Aufklärungsprojekt: Wenn das Teilen und Liken die Polizei auf den Plan ruft

Ein von Innsbrucker Schülern gestaltetes Videoprojekt klärt Jugendliche über die (strafrechtlichen) Konsequenzen rechtsextremer Postings auf.

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Ferrari-Direktor Manfred Jordan (l.), LR Beate Palfrader und Landespolizeidirektor Edelbert Kohler (r.) gratulierten Martin Veternik und Sophie Schwanninger zu ihrem gemeinsam mit Matteo Koll gedrehten Siegervideo.
© Domanig

Innsbruck – Rund 100 Mrd. (!) WhatsApp-Nachrichten werden weltweit täglich verschickt – darunter nicht wenige mit bedenklichen, menschenverachtenden Inhalten, oft in der Form von Witzen, Stickern oder Bildern (Memes).

Besonders Jugendliche würden in sozialen Netzwerken vermehrt und „völlig bedenkenlos“ rechtsextreme Inhalte posten oder teilen, berichtet Landespolizeidirektor Edelbert Kohler. Was mit einem „Gefällt mir“ unter einem vermeintlich harmlosen Posting beginne, reiche bis zu Beschimpfungen gegen Minderheiten und ausländerfeindlichen Postings. Dabei sei vielen nicht bewusst, dass das Liken, Teilen und Weiterleiten rechtsextremer Inhalte „nicht nur gesellschaftlich nicht opportun ist, sondern auch strafrechtlich in höchstem Maße relevant“.

Kohler nennt das Beispiel eines Mannes, der bei einem Perchtenlauf im Unterland die Hand zum Hitlergruß hob und NS-Parolen brüllte. Nachdem die Polizei Handy und Computer des Mannes sichergestellt hatte, wurden auch dessen Chatverläufe überprüft – und mindestens 30 Kontaktpersonen ausgehoben und befragt. Derartige Begegnungen mit der Polizei seien für junge Leute und deren Umfeld „ausgesprochen unangenehm“, betont Kohler. Und im schlimmsten Fall droht eine Anzeige wegen Wiederbetätigung.

„Du wirst schneller Täter, als du denkst"

Das Landesamt für Verfassungsschutz der Polizei sieht auch in Tirol Handlungsbedarf – und hat daher mit der Schulsozialarbeit Tirol und der Ferrarischule Innsbruck, die sofort zur Mitarbeit bereit war, ein gemeinsames Aufklärungsprojekt initiiert. Ziel sei es, Jugendliche „medial vor den Gefahren von Medien zu warnen“, meint Schuldirektor Manfred Jordan.

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Über Monate hinweg beschäftigte sich die Klasse 4EHW der „Medienferrari“ fächerübergreifend mit dem Themenkomplex, in Geschichte und Politischer Bildung, Kommunikation und Mediendesign. Begleitet von einem Lehrerteam um Martin Fritz, konzipierten, drehten und schnitten Schülerteams sechs kurze, rasante Videoclips, alle mit klarer Botschaft: Pass auf, was du weiterleitest.

Eine Jury kürte als Siegervideo den Beitrag von Sophie Schwanninger aus Wattens sowie Matteo Koll und Martin Veternik aus Telfs: „Du wirst schneller zum Täter, als du denkst“, heißt es in dem prägnanten Clip, der nun über Polizei, Kuratorium Sicheres Österreich und Schulsozialarbeit verbreitet wird.

Bildungslandesrätin Beate Palfrader war voll des Lobes für die allesamt professionell gemachten Videos – und betonte die Wichtigkeit von Präventionsarbeit: „Jugendliche erreicht man am besten über andere Jugendliche.“ (md)


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