Das bringt der Freitag bei der EURO: Italien verspricht Belgien eine „Schlacht“

Sieben Spiele noch, dann steht der neue Europameister fest. Mit den ersten beiden Partien beginnen am Freitag die Viertelfinals bei der Fußball-EM. In München begegnen sich die Schwergewichte Belgien und Italien. In St. Petersburg will sich Spanien nicht wie zuvor Frankreich von den Schweizern überrumpeln lassen.

  • Artikel
  • Diskussion
Duell der Top-Stürmer: Belgiens Romelu Lukaku trifft auf Italien mit Ciro Immobile (r.).
© GEPA pictures

⚽ EM-Viertelfinale Schweiz - Spanien 18.00 Uhr

Sind die Spanier anfangs noch wegen ihrer glücklosen Stürmer gescholten worden, ist die "Furia Roja" mittlerweile zur produktivsten Offensive der Fußball-EM avanciert. Elf Tore hat Spanien bisher erzielt, zehn allein in den vergangenen beiden Spielen. Am Freitag (18.00 Uhr/TT.com-Live-Ticker) trifft die Auswahl von Trainer Luis Enrique im ersten Viertelfinale in St. Petersburg auf die Schweiz. Mit der bisher defensiv anfälligen "Nati" haben sich die Iberer zuletzt sehr schwer getan.

5:0 gegen die Slowakei und 5:3 n.V. gegen Kroatien lauteten die spanischen EM-Ergebnisse zuletzt. Der von seinen Landsleuten heftig gescholtene Mittelstürmer Alvaro Morata hat mittlerweile wie auch Ferran Torres und Pablo Sarabia zweimal getroffen. Aus dem lauen Lüftchen ist tatsächlich ein richtiger Wirbelsturm geworden, wenngleich die beiden Kontrahenten aus Osteuropa zu manchen Toren regelrecht eingeladen haben. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch, dass beim 5:0 zwei Slowaken ins eigene Tor trafen.

Dennoch haben die Spanier den Weg zu Lösungen in der Offensive gefunden. Ihre Fähigkeit, den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen, hatte schon davor kaum Anlass zu Kritik geboten, sofern man nicht prinzipiell ein Gegner dieser Spielweise ist. Der hohe Ballbesitz-Anteil bedeutet im Fall der Spanier aber auch, dass die Gegner zu wenigen Chancen kommen. Das Kroatien-Resultat mag auf den ersten Blick täuschen, zumal ein Treffer auf die Kappe von Tormann Unai Simon ging. In der Gruppenphase hatte Spanien nur ein Tor kassiert.

Schweiz-Torhüter Yann Sommer musste - Elfmeterschießen nicht mitgezählt - hingegen schon achtmal hinter sich greifen. Kein anderer Viertelfinalist hat mehr Tore kassiert. Dennoch sind die Spanier gewarnt, Verteidiger Cesar Azpilicueta prophezeite ein "kompliziertes Spiel". Zuletzt gab es in der Nations League zwei Duelle mit den Eidgenossen. "Das waren wirklich sehr schwere Spiele", sagte Ferran Torres. "Sie pressen, sie machen es einem schwer." Im Oktober 2020 hatten die Spanier das Heimspiel in Madrid mit 1:0 gewonnen. Einen Monat später rettete ein Tor in der 89. Minute durch Gerard Moreno die Spanier beim 1:1 in Basel vor einer Niederlage.

