Ersthelfer in Tirol gesucht: Rotes Kreuz appelliert zu Auffrischungskursen

Bei der Hälfte der Bevölkerung liegt die Erste-Hilfe-Ausbildung viele Jahre zurück. Das Rote Kreuz appelliert, das Wissen aufzufrischen.

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Viele Unfälle passieren daheim oder in der Freizeit.
© ÖRK/Holly Kellner

Innsbruck – Fast jeder absolviert in seinem Leben einmal einen Erste-Hilfe-Kurs: Alle Führerscheinanwärter, aber auch Polizisten und betriebliche Ersthelfer sind dazu verpflichtet. Pro Jahr werden in Tirol rund 30.000 dieser Ersthelfer geschult. Theoretisch sollte es kein Problem sein, in Notsituationen im öffentlichen Raum jemanden zu finden, der weiß, was zu tun ist, und so Leben retten kann. Die Praxis sieht aber leider anders aus, denn aus Unsicherheit greifen viele dann doch nicht ein, sie wollen nichts falsch machen, sagt Christine Widmann vom Roten Kreuz Tirol. Dabei sei das Einzige, das man falsch machen kann, nichts zu tun.

Sie appelliert deshalb, spätestens vier Jahre nach der Ausbildung einen Auffrischungskurs zu besuchen, das tun aber nur wenige. Bei fast 50 Prozent der Bevölkerung liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs zehn Jahre oder noch länger zurück. Ziel wäre, dass jeder regelmäßig einen Auffrischungskurs absolviert, der vier oder acht Stunden dauert. Er könnte die Sicherheit geben, die im Notfall nötig ist. Ersthelfer hätten schließlich keine Routine, „denn Notfälle passieren zum Glück nicht jeden Tag“. Ist es einmal doch so weit, ist es wichtig zu wissen, welche Schritte gesetzt werden müssen, und wenn es nur die Ingangsetzung der Rettungskette ist.

Bei einem Herzstillstand können schon wenige Minuten entscheidend sein. In Österreich erleiden pro Jahr rund 10.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Atem-Kreislauf-Stillstand, nur jeder Zehnte überlebt. Nur selten wird rechtzeitig mit der überlebenswichtigen Herzdruckmassage begonnen, sagt Widmann. Laut Statistik Austria sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen für vier von zehn Todesfällen verantwortlich. Widmann: „Es kann jeden treffen. Umso wichtiger ist es, dass man vorbereitet ist.“ Laut einer Umfrage geben immerhin vier von zehn Österreichern an, schon ein- oder mehrmals Erste Hilfe geleistet zu haben.

Die meisten Unfälle passieren daheim oder in der Freizeit, es geht deshalb meistens nicht darum, einen Fremden zu retten, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit jemanden, der einem nahesteht. Widmann macht auch auf die Erste-Hilfe-Lern-App aufmerksam, sie sei aber kein Ersatz für eine Schulung, bei der Wiederbelebung geübt wird.


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