Imst hadert mit Gedenkkultur

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Die Gedenkstätte im Putzenwald gibt Anlass zur Diskussion.
© Wohlfarter

Von Thomas Parth

Imst, Berlin – Eine durchaus stattliche Gedenkstätte im Imster Putzenwald erinnert an drei Soldaten. Diese wurden kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges von amerikanischen Soldaten ebendort erschossen. Zwei Bronzeschilder und eine weitere „Gedenktafel“ setzen Passanten auch über die Todesumstände in Kenntnis. Es habe sich um „drei wehrlose Soldaten“ gehandelt, die elf Tage nach Kriegsende von US-Soldaten „nach einem Verrat“ erschossen worden seien.

Nun schraubten Barbara Stillebacher-Heltschl und Andreas Wohlfarter an das Denkmal ein viertes Schild. Hierauf sind die Namen der Getöteten durch ihre Dienstgrade in der Waffen-SS bzw. in der jeweiligen Totenkopf-Infanterie-Einheit ergänzt. Dass die drei Männer Teil des NS-Regimes waren, rechtfertige nicht ihre Tötung ohne Prozess. „Wir sprechen uns deutlich gegen jegliche Hinrichtung aus. Aber uns war diese Ergänzung wichtig“, wollen Stillebacher-Heltschl und Wohlfarter die gängige Meinung zurechtrücken. Ihre Anfrage im Bundesarchiv Berlin förderte Dokumente zutage, welche die Dienstgrade der drei getöteten Nazis belegen.

Dass diese „Ergänzung“ aus ihrer Sicht überhaupt nötig wurde, sei dem jüngsten Umgang der Politik mit diesem Teil der Imster Geschichte geschuldet. Auf die Aktion angesprochen reagiert BM Stefan Weirather gewohnt zurückhaltend: „Ich werde die Sache an den zuständigen Ausschuss weiterleiten.“ Gemeint ist der Kulturausschuss, dem Weirather als Obmann vorsteht und der die Causa „Jakob-Kopp-Straße“ behandelte.

„Unser Anliegen ist es, in Imst nicht den Tätern, sondern den Opfern des NS-Regimes zu gedenken“, fordert Stillebacher-Heltschl eine aktive Gedenkkultur sowie zumindest ein Erinnerungszeichen ein.

Sabine Schuchter vom Museum im Ballhaus in Imst bedauert, dass eine Aufarbeitung des Themas erst jetzt, nach neuer Faktenlage, möglich wird: „Die Zeitzeugen sind entweder verstorben oder sie waren damals noch Kinder.“


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