Lebenszeichen zum 70er: Tiroler Schützen feiern endlich Geburtstag

Viermal mussten die Schützen ihren 70. Geburtstag wegen Corona verschieben – man ließ sich nicht unterkriegen und wehrt sich gegen „Tirol-Bashing“.

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Eine beeindruckende Kolonne an Schützen setzte sich gestern in Bewegung und umrundete nach einer Kranzniederlegung die Altstadt.
© Böhm

Von Matthias Reichle

Innsbruck – Federn tanzten im Wind, die Säbel glänzten in der Sonne und die Salutschüsse hallten durch die Stadt – sie dürfen wieder. Vor Kurzem noch undenkbar: Über 600 Schützen nahmen gestern vor dem Congress Aufstellung.

Insgesamt viermal musste der Bund der Tiroler Schützenkompanien, der heuer genau genommen 71 Jahre alt geworden ist, seinen Runden verschieben, denn das Corona-Jahr ließ die Jubiläumsfeier 2020 einfach nicht zu. Es ließ das Schützenwesen bei vielen Auftritten pausieren. Erst kürzlich kamen die Lockerungen. Die Teilnehmer konnten somit unter Einhaltung der 3-G-Regel ohne Maske an der Bundesversammlung teilnehmen.

Beim Abschreiten: LH Günther Platter, Ministerin Klaudia Tanner, LR Johannes Tratter und VBM Markus Lassenberger (v. r.).
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Waren es vor über 200 Jahren noch feindliche Heere, so sind es heuer das „Tirol-Bashing“, das mit dem Virus einsetzte, die „Diffamierungen unserer Werte“ und eine „Corona-bedingte Blockade unserer ehrenamtlichen Vereinsarbeit“, gegen die man sich zur Wehr setzen musste, wie Landeskommandant Thomas Saurer feststellte.

Er wurde in Pandemiezeiten gewählt und hatte einen schwierigen Einstig. Auch 2021 stand unter keinem guten Stern bzw. keiner guten Corona-Verordnung, wie er betonte. Umso mehr freue ihn nun der „kernige Geruch der Lodenjoppen und Lederhosen“ und alle wieder in Tracht zu sehen.

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Anlass war die Gründung des Bundes der Tiroler Schützen am 20. April 1950. Fünf Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur, bei dem auch das Tiroler Schützenwesen keine rühmliche Rolle spielte, sich für Propagandazwecke instrumentalisieren ließ, organisierte man sich neu. Schon bald nach dem Krieg waren die ersten Kompanien wieder ausgerückt. Wie in vielen Bereichen des Leben war es bei so manchen NS-belasteten Personen ein nahtloser Übergang.

Bei der Geburtstagsfeier trat die Geschichte gegenüber der Zukunft in den Hintergrund. Saurer dankte allen „für das Durchhalten“. Und er definierte Schützensein neu – das sei „Tiroler Tradition“ und „Heimattreue“. Das „Schützen“ habe sich verändert: Man engagiere sich bei „Essen auf Rädern“, bei Spendenaktionen, übernehme Hilfsdienste in der Dorfgemeinschaft, von der Stammzellentypisierung bis hin zu Aufforstungen des Schutzwaldes.

Die Stärke der Tiroler Schützen ist immer noch beachtlich – mit 235 Kompanien, 17.758 Mitgliedern insgesamt, davon 11.203 Schützen und 1057 Marketenderinnen, 1102 Jungschützen und 465 Jungmarketenderinnen.

Zahlreiche Gratulanten hatten sich bei der Feier eingefunden, unter anderem Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, der das Herz aufgegangen sein soll, wie sie erklärte. Man spüre heute „einen Schritt Richtung Normalität“, betonte sie und lobte den Beitrag der Schützen zur Tiroler Identität und österreichischen Kultur.

Landeshauptmann Günther Platter sind die Schützen während Corona „gewaltig abgegangen“ – auch er sagte Danke für 70 Jahre. Der mehrfach als „Unglücksgrenze“ angesprochenen Teilung Tirols müsse man mit gemeinsamen Projekten begegnen, nicht nur über ein „Gesamttirol“ reden, sondern es auch leben.

Eine besondere Ehre wurde Alt-Chef Fritz Tiefenthaler zuteil, er wurde zum Ehrenlandeskommandanten ernannt.


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