"Kaiserschmarrndrama": 50x2 Karten für den Premieretag gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

📊 Mögliche Aufstellungen bei Schweiz - Spanien

  • St. Petersburg, St. Petersburg Stadion, SR Oliver/ENG
  • Schweiz: 1 Sommer - 4 Elvedi, 5 Akanji, 13 Rodriguez - 3 Widmer, 6 Zakaria, 8 Freuler, 14 Zuber - 23 Shaqiri - 9 Seferovic, 7 Embolo
  • Spanien: 23 Simon - 2 Azpilicueta, 12 E. Garcia, 24 Laporte, 18 Alba - 8 Koke, 5 Busquets, 26 Pedri - 11 F. Torres, 7 Morata, 22 Sarabia

Insgesamt gelang den Schweizern allerdings erst ein Sieg in 22 Partien gegen Spanien - bei der WM 2010 in Südafrika in der Gruppenphase. Gegen den amtierenden Europameister und die Nummer zwei der FIFA-Weltrangliste, der in zuvor 48 Spielen nur eine Niederlage kassiert hatte, schaffte man mit einem 1:0 die Sensation. Dank eines starken Abwehrleistung und Glück rettete die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld den Vorsprung über die Zeit. Trotz des Sieges verpassten die Schweizer den Einzug in die K.o.-Phase, Spanien hingegen wurde erstmals Weltmeister.

Die Schweiz habe auch diesmal keine Mannschaft mit großen Namen, meinte Ferran Torres, sie hätten aber gezeigt, dass sie als Kollektiv jede Mannschaft schlagen können. Im Achtelfinale setzte sich die Schweiz gegen Weltmeister Frankreich in einem mitreißenden Spiel nach einem 3:3 nach 120 Minuten im Elfmeterschießen durch. Gladbach-Torhüter Sommer wehrte den entscheidenden Versuch von Superstar Kylian Mbappe ab. Dieser Sieg "zeigte uns allen auf, zu was wir fähig sind, wenn wir zusammenhalten", meinte Mittelfeldmann Remo Freuler.

Neben ekstatischem Jubel im ganzen Land verursachte der Aufstieg bei Trainer Vladimir Petkovic aber auch Kopfzerbrechen. Der 57-Jährige ist in einer Ausnahmesituation, muss er doch im Viertelfinale seinen Kapitän Granit Xhaka wegen einer Gelb-Sperre ersetzen. Der Arsenal-Profi ist die Zentralfigur im Spiel der Schweizer und war in einem Pflichtspiel zuletzt vor rund fünf Jahren gegen Ungarn in der WM-Qualifikation für 2018 abwesend. Bei Endrunden hat Xhaka in der Ära Petkovic keine Minute verpasst. "Granit ist unser Herz auf dem Platz", sagte Sommer.

Petkovic hat eigentlich mehrere Alternativen zur Hand. Denis Zakaria (Borussia Mönchengladbach) und Djibril Sow (Eintracht Frankfurt) sind die ersten Anwärter. Von der Position her wäre auch Edimilson Fernandes (Mainz 05) denkbar, auf den Petkovic allerdings noch nie gesetzt hat, schon gar nicht im Mittelfeldzentrum.

⚽ EM-Viertelfinale Belgien - Italien 21.00 Uhr

Belgiens Goldene Generation gegen die neue Squadra Azzurra, die Super-Offensive um Romelu Lukaku gegen Italiens Rekordabwehr - das Münchner Fünf-Sterne-Viertelfinale verspricht ein großes Fußball-Spektakel zweier Turnier-Favoriten. „Ich erwarte den Sieg und nichts anderes. Wir sind Wettbewerbstiere“, tönte der belgische BVB-Star Thomas Meunier.

Der Weltranglistenerste um den angeschlagenen Kevin De Bruyne will nicht wie schon bei der WM 2018 wieder kurz vor dem Endspiel scheitern. Die von Trainer-Beau Roberto Mancini zurück in die Weltspitze geführten Italiener freuen sich am Freitag (21.00 Uhr/TT.com-Live-Ticker) auf ihre große EM-Reifeprüfung - und das in dem Land ihres letzten großes Triumphes.

15 Jahre nach dem WM-Titel in Deutschland und drei Jahre nach der verpassten Weltmeisterschaft in Russland zählt die Squadra Azzurra wieder zu den Topkandidaten auf den Titel. Und wer, wenn nicht die schier unbezwingbare Methusalem-Abwehr um Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci, soll die exquisite Tormaschinerie um Lukaku, De Bruyne und die Hazard-Brüder stoppen?

