Projekt Weltherrschaft: Das Wirken von Donald Rumsfeld

Donald Rumsfeld wollte die Welt mithilfe des amerikanischen Militärs neu ordnen. Er starb am 29. Juni im Alter von 88 Jahren.

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Rumsfeld im September 2003 in Bagdad, als der Krieg bereits gewonnen schien.
© AP/Sezer

Von Floo Weißmann

Washington – Donald Rumsfeld trug nie die Letztverantwortung für Amerikas Kriege. Trotzdem steht sein Name wie kaum ein anderer für das Scheitern im Irak und in Afghanistan und für die Folter in den US-Gefängnissen in Guantánamo und Abu Ghraib. Sein Tod – Rumsfeld starb 88-jährig auf seiner Ranch in New Mexiko – erinnert deshalb zugleich an die frühen 2000er-Jahre, als die amerikanische Selbstüberschätzung einen Höhepunkt erlebte.

Der damalige US-Präsident George W. Bush galt besonders in der Außen- und Verteidigungspolitik als vergleichsweise unbedarft. Das verschaffte einer Clique aus Haudegen früherer Administrationen viel Einfluss. Unter ihnen war auch Rumsfeld, der schon den Präsidenten Nixon, Ford und Reagan in verschiedenen Rollen gedient hatte.

Unter Bush wurde der frühere Kampfpilot im Alter von 69 Jahren zum zweiten Mal Verteidigungsminister. Er gehörte zu einem Washingtoner Zirkel, der von einer Art Weltherrschaft träumte und schon in den neunziger Jahren gefordert hatte, den irakischen Diktator Saddam Hussein zu stürzen. Die Phase nach 9/11 bot die Gelegenheit, der amerikanischen Öffentlichkeit den Krieg zu verkaufen, indem man Saddam – fälschlicherweise – mit Al-Kaida und mit Massenvernichtungswaffen in Verbindung brachte.

Der Krieg im Irak zog Aufmerksamkeit und Ressourcen aus Afghanistan ab, wo die USA bereits zuvor einmarschiert waren. Kritiker sehen darin einen Hauptgrund für die Rückkehr der Taliban. Sie werfen Rumsfeld aber auch folgenschwere Mängel bei der Planung beider Kriege vor.

Der Minister galt als ebenso energischer wie selbstherrlicher Reformer. Er baute die US-Streitkräfte um – weg von den schwer gepanzerten Einheiten des Kalten Kriegs und hin zu kleinen, mobilen Spezialkräften für Interventionen. Gemäß der „Rumsfeld-Doktrin“ sollten die USA so wenige Soldaten wie nötig in einen Einsatz schicken und stattdessen auf ihre technologische Überlegenheit setzen.

In Afghanistan und im Irak hatte dies zur Folge, dass die USA zwar rasch die dortigen Machthaber stürzen konnten. Aber danach mangelte es an Konzepten und Kapazitäten, um die Länder nachhaltig zu befrieden. Aus schnellen Siegen wurden jahrelange, höchst verlustreiche und militärisch nicht mehr zu gewinnende Kleinkriege gegen Terroristen und Guerillas – samt regionalen Kollateralschäden.

Als Rumsfeld für Bush zur politischen Belastung wurde, musste er Ende 2006 gehen. Er selbst hielt unbeirrt an der Richtigkeit des Irak-Kriegs fest. Die Region von Saddams Regime zu befreien, habe die Welt stabiler und sicherer gemacht, schrieb er in seinen Memoiren. Inzwischen würden ihm auch die meisten Amerikaner widersprechen.


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