Mit Smartphone im „Blindflug“: Kampagne warnt vor enormer Gefahr

Eine neue Kampagne, die quer durch Tirol führt, soll bewusst machen, wie gefährlich Ablenkung im Straßenverkehr ist – vor allem jene durch Handys.

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Warnen vor Unaufmerksamkeit im Straßenverkehr (v. l.): Martin Pfanner, LHStv. Ingrid Felipe, Bernhard Knapp und Günther Salzmann.
© Domanig

Innsbruck – Unaufmerksamkeit und Ablenkung sind im Straßenverkehr Unfallursache Nummer eins: Rund 45 % aller Unfälle mit Personenschaden gehen in Tirol darauf zurück. Um das Bewusstsein für diese Tatsache zu schärfen, startet das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) gemeinsam mit Land Tirol und Landespolizeidirektion eine Infotour durch sieben Bezirke.

Immer mit dabei: ein knapp 14 Meter langer „Ablenkungsteppich“, der eindrucksvoll jene Distanz aufzeigt, die man bei Tempo 50 in nur einer einzigen unaufmerksamen Sekunde quasi im Blindflug zurücklegt. Durch Reaktionszeit und Bremsweg steige diese Strecke in der Realität auf ein Vielfaches, erklärte Martin Pfanner vom KFV beim gestrigen Tourauftakt am Innsbrucker Landhausplatz. Bei den Aktionen werden daher auch „Blindflugrechner“ zum Selbst-Check ausgeteilt.

„Laternenairbags“ mit der Aufschrift „Ob das nächste Auto auch so gut gepolstert ist?“ sollen wiederum gezielt Radfahrer und Fußgänger ansprechen, die durch Handykonsum vom Verkehrsgeschehen abgelenkt sind. Apropos: Smartphones seien generell ein zentraler Faktor für Unfälle durch Ablenkung, meint Verkehrsreferentin LHStv. Ingrid Felipe, dies gelte für alle Verkehrsteilnehmer. Das Land hat daher schon 2020 zusammen mit KFV und Polizei die Kampagne „Sei smart – kein Phoner“ lanciert. Man setze auf Sensibilisierung, so Felipe, aber in Zusammenarbeit mit den Gemeinden auch auf Temporeduktion, etwa durch Begegnungszonen.

Ob die Kampagne fruchtet, müsse sich erst zeigen, sagt Bernhard Knapp, Leiter der Abteilung Verkehrsrecht beim Land Tirol. Womöglich seien die Sanktionen – ein Organmandat von 50 Euro für unzulässige Handynutzung am Steuer – zu niedrig. Tatsächlich stiegen die Zahlen zuletzt deutlich an, wie Oberstleutnant Günther Salzmann von der Landespolizeidirektion bestätigt: Stellte die Exekutive 2019 bei Schwerpunktaktionen 12.000 Übertretungen wegen Telefonierens ohne Freisprechanlage oder anderer verbotener Handynutzung während der Fahrt fest, waren es 2020 bereits 14.000 – obwohl der Verkehr Corona-bedingt deutlich zurückging. Salzmanns Appell: „Man sollte sich Zeit nehmen und Telefonate am Parkplatz führen.“ Denn auch mit Freisprecheinrichtung sei die kognitive Ablenkung sehr hoch. Und: Telefonieren am Steuer ist für Probeführerschein-Inhaber ein Vormerkdelikt.

Die Zahl der Verkehrstoten in Tirol ist im ersten Halbjahr übrigens leicht gesunken – dennoch waren bereits zehn Todesopfer zu beklagen. (md)


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