Drehbuchautor Arman T. Riahi hoch anzurechnen. Erfreulicherweise beweist er auch Mut zum Dialekt, nicht nur beim diversen jugendlichen Ensemble. Das bringt ebenso Frische in die Szenen wie die bewegte Kamera innerhalb der Gefängnis-Enge.

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Das alles macht „Fuchs im Bau“ ohne bemühte Sozialkritik zu einer gelungenen Kombination aus Schul- und Gefängnis-Geschichte. Ihre Authentizität fußt auf langer Recherche Riahis. „Fuchs im Bau“ ist inspiriert von den Erfahrungen des Sonderpädagogen der Justizanstalt Josefstadt Wolfgang Riebniger, der in einer kurzen Apfelstrudelbackszene als Häfnkoch zu sehen ist. Sein Motto als Gefängnislehrer ist im Film durchwegs spürbar: „Empathie und Liebe statt emotionaler Hiebe“.

„Fuchs im Bau“ war vergangene Woche der Diagonale-Eröffnungsfilm und gewann außerdem beim diesjährigen Festival Max-Ophüls-Preis unter anderem den Jugendjury-Preis.


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