Wolfs- und Bärenrisse: Verzweiflung bei den Tiroler Schafbauern

Die Schafbauern in St. Leonhard im Pitztal müssen auf ihren hoch gelegenen Almweidegebieten nun schon seit Jahren immer massivere Verluste verkraften. Bär, Wolf, Fuchs und Goldschakal betrachten die weidenden Schafe als willkommene Beute. Am Freitag entscheidet St. Leonhard über den Abtrieb.

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In der Nacht auf gestern wurden im Pitztal wieder sechs Schafe gerissen – bis zu 30 kamen allein in der letzten Woche um.
© Gemeinde St. Leonhard

St. Leonhard i. P. – Es war am Wochenende wohl ein Schaf zu viel, welches in St. Leonhard im Pitztal das Fass nun zum Überlaufen bringt. So mussten die 50 Schafbauern der Alminteressenschaft St. Leonhard bereits vergangene Woche knapp 30 gerissene Schafe hinnehmen.

Am Sonntag berichtete der Schäfer dann nach dem Aufstieg zur auf 2000 Metern gelegenen Schwarzenbergalm, dass er im Weidegebiet erneut sechs Kadaver gefunden habe, dazu drei verletzte Tiere, welche notgeschlachtet werden müssten. Auch sollen Tiere erneut in Panik abgestürzt sein. Eine schlechte Nachricht für die geprüften Bauern und für die Gemeinde als Grundeigentümer der Almgebiete.

Noch am Vormittag kam es deshalb zu einer spontanen Versammlung im Gemeindeamt. Bürgermeister Elmar Haid im Gespräch mit der TT: „Mit einem Hubschrauberrundflug haben wir uns ein Bild von der Lage gemacht. Wir reden hier schließlich von 1000 Hektar hochalpinen Weidegrunds.“ Um die 1000 Schafe weiden derzeit laut Dorfchef Haid noch im Almgebiet. Niemand weiß, wie lange noch.

Durch Bär und Wolf seien die Tiere nun einfach nicht mehr sicher, eine Überwachung der Tiere auf dem weitverzweigten Gebiet für Gemeinde und Bauern kaum machbar. Was schon in manchen Tiroler Almgebieten diskutiert wurde, könnte somit in St. Leonhard nun erstmals Wirklichkeit werden: der Abtrieb der Tiere ins Tal.

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Am Freitag um 13.00 Uhr wird es hierzu zu einer Lagebesprechung der Alminteressenschaft mit Bürgermeister Haid kommen: „Für uns ist die Situation extrem schwierig. Der Tourismus benötigt auch aufgrund der Landschaftspflege die Landwirtschaft. Unsere kleinstrukturierten Betriebe werden sich eine Fütterung der Tiere im Tal aber nicht leisten können. Viele habe ja nur 20 Schafe. Sie kennen ihre Tiere, es bricht den Familien das Herz!“

Haid appelliert deshalb dringend an die Politik, Tierschutz auch in die andere Richtung zu sehen – und verweist auf die Schafkadaver. (fell)


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