Lawinenbrecher in Prägraten wird zur Info- und Aussichtsplattform

In Prägraten führt ein Wanderweg auf die Timmelbach-Verbauung.Gemeinde und WLV wollen die Bedeutung von Schutzbauten betonen.

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Die Plattform auf dem Lawinenbrecher des Prägratner Timmeltals bietet einen wunderbaren Dorfblick für Gäste und Einheimische.
© Julia Egger

Von Catharina Oblasser

Prägraten a. Gr., St. Jakob i. D. – Gute 15 Minuten dauert der Spaziergang vom Prägratner Dorfzentrum hinauf Richtung Timmeltal. Auch eine Mountainbike-Route führt dorthin. Dann bietet sich von einer Plattform aus ein schöner Blick auf die Gemeinde am Fuß des Großvenedigers.

Doch die Aussichtsplattform, die auf etwa 1400 Metern Seehöhe und 15 Meter über dem Timmelbach liegt, ist mehr als nur eine der üblichen touristischen Einrichtungen. Sie befindet sich nämlich direkt auf einem großen Schutzbau, dem Lawinenbrecher, der das Dorf vor Wildwasser und Schnee bewahrt.

„Sicherheit muss sichtbar sein“, sagt der Prägratner Bürgermeister Anton Steiner. Gemeinsam mit der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) hat die Gemeinde die Idee zur Aussichtsplattform und zum oben genannten Motto entwickelt. Bald soll eine große Infotafel alle Besucher über Erbauung, Zweck und Notwendigkeit des Timmeltal-Lawinenbrechers informieren. Drei Millionen Euro hat allein der Brecher gekostet. Das gesamte Sicherheitskonzept mit Stahlschneebrücken und anderen Vorrichtungen schlug mit sieben Millionen Euro zu Buche.

Solche Informationen sind wichtig, findet nicht nur Bürgermeister Steiner, sondern auch Hans-Peter Pussnig von der WLV in Osttirol. So schön die unberührte Natur auch ist: Ohne Schutzbauten wäre diese Schönheit ständig in Gefahr. „Einerseits ist es für die Einheimischen wichtig, vor Augen zu haben, dass sie in Sicherheit leben“, sagt Pussnig. „Dieser Schutz soll wahrgenommen werden.“ Auf der anderen Seite gibt es bei vielen Gästen ein großes Informationsdefizit, was die Notwendigkeit der massiven Bauwerke aus Tonnen von Beton und Stahl betrifft.

Welche Missverständnisse entstehen können, zeigte sich einmal, als Mitarbeiter der Wildbach- und Lawinenverbauung von Gästen während der Arbeit an einer Verbauung unfreundlich angesprochen wurden. „Die Touristen waren der Meinung, dass unsere Mitarbeiter dort an einem Kraftwerk bauen, und haben richtig geschimpft, dass die Natur zerstört wird“, erzählt Pussnig. Information ist also wichtiger denn je, um Unwissen durch Verständnis zu ersetzen.

Ein ähnliches Projekt wie in Prägraten ist in St. Jakob in Defereggen geplant. Im Trojeralmtal gibt es bei einem Geschieberückhaltebecken einen Zustieg, der zu einem Aussichtsplatz mit Bank führt. Auch dort soll eine Informationstafel Erklärungen liefern. „Es ist auch geplant, eine Büste des heiligen Nepomuk aufzustellen“, schildert Hans-Peter Pussnig. „Nepomuk gilt als Patron der Brücken und Gewässer und als Heiliger, der vor Überschwemmungen schützt.“


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