Tanzspektakel in drei Dimensionen beim Osterfestival im Innsbrucker Congress

Sensationell „Vertikal“ Getanztes im Rahmen des Osterfestivals Tirol im Innsbrucker Congress.

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Die zehnköpfige Compagnie „Käfig“ macht den gesamten Bühnenraum zur Tanzfläche.
© Osterfestival/Malyshev

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Es ist eine völlig neue Dimension des Tanzens, die die Compagnie „Käfig“ rund um den Lyoner Choreografen Mourad Merzouki am Sonntagabend mit ihrem aktuellen Programm „Vertikal“ einem atemlosen Publikum in der Dogana des Innsbrucker Congress eröffnete. Indem hier der ganze Bühnenraum zur dreidimensionalen Tanzfläche für die zehn Tänzerinnen und Tänzer wird, die mit ihren scheinbar von allen Gesetzmäßigkeiten der Schwerkraft befreiten Körpern den Boden genauso wie senkrechte Wände betänzeln und bekraxeln, an unsichtbaren Seilen hängend offensichtlich lustvoll in den Raum schaukeln, ihn fliegend durchpflügen, bevor sie wieder am Boden landen. Um sich hier zögernd anzunähern, sich in intimen Pas-de-deux zu finden, zur Gruppe zu werden, bevor sie als choreografisch gliederndes Element von den verschiebbaren Wandelementen immer wieder ausgespuckt oder eingesaugt werden.

Dass Mourad Merzouki seine Truppe „Käfig“ nennt, kommt nicht von ungefähr. Ist Ausdruck seines traumatischen Gefühls des Eingesperrtseins in eine Lyoner Banlieue, in die er 1973 hineingeboren wurde. Um sich von diesem mentalen „Käfig“ mit seinen Choreografien mehr und mehr zu befreien. Insgesamt 30 bisher, in denen Hip-Hop als tänzerisches Ausgangsmaterial zunehmend eine geringere Rolle spielt.

Kommt seine jüngste Arbeit „Vertikal“ doch als atemberaubend souveräner Mix aus diesem, Break- und Modern Dance sowie klassischem Tanz daher, garniert mit spektakulären, fast zirkusartistischen Sequenzen. Vernetzt zu einem wunderbar vielschichtigen Ganzen, in dem die Grenzen der einzelnen Genres sensibel gewahrt werden, ausgereizt in einem höchst konzentrierten Tun auf suggestive, poetisch aufgeladene Art und Weise.

Wobei eine wirkliche Geschichte in „Vertikal“ nicht erzählt wird. Doch unübersehbar geht es um Einsamkeit genauso wie um ein liebevolles Miteinander, um Phänomene wie Anziehung und Abgestoßensein, das Sprengen von Grenzen, die Überwindung von Ängsten und Vorurteilen mit den Mitteln des Tanzes.

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Die von Benjamin Lebreton mit wenigen klaren Versatzstücken gebaute und von Yoann Tivoli stimmungsvoll in wechselndes farbiges Licht getauchte Bühne bietet den idealen Rahmen für dieses ebenso rasante wie differenzierte Tun. Bei dem auch die die Emotionen des Publikums zusätzlich aufheizende Musik von Armand Amar eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Das Publikum bedankte sich für das einstündige Spektakel mit minutenlangem Stampfen.


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