Mit der Impfung zurück zur Normalität: Kurz tauschte sich mit Drosten aus

Sebastian Kurz (ÖVP) holt sich Rat beim Virologen Christian Drosten. Mit der Immunisierung könnten auch Einschränkungen wegfallen.

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Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) holte sich in Berlin Rat vom prominenten deutschen Virologen Christian Drosten.
© APA/dpa/Nietfeld

Von Wolfgang Sablatnig

Berlin – Was Österreich zu tun gedenke, um den Touristinnen und Touristen im Sommer einen guten Urlaub zu garantieren? Und was erwarte Österreich von seinen Gästen? Die Reporterin des deutschen Nachrichtensenders hatte gestern im Garten des Charité-Krankenhauses Berlin ganz praktische Fragen an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). „Von den Urlaubern erwarten wir, dass sie eine schöne Zeit verbringen“, antwortete Kurz. Und der Beitrag der Gastgeber? Kurz warb für die österreichischen Maßnahmen gegen das Virus: viele Tests („mehr als zwei Millionen pro Woche“), gute Impfquote („mehr als 50 Prozent“), als Folge geringe Ansteckungszahlen („weniger als 100 pro Tag“).

Als Mittel gegen eine weitere Welle setzt Kurz vor allem auf die Impfung. An der Charité hatte er sich Rat von den Experten geholt, darunter der Virologe Christian Drosten.

Drosten war maßgeblich an der Entwicklung der PCR-Tests für Coronaviren beteiligt. Das Spital behandelte seit Ausbruch der Pandemie in Summe mehr als 1600 Intensivpatienten. Zu Spitzenzeiten waren bis zu 140 Betten mit schwerst an Covid erkrankten Personen belegt. Aktuell sind es rund 50.

Wenn es wieder zu einem Anstieg kommen sollte, werden die Schulferien Entspannung bringen.
Christian Drosten (Virologe)

Drosten gibt sich zurückhaltend. „Für Deutschland würde ich den Blick nach England richten“, sagte er. Ein neuerlicher Anstieg der Infektionszahlen sei möglich, müsse aber nicht zwangsläufig kommen. Aktuell sei die Lage wegen des Fortschritts bei den Impfungen nur schwer einzuschätzen. Für hilfreich hält Drosten die kommenden Schulferien. England hatte diesen Vorteil nicht, als das Delta-Virus im Frühjahr kam.

Für Kurz bleibt nach dem Austausch mit den Experten der Charité die Kernbotschaft, dass die Impfung wirkt, auch gegen die Delta-Mutation, die sich zunehmend ausbreitet, auch angesichts künftiger Varianten. Kurz: „Natürlich können die Ansteckungszahlen wieder steigen. Aber das Wichtigste ist, dass jeder, der sich impfen lässt, geschützt ist.“

Botschaft Nummer zwei ist der Wunsch nach einem Weg zurück Richtung Normalität: „Es soll nicht sein, dass sich alle Menschen auf Dauer einschränken müssen.“ Unausgesprochen bleibt das Unverständnis für jene, die sich impfen lassen könnten, dies aber nicht tun.

Ein Lockdown ist mit maximalen Einschränkungen verbunden. Wir haben jetzt bessere Methoden.
Sebastian Kurz (Bundeskanzler)

Viel Zeit bleibt nicht an der Charité. Kurz muss weiter zum „Tag der deutschen Industrie“. Man habe in Deutschland den Eindruck gehabt, Österreich sei bei manchen Entscheidungen in der Pandemie besser gewesen, legt ihm die Moderatorin die Schiene. Der Kanzler wirbt für den regional abgestuften Zugang bei der dritten Welle im Frühjahr: Die „mittelalterliche Methode“ des Lockdowns wirke zwar. Es gebe aber inzwischen bessere Wege – etwa Tests.

Applaus holt sich Kurz für die Forderung, auf die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu setzen. Auch der Klimaschutz müsse damit in Einklang gebracht werden. In Fragen der EU anerkennt Kurz die besondere Rolle der großen Staaten Deutschland und Frankreich. „Wir hoffen aber, dass sich nicht der etatistische Ansatz der Franzosen durchsetzt.“


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