Wieder Kritik an Gedenkkultur: „Täter-Opfer-Umkehr in Imst“

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Imst – In der Oberländer Bezirkshauptstadt Imst steht erneut ein „Taferl“ im Brennpunkt des öffentlichen Interesses. Nach dem langen Hin und Her, als es um den Tausch eines Straßenschildes ging – dem Heimatdichter, Kriegstreiber und Nazi Jakob Kopp wurde die Ehre, eine Straße nach ihm benannt zu haben, aberkannt –, gibt es neuerlich Kritik an der fehlenden Gedenkkultur in Imst.

Wie die TT gestern berichtete, hat sich ein Imster Paar dazu bekannt, aus eigenem Antrieb und aufgrund eigener Nachforschungen im Bundesarchiv Berlin eine Zusatztafel an einem Gedenkort angebracht zu haben. Die Gedenkstätte im Putzenwald erinnert an drei Soldaten, die von US-Soldaten ohne Prozess erschossen wurden.

„Die Politik muss etwas tun, weil seit Jahrzehnten durch die Tafeln am Gedenk-ort und durch die Legendenbildung in der Bevölkerung eine Täter-Opfer-Umkehr stattfindet“, kritisiert Barbara Stillebacher-Heltschl. Zusammen mit Andreas Wohlfarter brachte sie die „wichtige Ergänzung“ an, dass es sich bei den Toten um Waffen-SS-Angehörige bzw. Totenkopf-Infanteristen gehandelt hat.

„Unsere Tafel wurde gewaltsam entfernt, zertreten und die Reste im Wald unter Moos vergraben“, sind die beiden Aktivisten betroffen. Statt einer korrekten Aufarbeitung prangt nun ein Schriftstück, es habe sich um „wehrlose Soldaten“ gehandelt, deren Erschießung „nie gesühnt“ wurde. „In Imst wird der Täter und nicht der Opfer gedacht“, so die Aktivisten. (top)

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