Das 57-fache des Durchschnittslohns: Hohe Gagen der ATX-Chefs in der Kritik

Hohe Einstiegsboni und Abfertigungen ließen Gagen der ATX-Chefs im Krisenjahr auf 1,9 Mio. Euro steigen, kritisiert die AK. Das ist das 57-fache eines Durchschnittsverdieners. Aktienforum spricht von Neiddebatte.

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1,9 Mio. Euro verdienten Chefs vom ATX-Firmen im Schnitt. Wilhelm Hörmanseder ging aus dem Mayr-Melnof-Vorstand mit 11,3 Mio. Euro.
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Wien – Die Arbeiterkammer hat angesichts Hunderttausender Arbeitsloser die Bonuszahlungen für Vorstände ins Visier genommen. Wie die AK-Analyse von 17 der 20 im Wiener Leitindex ATX vertretenen Unternehmen zeigt, sind die Vorstandsgehälter im Vorjahr gegenüber 2019 um rund 4 Prozent gestiegen. Untersucht wurden jene Unternehmen, die ihre Geschäftsberichte für das abgelaufene Geschäftsjahr bereits veröffentlicht haben.

Im Detail zeigt sich laut Arbeiterkammer folgendes Bild: Die Fixgehälter der Top-Manager blieben konstant, die variablen Gehaltsteile gingen sogar um 20 % zurück. Aber: Hohe Beendigungs- und Einstiegszahlungen ließen die Gagen der Vorstände trotzdem ansteigen, kritisiert die Arbeiterkammer. Im Schnitt verdiente ein ATX-Vorstand im Corona-Jahr 2020 1,9 Mio. Euro und damit das 57-fache eines mittleren Einkommens in Österreich.

„Die variable Vergütung in den 17 untersuchten Unternehmen ist zwar zurückgegangen, jedoch bei Weitem nicht so deutlich, wie die Gewinne eingebrochen sind (minus 40 Prozent)“, sagte Studienautorin und AK-Betriebswirtin Christina Wieser.

Robert Ottel, voestalpine-Vorstand und Präsident des Aktienforums, einer Interessenvertretung österreichischer börsenotierter Unternehmen, spricht von einer Neiddebatte und weist die Kritik der AK zurück: „Stets wurde den Unternehmen bei Vorstandsvergütungen vorgeworfen, die Gehälter an die Gewinne gekoppelt zu haben. Nun sieht man, dass dieser langjährigen AK-Forderung Rechnung getragen wurde – und es passt wieder nicht.“ Managementtätigkeit sei zudem mit erheblicher Verantwortung verbunden. „Gemessen an ihren europäischen Kollegen liegen österreichische ATX-Manager einkommensmäßig deutlich unterhalb des Durchschnitts.“

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Gagenkaiser in dem aktuellen AK-Ranking ist der ehemalige Vorstandschef des Karton- und Verpackungsherstellers Mayr-Melnhof, Wilhelm Hörmanseder, der mit 11,3 Mio. Euro aus dem Vorstand verabschiedet wurde. Zuzüglich Grundgehalt verdiente Hörmanseder im Vorjahr 11,8 Mio. Euro. Sein Nachfolger Peter Oswald belegt den dritten Platz im Vorstands-Ranking. Oswald erhielt eine Vergütung von 5,1 Mio. Euro. Darin enthalten sind laut AK auch eine pauschale Abgeltung von 1,0 Mio. Euro anlässlich seines Wechsels in den Vorstand sowie eine einmalige Pensionsversicherungszahlung in Höhe von 400.000 Euro und eine pauschale Erfolgsbeteiligung von 2,75 Mio. Euro.

Unter den Top Ten finden sich fünf der sechs Vorstände der Bawag Group. „Dabei ist der Gewinn des Bankkonzerns im Corona-Krisenjahr um 38 Prozent gesunken, zudem wurde im Vormonat ein Personalabbau angekündigt“, sagt Wieser.

Weitere Spitzenverdiener waren der wegen Bespitzelungsvorwürfen unter Druck geratene Noch-OMV-Chef Rainer Seele (4,3 Mio. Euro) und Andritz-Boss Wolfgang Leitner (3,3 Mio. Euro). Auf Platz 10 findet sich mit Martin Grüll ein weiterer Ex-Vorstand. Der vormalige RBI-Vorstand verdiente 2,5 Mio. Euro. Grülls Bezüge inkludieren eine Abfindung von 1,9 Mio. Euro.

Laut Studienautorin Wieser werden bei der Vergütungspolitik nach wie vor soziale und ökologische Ziele nicht ausreichend berücksichtigt. Aufsichtsräte sollten eine angemessene Relation zwischen Vorstandsvergütung und Belegschaft definieren, zudem bedürfe es einer Höchstgrenze, fordert die AK. „Ein Verzicht auf Bonuszahlungen – gerade in Zeiten der Krise – wäre ein deutliches Zeichen der Solidarität“, sagte Wieser.

Im Unterschied zur AK-Erhebung sind die Bezüge der ATX-Vorstandschefs laut Unternehmensberatung hkp im Jahr 2020 um 16 % zurückgegangen. Laut AK sei dabei die ATX-Zusammensetzung nicht aktuell gewesen, auch habe hkp ein kleineres Sample von CEOs (ohne Bawag) herangezogen. (mas, APA)


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