„Historischer Schritt“: Kanada hat erstmals indigene Generalgouverneurin

Mary Simon wurde zur offiziellen Repräsentantin von Queen Elizabeth II. in dem Commonwealth-Staat berufen. In den vergangene Wochen hatte die Entdeckung von anonymen Massengräbern indigener Kinder für Entsetzen in Kanada gesorgt.

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(FILES) In this file photo Canadian national Inuit leader Mary Simon gives a speech on October 24, 2009 about the Plenary session regarding the Climate conference in Copenhagen on the last day of the European Development Days meeting in Stockholm. - Prime Minister Justin Trudeau on July 6, 2021 appointed Mary Simon as Canada's first indigenous governor general, Queen Elizabeth's official representative. "We are honoured to have Ms. Simon as Canada's first Indigenous governor general," Trudeau told a news conference.The discovery of more than 1,000 unmarked graves at former indigenous residential schools has convulsed Canada, provoking anger and grief in indigenous communities. (Photo by Olivier MORIN / AFP)
© OLIVIER MORIN

Ottawa – In Kanada ist erstmals eine Inuit zur Generalgouverneurin ernannt worden. Die Berufung von Mary Simon als offizielle Repräsentantin der britischen Königin Elizabeth II. in dem Commonwealth-Staat sei ein „historischer Schritt“ für das Land, sagte Regierungschef Justin Trudeau am Dienstag. Simon arbeitete frühere als Journalistin und war Vorsitzende der Organisation Inuit Tapiriit Kanatami, einer Interessenvertretung kanadischer Inuit.

Sie war auch Präsidentin der internationalen Inuit Circumpolar Conference. Simon bezeichnete ihre Ernennung als „historischen und inspirierenden Moment für Kanada und einen wichtigen Schritt auf dem langen Weg der Versöhnung“.

Auseinandersetzung mit Gräueltaten an indigenen Kindern

In den vergangene Wochen hatte die Entdeckung von anonymen Massengräbern indigener Kinder für Entsetzen in Kanada gesorgt. Mehr als tausend Gräber wurden nahe ehemaligen Internaten für Kinder von Ureinwohnern gefunden.

In Kanada waren seit 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Nach bisherigen Angaben starben mindestens 4000 dieser Kinder, viele von ihnen an Tuberkulose. Die letzten dieser Schulen schlossen erst in den 1990er Jahren.

Kanada müsse sich mit diesen „Gräueltaten“ auseinandersetzen und sie in Erinnerung behalten, sagte Simon am Dienstag. Sie übernimmt das Amt der Generalgouverneurin von Julie Payette, die im Januar wegen Vorwürfen der Schikane von Mitarbeitern zurückgetreten war. Seitdem wurden die hauptsächlich repräsentativen Aufgaben vom Vorsitzenden des obersten Gerichtshofes, Richard Wagner, übernommen. (APA/AFP)


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