Mutter droht lebenslange Haft: Vier der fünf toten Kinder in Solingen sind erstickt

Anfang September 2020 macht die Polizei im deutschen Solingen eine grauenhafte Entdeckung. In einer Wohnung finden Beamte die Leichen von fünf Kindern. Die Mutter der Opfer steht nun vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, ihre Kinder erstickt, erwürgt oder ertränkt zu haben. Rechtsmediziner klären nun die Todesursachen.

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Ihre Trauer haben die Menschen mit einer Puppe und Kerzen vor dem Haus zum Ausdruck gebracht, wo die Polizei fünf Kindern tot aufgefunden hat.
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Solingen – Vier der fünf in Solingen (Nordrhein-Westfalen) umgebrachten Kinder sind vermutlich erstickt worden. Das hat die Rechtsmedizinerin, die die Kinder obduziert hat, dem Wuppertaler Landgericht berichtet. Lediglich bei der zweijährigen Leonie sprächen die Spuren eher für ein Ertrinken des Kindes, sagte die 42-Jährige.

Auf der Anklagebank des Wuppertaler Landgerichts muss sich die 28-jährige Mutter der Kinder wegen fünffachen heimtückischen Mordes verantworten. Sie soll die Kinder betäubt und dann erstickt, erwürgt oder ertränkt haben.

Alle Kinder hätten feuchte Haare gehabt und seien in feuchte Tücher gewickelt gewesen. Den Todeszeitpunkt habe sie nicht mehr genau feststellen können, so die Rechtsmedizinerin, weil die Raumtemperatur zur Tatzeit unklar sei: Die Fenster seien von der Polizei nach dem Eintreffen am Tatort sofort geöffnet worden, weil diese Gas als Todesursache zunächst nicht ausschließen konnte.

Mutter verletzte sich bei Suizidversuch

Die Angeklagte selbst habe nach ihrem Suizidversuch im Düsseldorfer Hauptbahnhof ein Schädel/Hirn-Trauma, Rippenverletzungen, einen Leberriss und eine Lungenverletzung aufgewiesen, führte die Rechtsmedizinerin weiter aus. Eine akute Lebensgefahr habe aber nicht bestanden.

Ob die Kinder erstickt oder ertränkt wurden, darauf komme es letztlich nicht an, sagte Nebenklagevertreter Jochen Ohliger nach der Aussage der Sachverständigen: "Man muss die Brutalität dahinter sehen: Ein Kind so umzubringen und das dann noch viermal zu wiederholen."

Aussage wird als Schutzbehauptung interpretiert

Die Angeklagte hat die Tat bestritten. Ein Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen, habe sie gefesselt, geknebelt und dann ihre Kinder getötet. Die Ermittler hatten diese Version als Schutzbehauptung zurückgewiesen.

Der Deutschen droht lebenslange Haft. Die Leichen der Kinder waren am 3. September vergangenen Jahres entdeckt worden: Melina (1), Leonie (2), Sophie (3), Timo (6) und Luca (8). Ihre Mutter hatte sich nach der Tat im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber überlebt. Ihr ältester Sohn blieb unverletzt. Seine Mutter hatte ihn zur Großmutter an den Niederrhein geschickt. (dpa)


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