Das bringt der Samstag bei der EURO: Deutschland bereits unter Druck

Im Schlagerspiel gegen Portugal muss Deutschland punkten, um seine Chance aufs Achtelfinale zu wahren. Auch Spanien und Polen stehen im direkten Duell der Gruppe E bereits unter Zugzwang. Weltmeister Frankreich ist im ersten Spiel des Tages gegen Ungarn klarer Favorit.

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Kylian Mbappe, Teamchef Didier Deschamps und die Equipe Tricolore könnten am Samstag den Einzug ins Achtelfinale fixieren.
© FRANCK FIFE

⚽ EM-Gruppe F: Ungarn - Frankreich 15.00 Uhr

Im ersten Gruppe-F-Spiel Frankreichs bei der EM ist der Wundersturm des Weltmeisters noch etwas schuldig geblieben. Trainer Didier Deschamps bot beim 1:0 gegen Deutschland erstmals Kylian Mbappe, Antoine Griezmann und Karim Benzema in einem Bewerbsspiel auf, ihren Sieg verdankte die "Equipe Tricolore" allerdings einem Eigentor von Mats Hummels. Gegen Ungarn sind die Franzosen am Samstag (15.00 Uhr/live TT.com-Ticker) trotz vollem Haus in Budapest glasklarer Favorit.

Gegen Deutschland war nicht der Angriff entscheidend, vielmehr machten das Mittelfeld und die Abwehr den Unterschied aus. Schon fünf Spiele in Folge hat die Mannschaft kein Gegentor bekommen. Französische Medien bezeichneten das Mittelfeld-Trio N'Golo Kante, Paul Pogba und Adrien Rabiot im Anschluss als "magisches Dreieck" - ein Beinamen, der eigentlich für das Sturm-Dreigestirn prädestiniert schien. Doch das hatte am Dienstag in München kein Glück. Zwar trafen Mbappe und Benzema ins Netz, die Tore zählten jedoch wegen Abseitsstellungen nicht.

Der zweite Auftritt der 17 Pflichtspiele ungeschlagenen Franzosen gegen Ungarn sollte für die stürmenden Kapazunder aber genügend Gelegenheiten bieten, zumindest einmal anzuschreiben. Die 0:3-Niederlage der Magyaren am Dienstag gegen Portugal beendete deren Serie von elf Partien ohne Niederlage, wiewohl die Hausherren sich lange Zeit wacker im Spiel hielten. Am Ende sorgte vor allem Superstar Cristiano Ronaldo, dem zwei Treffer gelangen, aber für gehörige Turbulenzen in der Hintermannschaft.

Einfacher wird es für die Ungarn, die auf die Unterstützung von 61.000 Zuschauern in der Puskas Arena bauen können, am Samstag garantiert nicht. Benzema, Mbappe und Griezmann schossen in der vergangenen Saison für ihre Clubs Real Madrid, Paris Saint-Germain und Barcelona zusammen 102 Tore. Hinzu kommt, dass das Thermometer am Nachmittag wohl bis 35 Grad Celsius oder darüber hinaus klettern wird.

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📊 Mögliche Aufstellungen bei Ungarn gegen Frankreich

  • Budapest, Puskas Arena, SR Oliver/ENG
  • Ungarn: 1 Gulacsi - 14 Lovrencsics, 21 Botka, 6 Orban, 4 At. Szalai, 5 Fiola - 15 Kleinheisler, 8 Nagy, 13 Schäfer - 20 Sallai, 9 Ad. Szalai
  • Frankreich: 1 Lloris - 2 Pavard, 4 Varane, 3 Kimpembe, 21 Hernandez - 6 Pogba, 13 Kante, 14 Rabiot - 7 Griezmann, 19 Benzema, 10 Mbappe

⚽ EM-Gruppe F: Portugal - Deutschland 18.00 Uhr

Nach dem 0:1 gegen Frankreich steht Deutschland gegen den amtierenden Europameister Portugal schon mächtig unter Druck. Das DFB-Team suchte in den vergangenen Stunden nach der zum Turnierauftakt fehlenden Durchschlagskraft. Viele Lücken werden auch die Portugiesen am Samstag (18.00 Uhr/live TT.com-Ticker) nicht anbieten. Immerhin: Superstar Cristiano Ronaldo hatten die deutschen Verteidiger zuletzt immer im Griff.

Ein Stempel gegen Deutschland fehlt Ronaldo noch in seinem Goalgetter-Pass. Genüsslich rechneten portugiesische Medien in diesen Tagen vor, dass der Kapitän der "Selecao" schon gegen 34 verschiedene Nationalteams getroffen habe - aber gegen Deutschland noch nicht. Viermal stand der Nationalheld den Deutschen bei Großturnieren gegenüber - immer gewann der von Joachim Löw (mit)betreute Gegner. Portugals letztes Erfolgserlebnis ist schon 21 Jahre her (3:0 bei EM 2000).

