Unwetter: Schrattenberg und Allentsteig sind Katastrophengebiete

Beiden Orten machen vom Hagel zerstörte Hausdächer zu schaffen. In Schrattenberg wurd ein Notquartier eingerichtet, in Allentsteig sind Katastrophenhilfsdienst und Bundesheer im Einsatz.

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Die Aufräumarbeiten werden die Helfer wohl zumindest das gesamte Wochenende hinweg beschäftigen.
© HELMUT FOHRINGER

Schrattenberg/Allentsteig – Nach den Unwettern der vergangenen Tage gelten Schrattenberg bei Poysdorf im Bezirk Mistelbach und Allentsteig (Bezirk Zwettl) als Katastrophengebiete. Als solche wurden beide Orte von den jeweils zuständigen Bezirkshauptmannschaften eingestuft. In den Regionen waren am Donnerstagabend zahlreiche Hausdächer von Hagelkörnern durchlöchert worden. In Schrattenberg sorgten am Freitagabend erneute Regenfälle für Probleme.

Viele Hausdächer wurden von Hagelkörnern durchlöchert.
© APA/BFKDO MISTELBACH

Notquartier in Schule eingerichtet

Viele Gebäude ohne intakte Dachkonstruktion wurden in der 834 Einwohner zählenden Gemeinde im Weinviertel überflutet. Für Bewohner wurde ein Notquartier in der örtlichen Volksschule eingerichtet. Fünf Feuerwehren kämpften mit mehreren Fahrzeugen gegen die Wassermengen an, berichtete Claus Neubauer vom Bezirkskommando Mistelbach. Gezählt wurden bis spät in die Nacht hinein etwa 110 Einsatzstellen.

Einige Objekte seien „dermaßen betroffen" gewesen, „dass ein weiteres Wohnen darin nicht mehr möglich war". Deshalb sei das Notquartier mit Feldbetten des Roten Kreuzes Mistelbach eingerichtet worden.

Das Notquartier in der Volksschule Schrattenberg.
© APA/BFKDO MISTELBACH

Die Aufräumarbeiten werden die Helfer wohl zumindest das gesamte Wochenende hinweg beschäftigen. Am Samstagvormittag wurden Spezialgeräte der Feuerwehr – u.a. zwei Teleskopmastbühnen und ein Telelader – nach Schrattenberg verlegt. Angefordert wurde weiters eine Höhenrettungsgruppe.

Arbeiten unter besonderen Sicherungsmaßnahmen

Feuerwehrmitglieder waren außerdem damit beschäftigt, Abdeckmaterialien aus diversen Baumärkten des Weinviertels herbeizuschaffen. Die Arbeiten der Helfer fanden unter besonderen Sicherungsmaßnahmen statt, da die Dachkonstruktionen zum Teil sehr in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Es wurden mehrere Absturzsicherungen des NÖ Landesfeuerwehrkommandos in den Weinviertler Ort gebracht.

Das Ausmaß der Schäden durch das Unwetter vom Donnerstagabend hatte in Schrattenberg für blankes Entsetzen gesorgt. Am Freitag hatte sich auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zu einem Lokalaugenschein in die Gemeinde im Bezirk Mistelbach aufgemacht.

Am Freitag hatte sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ein Bilder der Lage in Schrattenberg gemacht.
© HANS PUNZ

Vom Unwetter am Donnerstagabend schwer getroffen worden war auch Allentsteig im Bezirk Zwettl. Auch hier waren dutzende Dächer vom Hagel beschädigt worden. 250 Helfer waren am Freitag mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt gewesen. Das Bundesheer war seitens der Gemeinde zu einem Assistenzeinsatz angefordert worden und hatte 21 Soldaten und zivile Bedienstete entsandt.

Am Samstag stand auch der Katastrophenhilfsdienst (KHD) der Feuerwehr in dem Waldviertler Ort im Einsatz. Zwei KHD-Züge aus dem angrenzenden Bezirk Waidhofen a. d. Thaya und einer aus dem Bezirk Zwettl waren nach Angaben der Helfer an Ort und Stelle. Zudem wurden Kran-Fahrzeuge aus verschiedenen Bezirken in den Norden des Bundeslandes beordert.

Tanner vor Ort: „Katastrophale Situation"

Zu einem Lokalaugenschein kam am Samstagnachmittag Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) gemeinsam mit Landesrat Ludwig Schleritzko (ebenfalls ÖVP) nach Allentsteig. Sie sprach von einer „katastrophalen Situation", die sich „beim Blick rundherum" offenbare. „Die Feuerwehr hat Großartiges geleistet", lobte sie. Der Assistenzeinsatz des Bundesheeres dürfte laut der Ministerin noch über das Wochenende hinaus andauern.

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner kam am Samstagnachmittag zu einem Lokalaugenschein.
© CHRISTOPHER ECKL

Der Blick in die Zukunft machte Allentsteigs Bürgermeister Jürgen Koppensteiner (ÖVP) nicht nur Mut. Vieles sei aktuell „nur notdürftig" repariert worden. Es gebe eine „große Sorge vor weiteren Schlechtwetterfronten" und davor, „dass wir möglicherweise wieder von vorne beginnen müssen".

Vom für den Katastrophenschutz zuständigen LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP) kam indes ein genereller Dank an die Einsatzkräfte. „Der Zusammenhalt ist stärker als jede Naturkatastrophe, das beweisen unsere Kameradinnen und Kameraden in diesen Tagen einmal mehr!"

Von den Unwetterauswirkungen hatte sich Pernkopf bereits am Freitagnachmittag im Bezirk Hollabrunn ein Bild gemacht. Alleine in der Landwirtschaft würden die Schäden mit 20 Millionen Euro beziffert, 26.000 Hektar seien betroffen, davon alleine 12.000 Hektar im Bezirk Hollabrunn, wurde in einer Aussendung betont. „Ackerbau- und Weinbau sind schwer geschädigt, viele Kulturen standen kurz vor der Ernte und sind nun ein Totalausfall. Der Fleiß der Bäuerinnen und Bauern wurde binnen Minuten vernichtet", betonte der Landesvize.

Für Schäden an u.a. Gebäuden ist die Hilfe aus dem Katastrophenfonds bereits angelaufen. Betroffene können sich an die jeweilige Gemeinde wenden, die dann Schadenskommissionen zusammenstellt und gemeinsam mit Experten eine Bewertung vornimmt. Die Anweisung der Hilfsgelder werde durch das Land NÖ „umgehend und binnen Tagen erfolgen", wurde angekündigt. Am Freitag waren bereits die ersten Kommissionen unterwegs, auch am (heutigen) Samstag werden Schäden bewertet. (APA)


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