Die Rekord-Zeit von 1169 Minuten ist das Team zuletzt ohne Gegentor geblieben, Chiellini ist nach seiner Muskelverletzung rechtzeitig wieder fit. „Das wird eine schöne Herausforderung“, sagte Italiens Matteo Pessina. „Aber wenn du weit kommen willst, musst du gegen die stärksten Teams gewinnen.“

📊 Mögliche Aufstellungen bei Belgien - Italien

  • München, Fußball-Arena, SR Vincic/SLO
  • Belgien: 1 Courtois - 2 Alderweireld, 3 Vermaelen, 5 Vertonghen - 15 Meunier, 8 Tielemans, 6 Witsel, 16 Thorgan Hazard - 7 De Bruyne, 10 Eden Hazard - 9 Lukaku
  • Italien: 21 Donnarumma - 2 Di Lorenzo, 19 Bonucci, 3 Chiellini, 4 Spinazzola - 18 Barella, 8 Jorginho, 6 Verratti - 14 Chiesa, 17 Immobile, 10 Insigne

Dafür vertraut Italien besonders auf die Taktik von Mancini, der die Azzurri nach tristen Jahren wieder zu einem Titelkandidaten formte. Als einstiger Weltklasse-Angreifer weiß der 56-Jährige wie sein Teammanager und einstiger Sturmpartner Gianluca Vialli nur zu gut, wie man Angriffe stoppt. Zuletzt feierte seine Mannschaft zwölf Siege in Serie und stellte mit 31 Spielen ohne Niederlage nacheinander einen italienischen Rekord auf. „Das ist eine Herausforderung, auf die wir uns freuen“, sagte Belgiens spanischer Nationalcoach Roberto Martinez, für den auch das Duell mit Mancini, den er aus gemeinsamen Zeiten in der Premier League kennt, ein besonderes ist.

Mit je vier Siegen aus vier Partien sind die beiden Teams bislang durch das Turnier marschiert, haben offensiv wie defensiv überzeugt. Belgien vertraut auch gegen Italien voll auf seinen Torgaranten Lukaku. „Wir haben den Vorteil, dass wir ihn aus der Meisterschaft kennen“, sagte Ciro Immobile über den Profi von Inter Mailand, der bislang aber vor allem in den Vorrunden großer Turniere seine Treffsicherheit unter Beweis gestellt hat. Ein Treffer in einem K.o.-Spiel gelang ihm nur bei der WM 2014 beim 2:1 gegen die USA im Achtelfinale. „Das wird eine schöne Schlacht“, versprach Immobile.

Für die wohl talentierteste Generation belgischer Fußballer ist diese EM die möglicherweise letzte Chance auf den großen Titel-Coup. 2018 war sie als WM-Dritter bereits nah dran, 2016 folgte auf ein 0:2 gegen Italien zum Auftakt das Aus im EM-Viertelfinale. „Mit unserem Kader können wir mit jedem Land mithalten“, sagte Meunier. Auch Dries Mertens kündigte selbstbewusst an: „Ich will das Turnier gewinnen.“

Weiter offen war vor dem Spiel, ob die beim 1:0 im Achtelfinale gegen Europameister Portugal angeschlagen ausgewechselten De Bruyne und Eden Hazard rechtzeitig fit werden. Am Donnerstag trainierten beide nicht mit der Mannschaft. „Es gibt eine Chance, dass er spielen kann. Wir brauchen Eden in Topform“, sagte Thorgan Hazard über seinen Bruder. Fällt Eden aus, dürfte der Dortmunder Thorgan noch wichtiger für das Team werden. Gegen Portugal gelang dem 28-Jährigen, der mit Meunier und dem nach einem Riss der Achillessehne wieder erstarkten Axel Witsel die belgische BVB-Fraktion bildet, der 1:0-Siegtreffer.

⚽🏆📆 Der EM-Spielplan im Überblick:

© APA

Kommentieren


Schlagworte