„Post-Corona"-Diskussion: „Tourismus und Landwirtschaft sind untrennbar“

Regionale Lebensmittel sollen der Motor für den Tourismus nach der Krise werden. Herkunftskennzeichnung wird auch von Gästen gefordert.

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Hannes Royer (Land schafft Leben), Florian Phleps (Chef Tirol Werbung), Mario Gerber (Hotellerieobmann) und Christina Mutenthaler (Netzwerk Kulinarik) diskutierten auf Einladung von Bundesratspräsident Peter Raggl.
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Wien – Wie eng die Verzahnnug der Tiroler Landwirtschaft mit dem Tourismus ist, hat auf dramatische Weise die Corona-Pandemie aufgezeigt. Mit der Schließung der Hotels und Wirtshäuser im März 2020 fiel ein großer Absatzmarkt für die Landwirte weg. Zugleich biete die regionale Landwirtschaft für den Tourismus die Möglichkeit, nun gestärkt aus der Krise zu kommen, war die einhellige Meinung bei der Diskussionsveranstaltung „Post-Corona: Neue Perspektiven für Tourismus und Landwirtschaft“, zu der Bundesratspräsident Peter Raggl (ÖVP) nach Wien ins Palais Epstein geladen hat. Der Tiroler legt den Schwerpunkt seiner Amtszeit auf Tourismus und Landwirtschaft.

„Landwirtschaft und Tourismus sind ein untrennbares Paar“, sagte Raggl, der auf das Beispiel seines Heimatbezirks Landeck verwies. „Obwohl es in Landeck fast nur Klein- und Kleinstbetriebe in der Landwirtschaft gibt, gelingt es durch die gute Kooperation mit dem Tourismus, eine flächendeckende Bewirtschaftung beizubehalten.“

Für WKO-Vizepräsidentin Martha Schultz ist die Krise noch nicht beendet.
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Eine Lehre aus der Krise ist laut Landwirtschafts- und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP), dass auch in der Bevölkerung das Bewusstsein für regionale Lebensmittel gestiegen ist. Das wolle man nun nutzen, um besser als andere Tourismusländer aus der Krise zu kommen: „Wir wollen im Ranking der besten Tourismusregionen vom 14. Platz in die Top 10.“ Ein Mittel, um das Ziel zu erreichen, sei die Herkunftskennzeichnung. Während man bei industriell gefertigten Lebensmitteln und in Großküchen auf Verpflichtungen setzt, sei die freiwillige Kennzeichnung in der Gastronomie ein großer Erfolg.

Laut Tirol-Werbung-Chef Florian Phleps war der Trend zu regionalen Lebensmitteln im Tourismus bereits vor der Krise spürbar. Bei Gäste-Befragungen haben 40 Prozent angegeben, dass die regionale Kulinarik ein Faktor für die Wahl des Urlaubslandes ist. „Während der Gesundheitskrise Corona ist das Bewusstsein für gesundes, qualitativ hochwertiges Essen weiter gestiegen“, glaubt Phleps, dass der Trend anhalten wird.

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Der Tiroler Hoteliersobmann Mario Gerber sieht in der Verwendung regional produzierter Lebensmittel ebenfalls einen wichtigen Faktor für den Erfolg des heimischen Tourismus. Er verwies jedoch auf die nicht durchgängige Verfügbarkeit regionaler Lebensmittel.

Mehr Mut dazu, Regionalität in einem größerem Zusammenhang zu sehen, forderte Hannes Royer, Obmann und Initiator des Vereins „Land schafft Leben“. „In Umfragen wird die Region in einem Umkreis von 58 Kilometern gesehen. Allerdings kann sich ein Bundesland wie Tirol nicht selbst versorgen“, sagte Royer, der betonte, dass etwa auch Lebensmitteln aus Oberösterreich und Niederösterreich die gleiche Wertschätzung wie in Tirol produzierten Waren zukommen müsse.

Touristikerin und Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Martha Schultz betonte, dass die Krise im Tourismus noch nicht vorbei sei und viele Betriebe weiter Unterstützung benötigen. „Viele Reisebüros, die Stadthotellerie, Bergführer oder Skischulen müssten ohne Unterstützung in Insolvenz gehen.“ (ecke)


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