Wolf trieb Bauern in Stadt: Demonstranten in Innsbruck unterwegs

Mehr als 2000 Demonstranten forderten gestern in Innsbruck ein rasches Wolfsmanagement. Rügen für Politiker, Touristiker und Jäger.

  • Artikel
  • Diskussion (16)
Die Demonstranten zogen gegen 11 Uhr durch die Innenstadt, zuvor gab es am Landhausplatz mehrere Ansprachen.
© zeitungsfoto.at

Von Jasmine Hrdina

Innsbruck – Das Läuten der Glocken schallte durch die Innsbrucker Innenstadt, Kühe oder Schafe suchte man aber vergebens. Stattdessen waren es Scharen von Landwirten (die Veranstalter sprechen von 3000, die Polizei zählte 2200 Teilnehmer), die gestern Vormittag dem Aufruf des Bauernbundes folgten und lautstark ihre Meinung zur Wolfsdebatte kundtaten. Und die ist laut allgemeinem Tenor deutlich: Der Wolf hat in Tirol keinen Platz (mehr).

Am Samstagvormittag fand am Landhausplatz eine Demonstration gegen den Wolf statt. Zahlreiche Bauern aus ganz Tirol und Südtirol nahmen teil.
© zeitungsfoto.at

Hobby-Alminger oder Vollbetriebs-Landwirt, Senior oder Jungbäuerin – aus allen Bezirken kamen Standesvertreter zum Landhausplatz, auch aus Bayern und Südtirol waren sie angereist – das „Problem Wolf“ verlange nach einer länderübergreifenden Lösung, betonten die Redner.

Von Emotionen getragene Schilderungen von Schafsrissen sowie deren Folgen „für alle Tiroler Bauernfamilien, deren Betriebe von Generationen über Jahrzehnte aufgebaut wurden“, gab es genügend. „Es sind Leute, die von Tierhaltung selber keine Ahnung haben, die uns nun Ratschläge geben“, knurrte Landesbäuerin Helga Brunschmid Richtung Landhaus und Tierschutzorganisationen.

Mit dem von Schwarz-Grün vorgeschlagenen Wolfsmanagementplan, der nächste Woche per Dringlichkeitsantrag im Tiroler Landtag behandelt werden soll, zeigten sich viele unzufrieden – wenngleich einige den Inhalt „gar nicht genau kannten“, wie sich bei mehreren Nachfragen herausstellte. Damit vertraut und dennoch enttäuscht ist Michael Bacher, Obmann des Tiroler Schafzuchtverbands. Er befand, eine „artgerechte Haltung“ könne nicht stattfinden, „wenn überall nur noch eingezäunt werden muss“, und schlussfolgerte: „Eine Coexistenz von Beutegreifern und Alm- bzw. Weidewirtschaft ist nicht möglich.“ Damit forderte er Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler auf, „zurück an den Verhandlungstisch“ zu kehren, der Antrag sei „zu wenig ausreichend und kurzsichtig“. Gerügt wurden in den Ansprachen auch Tourismusvertreter und Jägerschaft wegen ihres „fehlenden Engagements“. Sie sollten „lauter sein“ und Position in der Debatte beziehen.

Am Samstagvormittag fand am Landhausplatz eine Demonstration gegen den Wolf statt. Zahlreiche Bauern aus ganz Tirol und Südtirol nahmen teil.
© zeitungsfoto.at

Die Argumente jener, die für den Abschuss der einzelnen Wölfe plädieren, kannte man inzwischen: Herdenschutz sei nicht überall möglich, die Almwirtschaft essenziell für Tourismus und damit die gesamte Bevölkerung. Nur wenige Demonstranten wagen es im Gespräch mit der TT, einzelne Punkte anzusprechen, die für die Rückkehr des Wolfes sprechen, etwa die Biodiversität.

Dass der Wolf EU-weit einen hohen Schutzstatus besitzt, hielt Bezirksbauernobmann Elmar Monz nicht davon ab, einmal mehr Möglichkeiten zu fordern, Wölfe „schnell und unbürokratisch“ entnehmen zu können. Herdenschutz sei aufgrund des Arbeitsaufwandes und aus wirtschaftlicher Sicht einfach nicht umsetzbar, ist er überzeugt. Man müsse das Thema „der städtischen Bevölkerung näherbringen“, damit sie die Sorgen verstehe. Denn diese sei „zu weit weg von der Basis“.

In Richtung Grüne fletschte er die Zähne: „Dem Koalitionspartner scheint nicht klar zu sein, dass sie die gesamte Almwirtschaft, den Tourismus und Tausende Bauernfamilien aufs Spiel setzen – das ist zu viel!“

„Wenn fast dein ganzer Schafbestand zerfetzt wurde, ist es schwer, nicht emotional zu werden und sachlich zu diskutieren“, meint ein Oberländer Schafbauer abseits der demonstrierenden Masse. „Viele Bauern führen ihre Betriebe nicht nur des Geldes wegen, sondern aus Idealismus. Da kann man eben schwer mit Schutzmaßnahmen und Entschädiungszahlungen argumentieren.“ Auch seine 26 Schafe verbringen den Sommer heuer im Tal statt auf der Alm.

© zeitungsfoto.at

Kommentieren


Schlagworte