Raum ein- und ausatmen: Ausstellung im Innsbrucker aut.

Mit 114 Beiträgen aus unterschiedlichen Disziplinen untersucht das aut. aktuell das Verhältnis von Körper und Raum.

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Sabine Jelineks „reine des abeilles“ ist Teil der neuen aut-Schau.
© Jelinek

Innsbruck – Fuß, Elle, Spanne. Dass Körper und Raum unzertrennlich sind, lässt sich an alten Maßeinheiten ablesen. Neben dem Körper als Maßstab sind es erst seine Sinne, die räumliche Gefüge wahrnehmen. In „Die Körper und der Raum“ sucht das aut gerade nach dieser sinnlichen (Raum-)Erkenntnis.

Wie schon einige Male zuvor ging auch für diese Schau eine Einladung an 230 Akteure raus, die die bald 30-jährige Geschichte des aut-Vereins mitprägten: Auf die Frage nach dem Verhältnis von Körper und Raum gingen 114 Antworten, Interpretationen, so manche „Themensprenger“ ein. Sie alle nahmen nun in Petersburger Hängung, ArchitektIn neben Künstlerin, neben TheoretikerIn, im aut Platz. Sich einen logischen Weg durch diesen unkuratierten Wust an Beiträgen zu bahnen, ist unmöglich. Man kann es nur auf sich hereinprasseln lassen.

Mit der Zeit kristallisieren sich Wegweiser, thematische Nuklei heraus: Immer wieder etwa gesellt sich die Natur als Vordenkerin, Inspirationsquelle oder Zukunftsstoff in die Beziehung von Körpern und Raum. Schon 1998 legte Lois Weinberger einen winzigen Insektencocoon (unter der Lupe zu betrachten) als Modell für ein Wohnhaus vor. Sabine Jelinek macht sich derweil fotografisch auf die Suche nach der Bienenkönigin. Und Theoretiker Friedrich von Borries ruft in seinem Tutorial zur „Folgenlosigkeit“ auf – ein Aufruf dazu, keine Spuren in der Natur zu hinterlassen.

Neuinterpretationen des Raumes liefert das Design-Kollektiv Numen/For Use, das einen Raum aus Latex aufblasen lässt und ihn nachher wieder aussaugt. Den Soundtrack dazu liefern Robert Pfurtscheller und Nikolaus Schletterer, die den aut. Ausstellungsraum mit „5,5 sec“ ein- und ausatmen lassen. Persönliche Einblicke in Privat-Räume liefern nebenan Pritzker-Preisträgerin Yvonne Farrell (per Video) sowie der kürzlich verstorbene Tiroler Konstrukteur Christian Aste (in Tagebuchform). An das Früher erinnert sich auch Carmen Müller, die mit „spiel-räume“ ihre Kindheit als Möbellandschaft rekonstruiert.

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Vom Gestern geht es nur allzu schnell wieder ins Heute – eine Gegenwart, in der sich das Verhältnis von Körper und (öffentlichem) Raum empfindlich gestört hat. Was bei Walther Niedermayrs „Denkschutzmaskenbaum“ noch ironische Blüten treibt, wird bei Paul Ott und seinen Fotos leerer Club-räume zur traurigen Bestandsaufnahme. Zumindest dieses Bild dürfte sich dieser Tage ändern. Passend dazu hat Sasha Pirker in leuchtendem Pink „Disco“ und „Very“ an die Scheiben des aut. gepinselt. Eine Aufforderung im doppelten Sinn. (bunt)


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