Letzter Bär war nicht der letzte: „Denkmal" bei Vomp erinnert an Bärenjagd

Im Stallental erinnert ein „Denkmal“ an eine historische Bärenjagd im Jahr 1898.

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Bärentöter Constantin Graf Thun-Hohenstein (3. v. l.) mit Mitgliedern der Bärenjagd mit dem erlegten „letzten Bären“ Nordtirols.
© Dorfbuch Stans

Von Peter Hörhager

Vomp – „Hier ward am 14. Mai 1898 von Constantin Graf Thun-Hohenstein der letzte Bär von Nordtirol zur Strecke gebracht.“ Jeder, der von Vomp oder Stans ins Stallental wandert, passiert bei der so genannten „Bärenrast“ einen Koloss aus Marmor, an welchem eine Bronzetafel mit dem einleitenden Text an ein besonderes Jagd-Kapitel erinnert. Während allerdings der von Constantin Graf Thun erlegte „letzte“ Bär Nordtirols nur noch 117 kg auf die Waage brachte, wiegt sein steinernes Denkmal, das 1980 aufgestellt wurde, nicht weniger als acht Tonnen.

P. Thomas Naupp, langjähriger Archivar und Bibliothekar im Stift Fiecht, zitiert im Staner Dorfbuch Abt Albert Wildauer, der schon 1896 festgehalten hat: „… ist es doch ein leibhaftiger Bär, welcher seit drei Jahren das Karwendelgebirge und im letzten Jahre die Gegend vom Stanerjoch, Fiechter Stalle, das Hinterland von Pertisau und die Hinterriss unsicher machte“. Der vierbeinige Wilderer erwies sich als widerstandsfähiges Wildbret. Er überlebte vor seinem endgültigen Ende sowohl den Schuss eines Jägers wie auch einen vergifteten Köder. An der entscheidenden Pirsch nahmen neben dem Enzenberg’schen Jagdpersonal auch einige sichere Kugelschützen und ein Dutzend Treiber teil. Im Buch „Bärige Geschichten aus Tirol“ (Edition Tirol) ist ein Bericht von Eberhard Graf Enzenberg abgedruckt, in welchem es unter anderem heißt: „Am Lichtrastkopfe, zirka 1700 Meter, wollte das Raubtier eben an dem Stande des 20-jährigen Grafen Konstantin Thun vorüber, als dieser ihm die tödliche Kugel zusandte.

Der Bär richtete sich trotz seiner schweren Verwundung zuerst gegen den Schützen auf, brach dann aber zusammen und flüchtete gegen das Stallental, wo er über eine Felswand abstürzte und von den Jägern verendet aufgefunden wurde.“

Stöbert man in den Chroniken, stößt man allerdings auch noch nach 1898 auf weitere Bärenbesuche in Tirol. 1913 erlegten Jäger bei Nauders einen Bären, der war aber ein Gast aus der Schweiz. Und im Heimatmuseum von Matrei in Osttirol ist ein Bär ausgestellt, der aus Slowenien zugewandert war und 1971 in Osttirol sein „bäriges“ Leben ließ. Nicht zu vergessen Braunbär „Bruno“, der im Frühjahr 2006 über Vorarlberg nach Tirol einwanderte, dabei auch das Karwendel kreuzte, um dann schließlich in der Nähe des Schliersees erlegt zu werden. Berichte in den vergangenen Wochen belegen, dass Tirol wieder vermehrt Bären anzieht.

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Apropos Karwendel: Es war offensichtlich ein perfekter Lebensraum für Bären, noch heute gibt es im östlichen Karwendel zwei Gipfel mit dem Namen Bärenkopf. Und in der Gegend fühlten sich offensichtlich einst auch Wölfe wohl, trägt doch die wildromantische Schlucht bei Stans den Namen „Wolfsklamm“.


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