Fake News heizen Wolf-Debatte an: WWF-Telefone laufen heiß

Falschmeldungen in den sozialen Netzwerken rund um das Thema Wolf und den Umgang mit dem Beutegreifer in Tirol lassen seit vergangener Woche bei Behörden und WWF die Telefone heiß laufen.

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Das Thema Wolf polarisiert – und lässt in den sozialen Netzwerken dieser Tage die Gerüchteküche brodeln. Dadurch wird die Diskussion um den Beutegreifer weiter angeheizt.
© Paumgartten

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Es ist Wasser auf die Mühlen jener, die ein rigoroses Vorgehen gegen den Wolf in Tirol fordern und Umweltschutzorganisationen für die Rückkehr des großen Beutegreifers verantwortlich machen. Die Rede ist von Meldungen, die seit einigen Tagen in den sozialen Netzwerken kursieren. Mittlerweile hat sich sogar die Tiroler Polizei dazu veranlasst gesehen, zumindest eine dieser Meldungen offiziell mittels Presseaussendung zu entkräften – aufgrund zahlreicher Anrufe diesbezüglich, wie es gestern auf Nachfrage von der Polizei-Pressestelle hieß.

Konkret geht es dabei um das Gerücht, wonach es vergangene Woche in Leutasch zu einem Auffahrunfall gekommen sei. Involviert soll dabei ein Fahrzeug samt Anhänger der Umweltschutzorganisation WWF gewesen sein. Die angeblich heiße Fracht: zwei Wölfe, die nach Tirol transportiert und hier ausgesetzt werden sollten. „Von der Polizei wird dazu klargestellt, dass der Inhalt dieses Schreibens nach entsprechenden Erhebungen nicht bestätigt werden kann und es sich dabei um eine offensichtliche Falschmeldung handeln dürfte“, ließ die Tiroler Exekutive gestern wissen.

Dass außerdem die Kameras des Autobahnbetreibers Asfinag regelmäßig WWF-Aktivisten dabei filmen würden, wie diese an der Autobahn Wölfe aussetzen, ist ebenfalls unwahr, wie es seitens der Asfinag heißt: Man habe keinerlei Beobachtungen dieser Art gemacht, ansonsten hätte man einen solchen Vorgang natürlich den Behörden gemeldet.

„Diese Gerüchte sind an Abenteuerlichkeit nicht zu überbieten“, weist auch WWF-Pressesprecher Florian Kozak die Berichte entschieden zurück. Man habe wahrlich Besseres zu tun, als Wölfe durch die Gegend zu transportieren und auszusetzen. „Beispielsweise darüber informieren, dass die Wölfe auf natürlichem Weg zu uns kommen. Darauf weisen wir auch schon seit vielen Jahren hin und fordern schon lange einen ordentlichen Herdenschutz.“ Die DNA-Nachweise würden außerdem belegen, dass es sich bei den Wölfen in Tirol um Individuen der italienischen Population handelt. Laut „Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs“ kann ein Wolf bis zu 100 Kilometer am Tag zurücklegen.

Auch die Tiwag sieht sich mit einer Reihe von Anfragen konfrontiert. Schließlich geht das Gerücht um, dass in Auffangbecken und Rechen der Unterländer Innkraftwerke in der jüngeren Vergangenheit bereits 15 tote Wölfe aus dem Wasser gezogen worden sein sollen – „der Großteil ohne Einschussloch“, wie es heißt. Auch dabei handelt es sich um Falschmeldungen, so genannte „Fake News“. Zwar komme es vor, dass dort Tierkadaver geborgen werden, Wölfe seien darunter aber keine gewesen, teilte ein Tiwag-Sprecher auf Nachfrage mit.

Unterdessen hat das Land Tirol gestern weitere Risse bekannt gegeben. Neben den bereits berichteten Rissen in Westendorf wurden über das Wochenende auch in den Osttiroler Gemeinden Hopfgarten im Defereggen, Prägraten und Außervillgraten in Summe 14 tote, sieben verletzte und zahlreiche vermisste Schafe gemeldet. Die Rissbegutachtungen laufen, es besteht ein konkreter Wolfsverdacht. Bereits vergangene Woche waren in Anras fünf tote Schafe gefunden worden. Ebenfalls am Wochenende wurde ein totes Schaf aus der Gemeinde Umhausen gemeldet und begutachtet. Dabei wurden Hinweise auf einen Bären als Verursacher festgestellt. Im Gemeindegebiet von St. Anton a. A. wurde gestern ein totes Schaf begutachtet, bei dem ebenfalls von einem großen Beutegreifer als Verursacher ausgegangen werden kann. Und im Gemeindegebiet von Silz wurden ein weiteres totes Schaf amtstierärztlich begutachtet und ein Wolf beobachtet. Dort wurden bereits am 25. Juni 15 Schafe tot aufgefunden. In Summe dürften im betreffenden Almgebiet 30 Schafe verendet und abgestürzt sein.

„Emotion raus, Sachverstand rein“, fordert die Liste Fritz beim Thema Wolf. Ein von ihr beantragtes „Wolfskonzept für Tirol“ hätten ÖVP und Grüne vor einem Jahr abgelehnt. Mit Demonstrationen befeuere die ÖVP nun nur die Emotionen der Bauern, ohne Lösungen zu liefern.

Bauern beantragen Abschuss des Wolfs

Nach dem Wochenende gibt es in Westendorf nur ein Thema: den Wolf und die getöteten Schafe. Nachdem die Bauern noch am Sonntag die Schafe von der Rotwand­alm in der Windau abgetrieben hatten, wurde am Montag eine Krisensitzung abgehalten. „Die Situation ist dramatisch“, schildert Westendorfs Ortsbauernobmann Peter Pirchl.

Nachdem auf einer Alm im Gemeindegebiet von Westendorf bereits vergangene Woche drei tote Schafe gemeldet worden waren, sind auf einer weiteren Alm nunmehr sieben tote Schafe amtstierärztlich begutachtet und der Verdacht auf einen Wolf als Verursacher ausgesprochen worden. Laut bisherigen Meldungen ist in dem Gebiet von ca. 20 toten Schafen auszugehen, hieß es dazu gestern von Seiten des Landes Tirol.

Fix ist, dass die Bauern die Schafe heuer nicht mehr auf die Alm auftreiben werden, solange das Problem mit dem Wolf nicht gelöst ist. „Es steht hier die gesamte Almwirtschaft auf der Kippe. Wir können nur hoffen, dass nicht auch die Kühe abgetrieben werden“, schildert Pirchl. Hier werde man die Situation im Auge behalten. „Es gibt zahlreiche Hinweise, dass es große Unruhe unter den Herden auf der Alm gibt. Noch ist aber nichts passiert. Sollte aber etwas passieren, dann werden alle Bauern die Tiere nach Hause holen“, sagt Pirchl und weiter: „Wir haben einen Wolfsabschuss beantragt.“ (aha)


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