Denselben Zug genommen: Zugführer im Auftrag der ÖBB

Zugchef ist ein verantwortungsvoller Beruf mit Zukunft. Die Tirolerin Sarah Siegele und der Syrer Maher Bay lieben die Abwechslung und die Gäste.

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Zugchefin Sarah Siegele aus Grins und Zugführer Maher Bay aus Syrien am Bahnsteig des Hauptbahnhof Innsbruck.
© Thomas Böhm

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Sarah Siegele und Maher Bay sind beide 29 Jahre alt und Zugführer bei den ÖBB. Ihre Lebenswege könnten indes nicht unterschiedlicher sein: Siegele ist im beschaulichen Grins aufgewachsen, Bay stammt aus Aleppo, jener syrischen Stadt, der nach Bomben und Corona eine Hungerkatastrophe droht.

Einig sind sich die Zugchefs darin, warum sie sich für den Beruf, der nicht nur Service und Kontrolle, sondern auch Zugvorbereitung umfasst, entschieden haben. „Bei den ÖBB wird jeder gleich behandelt, egal woher er kommt“, sagt Siegele. Die Position der Zugchefin sei sehr abwechslungsreich: „Wir kontrollieren nicht nur Fahrkarten und helfen, sondern haben die Verantwortung, dass alles funktioniert.“ Auch krisensicher sei der Job. Bei den ÖBB geht in den nächsten Jahren rund ein Viertel der Belegschaft in Pension. Zusätzlich wird die Schiene ständig ausgebaut.

Bay ergänzt, dass Zugführer etwa das Bremsvermögen des Zuges berechnen. Auch der Umgang mit den Fahrgästen erfordere Geschick. So ist Siegele dieser Tage als rettender Engel eingesprungen, indem sie den Mantel eines Wieners ans Fundamt Salzburg weitergeleitet hat. Die meisten Zuggäste seien nett, sagt sie, wobei klar sei, dass jeder aus einer anderen Lebenssituation kommend im Zug sitzt: Der eine hat Liebeskummer, die andere ist aufgeregt, weil sie ein Vorstellungsgespräch hat, der Dritte ist mit dem falschen Fuß aufgestanden. Auch Bay liebt seine Gäste, obwohl ihn ein Passagier wegen seiner Herkunft „angestänkert“ hat. Andere hätten ihn verteidigt: „Sie sagten, er soll sich nicht so schlecht benehmen.“ Siegele schätzt die unterschiedliche Herkunft der Kollegen: „Wir tauschen auch Rezepte aus.“ Die syrische Küche würde sie interessieren. Derzeit verrichtet die Tirolerin in Vorarlberg ihren Dienst, der Syrer in Tirol. Bei ihm soll der nächste Halt die Staatsbürgerschaft sein. Die Voraussetzungen hat er bis auf den Heimatkundetest erfüllt. Vielleicht kann ihm Siegele helfen? Bei einer Halawat el Jibn oder einer Sachertorte wären Fragen wie „Wo befindet sich das Grabmal Kaiser Maximilians I.?“ ein Klacks und alles in Butter.


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