Der Unglücksrabe im Auftaktspiel: Mats Hummels traf gegen Frankreich ins eigene Tor.
© MATTHIAS HANGST

Doch während Deutschland gegen Frankreich tor- und punktlos blieb, entledigte sich der Titelverteidiger mit einem späten 3:0 in Ungarn von dem größten Druck. "Jetzt ist es notwendig, so weiterzumachen und das nächste Spiel zu gewinnen", gab Doppel-Torschütze Ronaldo die Marschroute vor.

Nach den Toren Nummer zehn und elf ist Ronaldo nun alleiniger EM-Rekordtorschütze. Einen Vollstrecker dieser Kategorie hat der Gegner nicht in seinen Reihen. Serge Gnabry, Thomas Müller und Kai Havertz bildeten gegen Frankreich ein recht stumpfes Offensiv-Trio, Joker Timo Werner blieb ohne gelungene Aktion. Scharfe Tiefenläufe wurden kaum angerissen, die Straufraumszenen waren rar, ganz allgemein blieb der Stress-Level in Frankreichs Hintermannschaft überschaubar.

Löw wehrte sich gegen den Vorwurf, nicht genug ins Risiko gegangen zu sein: "Das haben wir gemacht, wir hatten ja nur drei statt vier Verteidiger auf dem Feld." Anzeichen für einen radikalen System- und Personalwechsel gab es vor Spiel zwei nicht. Möglicherweise schickt Löw dieselben Elf aufs Münchner Grün wie gegen Frankreich mit Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger. Dieser forderte: "Wir müssen im nächsten Spiel zeigen, dass wir auch ein Favorit sind."

📊 Mögliche Aufstellungen bei Portugal gegen Deutschland

  • München, Fußball Arena, SR Taylor/ENG
  • Portugal: 1 Rui Patricio - 2 Nelson Semedo, 4 Ruben Dias, 3 Pepe, 5 Guerreiro - 13 Danilo, 11 Bruno Fernandes, 14 William Carvalho - 10 Bernardo Silva, 7 Cristiano Ronaldo, 21 Diogo Jota
  • Deutschland: 1 Neuer - 4 Ginter, 5 Hummels, 2 Rüdiger - 6 Kimmich, 8 Kroos, 21 Gündogan, 20 Gosens - 7 Havertz, 10 Gnabry, 25 Müller

⚽ EM-Gruppe E: Spanien - Polen 21.00 Uhr

Nach dem torlosen EM-Remis gegen Schweden musste sich Spaniens Nationalteam viel Kritik von Fans und Medien anhören. Tatsächlich wirkte das Offensivspiel der Iberer relativ zahm und ideenlos. Der Ärger der Außenstehenden richtete sich speziell auf Alvaro Morata. Vor dem zweiten Gruppe-E-Match gegen Polen am Samstag (21.00 Uhr/live TT.com-Ticker) erhielt der Juventus-Stürmer demonstrativ Rückendeckung. Mut macht den Spaniern die Rückkehr von Kapitän Sergio Busquets.

Pfiffe der eigenen Fans soll es im Duell der noch Sieglosen nicht wieder geben. Am Montag hatte vor allem Morata, der bis zur 66. Minute auf dem Platz war, diese abbekommen. Dem Mittelstürmer war gegen Schweden nicht viel gelungen, damit war er aber in seiner Mannschaft nicht alleine. Wie schon bei früheren Turnieren trat "La Roja" zwar dominant auf, im letzten Angriffsdrittel fehlten aber die Bereitschaft zur ständigen Bewegung und zündende Ideen.

Unerreichte 917 Pässe schlug das Team von Luis Enrique, daraus entsprangen 85 Prozent Ballbesitz. Zu selten kam es jedoch zu Abschlüssen in der Gefahrenzone, die wenigen großen Möglichkeiten wurden teils kläglich vergeben. Mehr als gegen die äußerst defensiv eingestellten Schweden wird auch die spanische Abwehr gefordert sein. Denn einer hat einiges gutzumachen nach der 1:2-Niederlage gegen die Slowakei, sprich ein oder mehr Tore zu erzielen: Goalgetter Robert Lewandowski. Das Problem der Polen ist aber ein anderes, zumindest aus der Sicht vieler Kritiker in dem Land.

"Wir alle warten darauf, dass er ein Tor schießen wird, aber diese Tore fallen nicht, weil er keine Bälle bekommt, mit denen er etwas anfangen könnte und sollte", schrieb am Freitag die polnische Sportzeitung Przeglad Sportowy. Es sind die Leiden des Lewandowski, die dem Autor offenbar zu schaffen machen. Die Spanier wären mit dem Bayern-Star wohl auf Anhieb ein heißer Titelkandidat.

📊 Mögliche Aufstellungen bei Spanien - Polen

  • Sevilla, La Cartuja, SR Orsato/ITA
  • Spanien: 23 Simon - 3 D. Llorente, 24 Laporte, 4 P. Torres, 18 Alba - 6. M. Llorente, 16 Rodri, 26 Pedri - 9 Moreno, 7 Morata, 19 Olmo
  • Polen: 1 Szczesny - 18 Bereszynski, 15 Glik, 5 Bednarek, 13 Rybus - 8 Linetty, 26 Puchacz, 14 Klich - 21 Jozwiak, 9 Lewandowski, 20 Zielinski


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