Mozart rockt das Haus der Musik

Mitreißend und intensiv: ein denkwürdiger Konzertabend mit Jörg Widmann und dem Symphonieorchester.

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Die alles ergreifende Magie Mozarts, vermittelt von Klarinettist Jörg Widmann und dem TSOI.
© Chó/www.wefeel.art

Von Markus Schramek

Innsbruck – Das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck – Freunde gefinkelter Akronyme dürfen TSOI zu ihm sagen – ist bereit und harrt der Dinge. Aus dem Off des Nebenraums erklingen Klarinettentöne: Solist Jörg Widmann ist noch beim Einspielen.

Wenige Minuten später, auf der Konzertbühne im Haus der Musik vorgestern Donnerstag, ist von etwaiger Anspannung nichts mehr zu spüren. Widmann und das Orchester rocken das Haus zu (oft gespielter) Musik von Wolfgang Amadeus Mozart.

Keine Übertreibung: Geboten werden Tempo, Feuer, Leidenschaft bei nicht nachlassender Präzision. Das Publikum ist nicht nur live, sondern auch aktiv dabei – Füße, Beine, Köpfe in rhythmischer Bewegung. Mozarts Magie, vermittelt von den musikalischen Hauptakteuren des Abends, erfasst die Menge.

Jörg Widmann ist ein Allrounder: Musiker, Dirigent, Komponist. In letzterer Funktion hat der Gast aus München die Konzertouvertüre „Con brio“ geschrieben – ein Klangexperiment neuer Musik, dem sich das TSOI, hektisch Noten umblätternd, mit viel Gezupfe und Gezische nach Kräften hingibt.

Bei Mozarts Klarinettenkonzert (KV 622) obliegt Widmann der Solopart. Er offenbart mit Hingabe die ganze Bandbreite dieses Holzblasinstruments, von warmen Wohlfühltönen bis hin zu Höhen, die einander in Ausgelassenheit übertrumpfen.

Ähnlich oft aufgeboten wird ein Spätwerk Mozarts aus dem Jahr 1788, die „Jupiter-Symphonie“ (KV 551). Sie ist nicht nur in Konzertsälen omnipräsent, Auszüge dienen auch der Behübschung von telefonischen Warteschleifen und von Fahrstühlen.

Lässt sich dieser populäre Klassiker noch in eine Dimension jenseits das eh schon Gehörten (ent-)führen? Ja, das geht. Den Beweis tritt das TSOI an, diesfalls dirigiert von Jörg Widmann. Was heißt hier dirigiert: Der Taktgeber geht dermaßen engagiert zu Werke, dass er für Momente die Bodenhaftung verliert und das Orchester hüpfend weiter vorantreibt.

Wer derzeit allabendlich vor der EM-Glotze sitzt, verpasst einiges da draußen: ein fantastisches Konzert wie dieses, nur so zum Beispiel.


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