Südtiroler Sanitätsbetrieb suspendiert 123 Mitarbeiter ohne Impfung

Weil sie sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, wurden in Südtirol 123 Mitarbeiter im Südtiroler Sanitätsbetrieb und in Heimen suspendiert – ohne Lohn. Sanitätsbetriebe in anderen Regionen könnten bald dem Beispiel folgen.

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Symbolbild.
© MARTIN BUREAU

Bozen – Im Einklang mit dem von der italienischen Regierung eingeführten Impfzwang für das Gesundheitspersonal sind 123 ungeimpfte Mitarbeiter im Südtiroler Sanitätsbetrieb und in Heimen vom Dienst suspendiert worden - und zwar ohne Lohn. Das nicht geimpfte Personal darf künftig seine Abteilungen nicht betreten. Weitere 38 Suspendierungen stehen an, berichtete die Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“.

Ein internes Verfahren läuft, um zu prüfen, ob den nicht geimpften Mitarbeitern ein anderer Job ohne Kontakt zu Patienten und Kollegen zugewiesen werden kann. In wenigen Fällen kann Verwaltungsarbeit im Homeoffice möglich sein. Gibt es keinen anderen Job, so wird die Suspendierung definitiv - ohne Lohn. „Jeder kann sich aber jederzeit impfen lassen, womit auch Suspendierungen unwirksam werden“, erklärte der zuständige Landesrat Thomas Widmann (SVP) und fügte hinzu: „Das Gesetz ist anzuwenden, da gibt es keinen Spielraum. Wir tun unser Bestes, nur ist es schwer zu händeln und schwer in den Abteilungen zu planen, weil wir aufgrund der Privacy im Voraus nicht wissen, wer betroffen ist“.

Rund 1500 Mitarbeiter haben gesundheitliche Gründe angegeben, aus denen sie sich nicht impfen lassen können. Diese werden derzeit geprüft. Die Suspendierung der Mitarbeiter könnte dem regionalen Sanitätsbetrieb erhebliche Personalprobleme verursachen.

Weitere Regionen könnten folgen

Sanitätsbetriebe in anderen italienischen Regionen könnten bald dem Südtiroler Beispiel folgen. Regionen und autonome Provinzen müssen laut dem vom italienischen Parlament Ende Mai verabschiedetes Gesetz den lokalen Gesundheitsbehörden nicht geimpftes Personal melden. Innerhalb von fünf Tagen muss dann genau dargelegt werden, warum eine Ausnahme von der Impfpflicht beantragt wird. Die gibt es nur unter ganz speziellen Bedingungen, etwa wenn die Impfung nachweislich eine gesundheitliche Gefahr für die betreffende Person darstellen könnte.

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Personal, dass sich nicht impfen lassen will, muss Aufgaben ohne direkten Kontakt mit Patienten oder Kunden übernehmen. Gibt es diese Ausweichmöglichkeit nicht, können die Verweigerer solange vom Dienst suspendiert werden, bis die nationale Impfkampagne abgeschlossen ist. Das bedeutet Zwangsurlaub ohne Gehalt bis Jahresende.

In Südtirol kommt in den letzten Tagen die Impfkampagne nur schleppend voran, wie Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) beklagt hatte. „Wir wussten, dass wir ein Gebiet sind, in dem die Ansichten von Impfgegnern verwurzelter sind. Man spürt den Einfluss des deutschsprachigen Raumes“, sagte Kompatscher der Zeitung „Corriere della Sera“. Nun müsse man einen „kulturellen Kampf“ gewinnen. Der Zeitung zufolge hat mehr als die Hälfte der Bevölkerung noch nicht die erste Impfung gegen die Viruskrankheit erhalten.

Trentino startet Kampagne für Impfmuffel

Auch im Trentino kommt die Impfkampagne nicht so zügig voran, wie es sich Landeshauptmann Maurizio Fugatti wünscht. Dieser kündigte am Donnerstag eine Kommunikationskampagne an, um Menschen im Alter von über 50 Jahren zur Impfung zu bewegen. Die Provinz Trient besetzt die letzten Plätze im Ranking der italienischen Regionen, was geimpfte Bevölkerung betrifft. Italien hat sich zum Ziel gesetzt, bis September die Herdenimmunität mit 70 Prozent der geimpften Bevölkerung zu erreichen. (APA)


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