Platter übernahm Vorsitz: Staffelübergabe, Mahnungen und auch neue Hoffnung

Bis Ende des Jahres steht LH Platter jetzt der LH-Konferenz vor. Er appelliert an die Impfmoral, Vorgänger Schützenhöfer will eine bessere Streitkultur.

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LH Hermann Schützenhöfer (Steiermark, l.) und LH Günther Platter schritten zusammen die Ehrenformationen ab.
© Thomas Böhm

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Ein landesüblicher Empfang, wie ihn Tirol auch gestern auf Schloss Ambras oberhalb Innsbrucks anlässlich der Übergabe des Vorsitzes der Landeshauptleute-Konferenz von LH Hermann Schützenhöfer (VP) an Partei- und Amtskollegen Günther Platter zelebrierte, ist nicht zwingend jedermanns Sache. Schon gar nicht des schlosseigenen Pfaus, der sich ob des ebenso farbenprächtigen wie lauten Auflaufs selbst mehrmals bemerkbar machte und hörbar Räder schlug. Da wird viel musiziert und befehligt, einmal geschossen, Ehrenformationen der Traditionsverbände werden abgeschritten und zum Abschluss wird auch geschnapselt. In Maßen wohlgemerkt.

Der Steirer Schützenhöfer gab zu, „lange nicht gewusst zu haben, was das alles ist“. Letztlich sei es aber „berührend“, auch, weil es dem Festhalten an Traditionen Ausdruck verleihe.

Dem Hors d’oeuvre auf Tiroler Art folgte wenig später im Spanischen Saal der eigentliche Festakt – die Staffelübergabe. Nicht nur symbolisch, sondern ganz handfest und in Rot gefärbt. Was bei zwei „Schwarzen“ dann doch hervorstach. Zumindest Platter wollte das nicht als Signal verstanden wissen und scherzte – einen roten Landeshauptmann für Tirol strebe er sicherlich nicht an.

Im Spanischen Saal übergab Schützenhöfer (links) den Vorsitz an Platter.
© Thomas Böhm

Schützenhöfer, dessen Vorsitz – genau so, wie es jener von Platter sein wird – von der Bekämpfung der Corona-Pandemie geprägt war, stellte den Zusammenhalt der Länder in dieser Krise, aber auch jene neu gewonnene Kooperationsbereitschaft mit dem Bund hervor: „Wir wissen, was der Föderalismus wert ist. Wir wissen aber auch, was wir dem Bund schuldig sind, wenn es anzupacken gilt.“ Und er mahnte auf Bundesebene zur Rückbesinnung auf eine sachliche Streitkultur ohne Anzeigen, dafür mit Achtung vor der Justiz und den Menschenrechten: „Wir sind an Grenzen angekommen, die wir schließen müssen, damit die Gesellschaft nicht gespalten wird.“ Platter als seinem Nachfolger streute Schützenhöfer Rosen: „Der Günther packt an – das brauchen wir jetzt.“

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Platter selbst hegt die große Hoffnung, dass die ohnedies gute Impfmoral in den kommenden Monaten weiter zulegen werde. 70 Prozent sollten es werden. Die Debatte Einzelner über die Infragestellung des zweiten Stichs hält er deshalb „für einen großen Fehler“. Wie berichtet, erneuerte Platter seine Forderung an den Bund, nicht nur die von den Ländern vorgestreckten Pandemiekosten im Gesundheitsbereich zu begleichen („Wir wollen nur das, was uns zusteht“), sondern auch ein Investitionspaket von mindestens 500 Mio. Euro für die Länder zu schnüren.

Doch auch abseits der Krise will Platter an der Sicherheitsschraube drehen. Gerade im Energiebereich sei die Frage der Versorgungssicherheit eine große, betonte er. Und zuweilen eine sehr verletzliche – spielte Platter auf mögliche Hackerangriffe an. Deshalb bereite er für November eine „Blackout-Übung“ mit Bund, Ländern und Südtirol vor.


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