Fischerei und WWF pochen auf Schonzeit für Jungfische

Schwall und Sunk im Kraftwerksbetrieb kosten laut Kritikern jährlich in Österreich rund 200 Millionen Jungfischen und Fischlarven das Leben.

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Eine Koppe verendet im seichten Flussbereich. Grund ist der von einem Kraftwerk ausgehende Wechsel von Schwall und Sunk.
© WWF/Walder, Grafik: WWF

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Es ist ein plötzlicher starker Anstieg des Wasserspiegels, der Fische dorthin schwimmen lässt, wo gerade noch ein seichter oder sogar trockener Flussuferbereich war. Irgendwo im Oberlauf haben sich die Schleusen eines Kraftwerkes geöffnet und binnen kürzester Zeit den Pegel um bis zu eineinhalb Meter ansteigen lassen. Ebenso schnell, wie sich das Gewässer gehoben hat, sinkt es anschließend wieder ab – mit verheerenden Folgen für die Tiere. Vor allem Jungfischen und Fischlarven fehlt die Kraft, rechtzeitig zurück in sichere und tiefere Gewässer zu gelangen. Mit dem Ergebnis, dass diese auf Schotterbänken und im Uferbereich zu Grunde gehen.

„Wir gehen davon aus, dass in Österreich jedes Jahr bis zu 200 Millionen Jungfische und Fischlarven der Schwall-Sunk-Belastung zum Opfer fallen“, erklärt WWF-Expertin Bettina Urbanek mit Verweis auf wissenschaftliche Untersuchungen an der Drau. Die dort gewonnenen Erkenntnisse wurden auf die insgesamt 875 Kilometer Flussstrecken hochgerechnet, die in Österreich besonders stark durch Schwall und Sunk belastet sein sollen. In Tirol sind das laut WWF Inn und Ziller, im übrigen Österreich die Ill, Bregenzer Ache, Salzach, Drau, Enns und die obere Mur.

Auf die Problematik der oft mehrmals täglich stattfindenden Schwallbelastung durch den Kraftwerksbetrieb hat auch der Tiroler Fischereiverband in der Vergangenheit immer wieder hingewiesen und vor einem Artensterben gewarnt. „Der Bestand der Inn-Äsche zum Beispiel ist in einem sehr kritischen Zustand“, betont Zacharias Schähle, Geschäftsführer des Tiroler Fischereiverbandes. Aber auch die Koppe oder der Huchen würden einer ungewissen Zukunft in Tirol entgegenblicken. Er pocht deshalb wie auch der WWF auf eine Schonzeit für Jungfische in Form eines „Jungfischfensters“. In einem neunwöchigen Zeitraum von Mai bis Juni müsse die Schwallbelastung so gering wie möglich gehalten werden. „Es geht uns nicht darum, die Kraftwerke alle abzustellen. Aber ihr Betrieb muss verträglicher gestaltet werden“, sagt Schähle. Nur so könne das Massensterben gestoppt und das Ökosystem Fluss saniert werden. Österreich müsse sich ein Vorbild an anderen Staaten nehmen, wo dieser kraftwerksbedingte Schwall-Sunk bereits verboten ist, fordert der Geschäftsführer des Tiroler Fischereiverbandes.

Bettina Urbanek erinnert in diesem Zusammenhang an die europarechtlichen Verpflichtungen zum Schutz der Fließgewässer, denen Österreich nachkommen müsse. „Das zuständige Landwirtschaftsministerium muss die notwendigen Schutz- und Sanierungsmaßnahmen verbindlich vorschreiben“, fordert WWF-Expertin Bettina Urbanek mit Blick auf den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan, der gerade überarbeitet wird.

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