16 tote Schafe in Westendorf: Bauern sahen sich zu vorzeitigem Almabtrieb gezwungen

Erneut sind in Tirol Schafe gerissen worden – diesmal wüteten ein oder mehrere Wölfe auf der Rotwandalm in Westendorf. Der Ortsbauernobmann spricht von einem „Massaker". Ein vorzeitiger Almabtrieb war die Folge.

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Ein Hubschrauber flog die verletzten Tiere ins Tal.
© Peter Aschaber

Westendorf – Von Freitag auf Samstag wütete aller Wahrscheinlichkeit nach ein Wolf auf der Rotwandalm in Westendorf. 16 Schafe wurden gerissen, fünf davon mussten notgeschlachtet werden. Drei Tiere überlebten mit Verletzungen und mussten per Hubschrauber ins Tal transportiert werden. Ortsbauernobmann Peter Pirchl sprach von einem „Massaker".

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Eines der verletzten Schafe.
© ZOOM.TIROL

„Es waren schreckliche Bilder. Vor allem der Anblick der halb toten Tiere, die erlöst werden mussten, fährt einem durch Mark und Bein. Sie müssen höllische Qualen gelitten haben“, schildert Pirchl und hofft zugleich, dass den verletzten Tieren noch geholfen werden kann. Die Nachricht habe die Almbauern noch während der Wolfsdemo am Samstag in Innsbruck erreicht. Zwei Wanderer hatten zuvor den Fund zweier toter Schafe gemeldet.

Noch am Samstag entschieden sich die rund 20 Schafbauern der Region dafür, alle Tiere wieder ins Tal zu holen – laut Pirchl der „einzig mögliche Schritt, die Schafe zu schützen". Die Alm sei wegen ihrer exponierten steilen Lage nicht für einen Herdenschutz geeignet. Erst vor einer Woche waren die Tiere auf die Alm getrieben worden. Die Westendorfer Bauern sind verzweifelt. „Wenn wir zurück auf die Alm sollen, muss der Wolf weg. Sonst, so fürchte ich stark, sperren die Bauern ihre Stalltüren bald ganz zu", sagt Pirchl.

Peter Aschaber, einer der betroffenen Schafzüchter, berichtet von „einer sehr angespannten Stimmung" , da unter den gerissenen Schafen viele trächtige Tiere mit gutem Stammbaum und Zuchtpreisen gewesen sein sollen. Er äußerte die Sorge, dass es womöglich bald keine Schafe mehr auf den Almen geben werde und der Wolf sich andere Beute suchen werde. „Das Wölfe und Almwirtschaft nicht zusammen passen, da muss man kein Wissenschaftler sein", moniert er und ortet er in der Causa enorme Mehrkosten, die zu vermeiden wären – Hubschrauber-Einsatz, Tierärzte, DNA-Untersuchungen und Kadaver-Verwertung hätten schließlich ihren Preis. Die Politik und der Tierschutz müssten hier so schnell wie möglich tätig werden. (TT.com/tst)

Die Bauern sahen in dem vorzeitigen Almabtrieb die einzige Lösung.
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