Auf auf zur interkulturellen Welterkundung im Schwazer Museum der Völker

Als riesige „Gedankenwolke“ inszeniert das Schwazer Museum der Völker Bilder, die von der Welt erzählen.

  • Artikel
  • Diskussion
Als durchlässige, mit Weltbildern der unterschiedlichsten Art aufgeladene „Gedankenwolke“ ist die neue Ausstellung im Museum der Völker angelegt.
© Schlocker

Von Edith Schlocker

Schwaz – Nichts weniger, als das Weltbild der BesucherInnen des Museums der Völker infrage zu stellen, hat sich Lisa Noggler-Gürtler in ihrer neuen Ausstellung vorgenommen. Eine Schau, die das gesamte Haus infiltriert, vernetzt durch eine in eine Röhre eingehauste Kugelbahn, mittels der der Besucher seine ganz persönlichen Botschaften auf eine rund einminütige Reise schicken kann. Um dann bevorzugt mit jungen Menschen, die die Hausherrin noch mehr als bisher ins Museum holen möchte, diskutiert zu werden.

Die Erkundungsreise, zu der die Schau entführt, ist eine ebenso nachdenklich stimmende wie informative und dabei höchst vergnügliche. Um mit vielen Vorurteilen über das Andere, Fremde aufzuräumen, Missverständnisse aufzuklären, Berührungsängste abzubauen. Als Nachhilfe zum Reflektieren über das eigene Weltbild. Über Fragen von Sexismus, Rassismus, religiösem Fanatismus, Flucht und Migration, unserem Umgang mit der Natur. Was wunderbar im Nebeneinander von sinnbildlich aufgeladenen Objekten unterschiedlicher archaischer Kulturen funktioniert, auch der unseren.

Wobei das, was präsentiert wird, qualitativ vom Feinsten, teilweise hier jedenfalls noch nie Gesehenen, ist. Objekte, die aus dem eigenen reich gefüllten Depot an afrikanischer und asiatischer Stammeskunst geholt wurden oder als Leihgaben des Tiroler Volkskunstmuseums bzw. von privaten oder klösterlichen Sammlungen in die Schau eingeflossen sind.

Zelebriert werden die aus den unterschiedlichsten Materialien gemachten, riesigen wie winzigen Objekte als Stellvertreter für die diversen „Weltbilder“ in einer durchlässigen hölzernen „Gedankenwolke“. Ergänzt durch kürzere und längere Texte sowie Hörstationen. Wobei das auf diese Weise sensibel zelebrierte Nebeneinander der unterschiedlichsten Kulturen völlig wertfrei ist, frei von jedem eurozentrischen bzw. moralisch wertenden Beigeschmack. Um die Frage zu stellen, wo der Mythos beginnt bzw. endet, wo die persönliche Weltvermessung verortet ist, wie sich Routen durch die Welt berechnen lassen.

Da liegt etwa eine Bibel neben einem Koran, hängt ein Kreuz neben einem buddhistischen Kippbild. Aber auch kultische Bauten sind als Metaphern für jeweilige Weltbilder zu lesen, egal, ob es sich dabei um ein mit einem Heiligenbild geschmücktes Tiroler Bauernhaus oder einen ostasiatischen Tempel handelt. Aber auch raffiniert die jeweiligen Vorstellungen von der Welt erklärende Objekte laden in der Schau zum Vergleich der Kulturen ein, um, je intensiver man sich mit deren Kern auseinandersetzt, zur Erkenntnis zu kommen, wie ähnlich wir uns letztlich doch alle sind. Auch wenn die jeweiligen Erklärungsmodelle auf einen ersten Blick noch so konträr daherkommen mögen.


Kommentieren


Schlagworte